Diemer Video

„Das Mojo darf nicht verloren gehen“

Das waren schon heftige Vorwürfe, über die Gründerszene vor zehn Tagen berichtete. Ehemalige Mitarbeiter hatten Sebastian Diemer, dem Gründer und Geschäftsführer von Kreditech, einen unangemessenen Umgangston vorgeworfen. Dieser Ton soll ein Grund dafür gewesen sein, dass eine ganze Reihe von Managern das Hamburger Startup in den vergangenen Monaten verlassen hat. Außerdem seien Angestellte gegen ihren Wunsch in andere Postionen gedrängt worden. Das sagen jedenfalls unternehmensnahe Quellen und E-Mail-Verläufe, die Gründerszene vorliegen. Zudem soll es bei Mitarbeitern auch Zweifel an der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells bei Krediten gegeben haben, war zu hören. Auch moralische Bedenken, da „man ein Produkt verkaufe, das den Kunden schade“.

Inzwischen wehrte sich Diemer gegen die Vorwürfe. In einem ironischen Video aus den Büroräumen des Kredit-Startups spielt die Belegschaft mit Plastikgewehren und beschießt sich mit Gummipfeilen. „Are you fucking kidding me!“, wird skandiert. Dieser etwas raue Satz soll in Diemers Email-Kommunikation durchaus häufiger aufgetaucht sein, sagen Informanten. So lustig geht es bei Kreditech zu, soll das bemüht lockere Video wohl dem Zuschauer sagen.

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Am Rande des Online-Karrieretags in Hamburg äußerte sich Diemer nun in einem Videointerview mit OnlineMarketing.de zu den Berichten. Manche Manager würden den Weg von Kreditech nicht mitgehen, weil es ihnen „eine Nummer zu heftig“ geworden sei. Durch das schnelle Wachstum sei die Verantwortung der einzelnen Mitarbeiter gewachsen. Nicht jeder würde den Sprung vom Praktikanten zum Verantwortlichen von Millionenbudgets schaffen. In solchen Fällen würde Kredtitech helfen, „etwas anderes zu finden“.

Über den angeblich sehr rauen Umgangston sagt Diemer: „Im kleinen Kreis von fünf Leuten kann das unter großem Stress schon mal vorkommen.“ Dann ist von hohem Druck, extremen Positionen und „man pusht sich“ die Rede. Dieser raue Ton sei leider vorgekommen, entspreche aber nicht der Unternehmenskultur von Kreditech. Diemer wolle vielmehr eine möglichst angenehme Unternehmenskultur schaffen, in der den Angestellten alles Ablenkende abgenommen wird und das „Mojo nicht verloren geht“. So will er in den kommenden Jahren auf 1.000 Mitarbeiter kommen. Und das sollten dann möglichst nur die „Besten der Besten“ sein.

Bild: Onlinemarketing.de / Video-Screenshot