Ein Auszug aus dem Buch „Das Handbuch für digitale Nomaden: Selbstbestimmt leben – ortsunabhängig arbeiten“ von Sebastian Kühn. Der Autor lebt seit vier Jahren als ortsunabhängiger Unternehmer, unter anderem in Shanghai. Eine Leseprobe aus dem sechsten Kapital.

Reisen und Arbeiten von unterwegs

Heute in zwanzig Jahren wirst Du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die Du versäumt hast, als über die, die Du getan hast. Also mache die Leinen los, verlass den sicheren Hafen, fang den Fahrtwind in deinen Segeln. Forsche, träume, entdecke!

Mark Twain

Wohl eines der größten Missverständnisse besteht darin, dass digitale Nomaden von unterwegs aus arbeiten. Hast du schon einmal versucht, ein Projekt aktiv voranzubringen, während du alle drei Tage den Ort wechselst? Diese romantische Vorstellung funktioniert in der Regel nicht. Richte dich darauf ein, dass du beim Reisen nur im Wartungsmodus arbeitest, also E-Mails beantwortest und dein Business am Laufen hältst.

Bevor du dich auf den Weg machst, gilt es, gut zu planen. Dazu gehören offensichtliche Dinge wie eine Reiseversicherung und das Visum, aber auch deine telefonische und postalische Erreichbarkeit, die du bei einem zweiwöchigen Pauschalurlaub normalerweise vernachlässigst. Von nun an bist du aber nicht mehr nur als Tourist unterwegs, sondern nimmst deine Arbeit und damit auch dein digitales Büro mit.

Je besser du auf das Arbeiten von unterwegs vorbereitest bist, umso entspannter wird deine Reise. Außerdem kannst du mit guter Vorbereitung viele Kosten sowohl in der Heimat als auch im Ausland sparen.

Wenn du produktiv arbeiten möchtest, dann solltest du dir eine mehrwöchige Homebase im Ausland suchen. Bei der Auswahl deiner Location solltest du verschiedene Faktoren berücksichtigen, auf die wir in diesem Kapitel eingehen. Dazu gehören die Lebenshaltungskosten, die Internetverbindung, die Verfügbarkeit von Apartments und die Möglichkeiten zum Netzwerken vor Ort.

Kosten sparen: Geo-Arbitrage und Travel Hacking

„Ich habe nicht genügend Geld“ ist die Nummer-eins-Ausrede, wenn es darum geht, nicht zu reisen. Diese Ausrede zählt ganz und gar nicht, denn in vielen Teilen der Welt ist das Leben und Reisen deutlich günstiger als im heimischen Deutschland. Abhängig sind die Kosten von deinen Ansprüchen, deiner Flexibilität bei den Reisedaten und der Destination.

Da dein Einkommen als Webworker unabhängig vom Aufenthaltsort ist, spielt die Ausgabenseite eine umso größere Rolle. Ein riesengroßer Vorteil des ortsunabhängigen Arbeitens ist unter dem Begriff Geo-Arbitrage bekannt.

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Dabei handelt es sich um die effiziente Ausnutzung von weltweit unterschiedlichen Lohnniveaus und Lebenshaltungskosten. Die grundlegende Idee dahinter ist genauso einfach wie genial: in einem Land mit niedrigen Kosten leben und sein Geld in einkommensstarken Ländern verdienen.

Genau andersherum kannst du von diesem Prinzip Gebrauch machen, indem du Arbeit an Freelancer in Ländern mit niedrigen Kosten auslagerst. Durch diese Ausnutzung von Preisunterschieden in zwei Ländern musst du dein Einkommen nicht unbedingt erhöhen oder Ersparnisse nutzen, um auf Reisen zu gehen. Mit den Einkünften aus einer untervermieteten Wohnung oder einer Nebentätigkeit als Freelancer kannst du in vielen Ländern wie Lateinamerika oder Asien gut leben.

Günstig im Ausland leben

Generell sparst du beim Reisen immer dann viel Geld, wenn du lebst „wie die Locals“. Das bedeutet, in lokale Restaurants zu gehen, eine Wohnung außerhalb vom Zentrum zu beziehen und die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Je länger du dich an einem Ort aufhältst, desto einfacher wird es, dort günstig zu leben. Bedenke die folgenden Tipps, und du kannst bei längeren Auslandsaufenthalten deutlich Kosten sparen:

  • Wohnung vor Ort für mindestens einen Monat buchen
  • Couchsurfing oder Housesitting für kurze Aufenthalte nutzen
  • Öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder Motorroller ausleihen
  • Lokale Lebensmittel einkaufen
  • Flexibel bei Reisedaten sein
  • In der Nebensaison reisen

Ausgaben in Deutschland minimieren

Sobald du für mehr als einen Monat im Ausland bist, solltest du darüber nachdenken, Verträge stillzulegen und deine Wohnung (mit Erlaubnis des Vermieters) unterzuvermieten. Jeder eingesparte Euro im Heimatland erhöht dein Budget im Ausland. Hier ein paar Ansätze zur Kosteneinsparung:

