mammoths

Mastodon (benannt nach der biologischen Übergruppe der ausgestorbenen Mammuts) ist ein neues soziales Netzwerk – und es ist so erfolgreich, dass Anmeldungen (über die Hauptseite) fürs erste nicht mehr möglich sind. Vor allem seit Anfang der Woche gewinnt die Twitter-Alternative neue Nutzer, inzwischen mehr als 40.000.

„Wegen außergewöhnlich hohem Traffic sind die Anmeldungen über diesen Server geschlossen, bis die Servicequalität für existierende Nutzer gesichert werden kann“, heißt es auf der Website. 

Anzeige
Die dezentrale Open-Source-Plattform wurde von dem erst 24-jährigen Entwickler Eugen Rochko aus Jena programmiert. Mastodon wirbt damit, dass es besser als Twitter sei. Anders als bei kommerziellen Anbietern gebe es kein Risiko, dass „ein einzelnes Unternehmen unsere Kommunikation monopolisiert“, heißt es auf der Seite.  

So funktioniert der Austausch auf Mastodon:

  • Statt Tweets werden „Toots“ versendet: So heißen die Posts. Wenn man den Post eines anderen Nutzers teilt, heißt das „Boost“.
  • Auf Wiedersehen, 140-Zeichen-Limit! Toots können bis zu 500 Zeichen enthalten. So gibt es mehr Platz für inhaltlich wertvolle Beiträge und „nuanciertere Konversationen“, wie Rochko schreibt. Timelines sind chronologisch geordnet.
  • Flexible Kontrolle der Privatsphäre: Jeder Post – beziehungsweise Toot – kann als privat oder öffentlich eingestellt, ähnlich wie bei Facebook.
  • Keine Werbung: „Mastodon ist nicht dafür gedacht, dass Deine Augäpfel oder Analysedaten  an Werbetreibende verkauft werden, schreibt der 24-Jährige in einem Blogeintrag. „Ethisches Design“ bedeute einen Fokus auf den Nutzer und nicht auf Einnahmen, so Rochko weiter. „Jeder kann den Code studieren und Verbesserungen vorschlagen – das bedeutet, es ist für Menschen von Menschen gebaut, unter dem prüfenden Blick anderer Menschen.“
  • Nulltoleranz für Hate Speech: Anders als Twitter, das sich auf das breite Verständnis von Meinungsfreiheit der US-Verfassung beruft, sind bei Mastodon Nazi-Symbolik, Holocaust-Leugnung, Rassismus, Sexismus und Diskriminierung sexueller Minderheiten verboten, schreibt Motherboard.

Da Mastodon nicht über Risikokapital finanziert ist, nutzt Rochko die Plattform Patreon, um darüber Spenden zu sammeln. Damit begleiche er seinen Lebensunterhalt und die Hosting-Kosten. Im vergangenen Monat erreichte er den Zielbeitrag von 800 US-Dollar.

Für Heureka war der Mastodon-Entwickler am Donnerstag nicht zu erreichen, um über seine Pläne und die große Medienaufmerksamkeit zu sprechen.

Übersetzt aus dem Englischen. Der Text erschien ursprünglich im Gründerszene-Schwestermagazin Heureka.

Bild: Getty Images / Universal History Archive