Columba-Gründer Oliver Eiler

Ein Verstorbener hinterlässt heute – neben Mobiliar, Mietverträgen oder Versicherungen – viele Spuren im Netz. Einige davon sind selbst den Angehörigen unbekannt. Der Umgang mit dem digitalen Erbe ist nicht nur eine bedrückende Aufgabe, sondern kann zur finanziellen Belastung werden. Das junge Berliner Unternehmen Columba hat eine Lösung entwickelt.

Mitgründer Oliver Eiler erzählt im Gespräch mit Gründerszene, wie er auf die Idee für seine Firma gekommen ist. „Ein sehr guter Freund von mir ist vor wenigen Jahren gestorben und noch Monate danach ist vom Konto seiner Frau Geld für Zeitschriftenabos abgebucht worden“, erzählt er. In der Zeit der Trauer habe sie das überhaupt nicht bemerkt. Um solche Fälle zu vermeiden, bietet Eiler mit Columba eine Dienstleistung an: Sie soll es Angehörigen leicht machen, sich einen Überblick über die Online-Aktivitäten eines Verstorbenen zu verschaffen.

Bestatter kümmern sich seit jeher um die bürokratischen und juristischen Anforderungen, die ein Tod mit sich bringt. Sie geben Sterbeurkunden in Auftrag und kündigen Rentenversicherung und Wohnungen. Seit 2013 können sie mit Columba ihren Kunden in Deutschland und Österreich auch die Regelung digitaler Hinterlassenschaften anbieten. Über 2.000 Filialen von Bestattungsfirmen arbeiten bereits mit dem Unternehmen zusammen, das sich selbst als Treuhänder und Prozessoptimierer sieht.

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Gibt ein Kunde eine Nachlassverwaltung in Auftrag, so werden die Daten des Verstorbenen automatisch mit den verschlüsselten Daten von rund 250 Internethändlern abgeglichen, die etwa 90 Prozent des B2C-E-Commerce ausmachen. Der Angehörige erhält dann eine Benachrichtigung über die Treffer und kann im nächsten Schritt entscheiden, was damit passieren soll. Gegebenenfalls veranlasst Columba eine Kündigung oder Löschung des Accounts. Kunden können Columba auch dazu veranlassen, Profile in sozialen Netzwerken oder Mitgliedschaften bei Plattformen, die keine Partner sind, zu löschen.

Einige Anbieter wie Google, Web.de oder GMX haben systemeigene Prozesse entwickelt, bei denen ein Nutzer gelöscht wird, wenn er mehrere Monate inaktiv war. Als „kulturelle und inhaltliche Frechheit“ bezeichnet Eiler das. „Ein inaktiver Kunde ist nicht gleich ein verstorbener Kunde; einen inaktiven Kunden kann man zurückgewinnen, ein verstorbener Kunde ist und bleibt unwiederbringlich.“ Columba gibt eine Garantie auf die Richtigkeit der Informationen und bietet Kooperationspartnern auf unternehmerischer Seite eine erhebliche Entlastung: Ihre Datenbanken werden kontinuierlich und automatisch bereinigt. Das ist ein finanzieller Vorteil, für den sie Columba bezahlen.

Natürlich gibt es andere Möglichkeiten, um mit dem digitalen Nachlass umzugehen. Private Anbieter wie die Unternehmen Semno oder Digitaler-nachlass.com durchsuchen die Endgeräte der Verstorbenen manuell auf alle Spuren der Aktivitäten im Netz, knacken Passwörter und hacken Accounts. Doch dieses Vorgehen ist mühsam und kostspielig. Ebenso steht es mit Angeboten der Nachlass-Vorsorge wie Securesafe.com. Zu Lebzeiten kann ein Internetnutzer hier eine Art digitalen Safe anlegen, in dem er alle Passwörter und Zugangsdaten hinterlegt. Das kostet, je nach Speicherkapazität, monatlich. Andere Anbieter wie Deathswitch.com und Mywebwill.com boten an, die Accounts der Nutzer zu einem selbst gewählten Zeitpunkt nach dem Tod automatisch zu löschen – doch die Startups gibt es mittlerweile nicht mehr.

Eiler will sich von solchen Modellen abgrenzen. „Vorsorge-Produkte sind für Privilegierte“, sagt er. „Der Tod darf aber keine Luxusleistung sein.“ Sein Service soll für jeden zugänglich sein und zur Normalität werden. Für den Kunden, der die Nachlassverwaltung bei einem Bestatter schon immer bezahlen musste, fallen keine zusätzlichen Gebühren an. Auch Menschen, die auf Sozialämter angewiesen sind, können den Service von Columba nutzen.

Die Firma hat exklusive Verträge mit den Landesfachverbänden der Bestatter bundesweit – und sieht keine ernstzunehmenden Wettbewerber. „Ohne unsere Company würde es den Begriff digitaler Nachlass gar nicht geben“, glaubt Eiler. Doch brüsken möchte er sich damit nicht. „Das ist ein ernstes Thema.“ Deshalb hört er den Begriff Startup auch nicht gern. Zwar treffen alle äußeren Definitionen auf das junge Unternehmen zu, doch sich wie ein Startup benehmen, das könnten sie nicht. „Die Trial-and-Error-Mentalität, die in Startups gepflegt wird, können wir uns nicht leisten. Bei dem Thema Tod darf man keine Fehler machen.“

Bild: Columba