  • Wohnung untervermieten
  • Krankenversicherung kündigen oder auf Anwartschaft setzen
  • Auto abmelden (und/oder verkaufen)
  • Telefonvertrag kündigen
  • Mitgliedschaften und Abos kündigen (ADAC, Fitnessstudio, Kabelfernsehen, Zeitschriften)

Travel Hacking – günstig Reisen

Dieser Begriff wird vor allem von Amerikanern verwendet, die das bestehende System von Fluglinien, Rabatten und Bonusmeilen (Frequent Flyer Miles) so geschickt ausnutzen, dass sie für unglaublich niedrige Beträge um die Welt reisen.

Dafür müssen Flugmeilen über Kreditkarten, Hotelübernachtungen, Mietautos oder Flüge gesammelt werden, die dann innerhalb von Flugallianzen eingetauscht werden können. Viele dieser Programme zum Sammeln von Flugmeilen sind jedoch nur für US-Amerikaner oder dort lebende Menschen wirklich sinnvoll. Um über Aktionen für Flugmeilen auf dem Laufenden zu bleiben und mehr über Travel Hacking zu erfahren, kann ich dir die englischsprachige Membership-Site Travel Hacking Cartel von Chris Guillebeau absolut empfehlen.

Ein sofortiges Sparpotenzial ergibt sich aus dem Finden günstiger Flüge. Dafür gibt es Metasuchmaschinen und Vergleichsseiten wie ITA (Google) oder Skyscanner. Generell gilt, dass du weniger bezahlst, wenn du flexibel bist. Suche auch nach Flügen zwei bis drei Tage vor und nach deinem gewünschten Reisetermin und beziehe Flughäfen in der Nähe mit ein. Besonders Dienstag bis Donnerstag sind erfahrungsgemäß gute Tage für preiswerte Flüge.

Nachdem du über die Flugsuchmaschinen die zwei bis drei günstigsten Fluglinien ausfindig gemacht hast, besuche deren offizielle Website und führe die Suche erneut durch. Manchmal sind die Flüge dort günstiger, da du die Provision einsparst. Schaue auch nach Sonderangeboten oder probiere es mit einem weiteren Zwischenstopp, der unter Umständen Geld sparen kann.

Wenn du ein weniger touristisches Land oder einen kleinen Flughafen ansteuerst, dann werden diese von den Flugsuchmaschinen eventuell nicht abgedeckt. Um die besten lokalen Airlines zu finden, kannst du entweder auf der offiziellen Website des Flughafens schauen oder eine einfache Google-Suche nach „Flug Start Ziel“ durchführen. Weitere gute Tipps für das Finden günstiger Flüge findest du bei Florian auf dem Flocblog.

Florian Blümm: Günstig reisen

Florian ist als Budget-Backpacker und digitaler Nomade seit mehr als vier Jahren auf Langzeitreise. Er bloggt auf www.flocu-tus.de über Spartipps beim Reisen und günstige Reiseziele wie Asien und Lateinamerika.

Du bist seit vier Jahren unterwegs. Wie viel Geld benötigst du monatlich für deine andauernde Weltreise?

Für meine Langzeitreise in Asien und Lateinamerika brauche ich über vier Jahre gesehen etwa 700 Euro im Monat, alles inklusive. Davon grob ein Drittel für:

1. Übernachtungen in Guesthouses und lokalen Hotels
2. Essen, Kleidung, täglicher Bedarf, Bier, Kaffee und Kuchen
3. Reisekosten wie Flüge, Züge, Busse, Aktivitäten, Visa, Reisekrankenversicherung, neue Kameras

Was sind deine besten Tipps, um auf langen Reisen Geld zu sparen?

Die Top drei sind sicher:

1. Langsam reisen und wenig fliegen
2. Essen wie die Locals
3. Verzicht auf unnötigen Komfort

Ohne Verzicht geht es natürlich nicht. Aber gerade was die Punkte eins und zwei angeht, wird die Reisequalität dadurch eher besser als schlechter.

Wie findest du günstige Flüge und was sollte bei der Buchung beachtet werden?

Der erste Fehler bei der Flugsuche ist es, einen Flug zu suchen. Nimm lieber einen passenden Error Fare oder ein Sonderangebot, das dich ungefähr in die richtige Gegend bringt. Vor Ort reist es sich dann sehr günstig. Es gibt so gut wie immer günstige Flüge nach Asien und auch zu anderen Reisezielen. Über aktuelle Reiseschnäppchen informiere ich in meinem Newsletter.

Das Handbuch für digitale Nomaden: Selbstbestimmt leben – ortsunabhängig arbeiten; Sebastian Kühn; 320 Seiten, Hardcover; 19,99 Euro; ISBN 978-3-86881-624-2

Bild: Gettyimages / Juan Silva

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