Hat es dieser freundliche Roboter auf unseren Arbeitsplatz abgesehen?

Was machen Millionen Taxi- und Lkw-Fahrer rund um die Welt, wenn autonomes Fahren zum Standard wird? Was wird aus Postboten, wenn die Auslieferung mithilfe autonomer Autos, Roboter oder Drohnen funktioniert?

Bislang galt: Wann immer in der Menschheitsgeschichte technischer Fortschritt Arbeit überflüssig gemacht hat, sind an anderer Stelle neue Arbeitsplätze entstanden – und am Ende war die Gesellschaft insgesamt wohlhabender. Doch zahlreiche Ökonomen und Zukunftsforscher, die sich intensiv mit den Folgen der Digitalisierung beschäftigen, glauben, dass es diesmal anders ausgeht.

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Von einer „Dematerialisierung“ des gesamten Produktionsprozesses spricht Karl-Heinz Land, Gründer und Chef der Beratungsagentur Neuland und Co-Autor des Buchs „Dematerialisierung – Die Neuverteilung der Welt in Zeiten des digitalen Darwinismus“. „Was geschieht, wenn alles zur App wird?“, fragt Land, der sich selbst als „Digitaler Darwinist und Evangelist“ bezeichnet. Seine Prognose: Ein großer Teil der Wertschöpfungskette wird überflüssig.

Apps machen viele klassische Tätigkeiten überflüssig

Langfristig werde fast alles zur Software, glaubt Land, und dematerialisiere sich damit. Als Beispiel nennt er einen Schlüssel, der zur App auf dem Smartphone wird. Damit entfällt zunächst die Produktion des Schlüssels. Fällt die Produktion des Schlüssels weg, ist auch die Herstellung der Maschinen überflüssig, die den Schlüssel produzieren und ebenso die Maschinen für die Ersatzteile der Maschinen der Schlüsselproduktion. In letzter Konsequenz wird auch die Logistik für den Transport des Schlüssels überflüssig, glaubt Land – also die Autos und Straßen.

Dass Software eine immer größere Rolle für alle Branchen der Wirtschaft spielt, ist unstrittig. Internet-Unternehmer und Wagniskapitalgeber Marc Andreesen hat dieses Phänomen einst mit dem Schlagwort „Software is eating the world“ auf den Punkt gebracht und bis heute recht behalten. Ob Automobilindustrie, Handel, Banken oder Maschinenbau – überall spielt Software eine immer entscheidendere Rolle für den Firmenerfolg.

Doch ob damit auch eine vollständige „Dematerialisierung“ einhergeht, ist fraglich. Als ab den 1970er-Jahren massenhaft Computer in Büros einzogen, geisterte schnell die Vision vom papierlosen Büro durch die betriebswirtschaftliche Literatur. Bis jetzt ist das papierlose Büro allerdings Vision geblieben, und weder Drucker- noch Papierhersteller sind verschwunden.

Es kann also gut sein, dass sich die „Dematerialisierung“ langsamer und weniger dramatisch vollzieht, als es Land und andere glauben – und es ist auch möglich, dass das Internet und darauf aufbauende Technologien noch weitere Jobs hervorbringen, von denen heute niemand auch nur ahnt.

Neue Jobs sind oft schlechter bezahlt

Doch die Riege der digitalen Schwarzmaler wird in jüngster Zeit eher länger. Robert Reich, Arbeitsminister unter Ex-Präsident Bill Clinton, gehört dazu und spricht von einer „Uberisierung“ des Arbeitsmarktes. Die Mobilitäts-App und Taxi-Konkurrenz Uber ist der Lieblingsfeind des linken US-Ökonomen. „GM ist rund 60 Milliarden Dollar wert und hat mehr als 200.000 Angestellte“, schrieb Reich in seinem Blog. Uber, das inzwischen fast genauso viel wert ist, hat nach eigenen Angaben derzeit weltweit nur rund 3500 Angestellte. Die meisten der Fahrer dagegen arbeiteten unter prekären Umständen, so Reich.

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Auch der US-Wirtschaftshistoriker John Komlos ist der Ansicht, dass durch die Digitalisierung Jobs in einem Ausmaß überflüssig werden, die durch neue Berufsfelder nicht in gleichem Umfang ausgeglichen werden. In einem Bericht mit dem Titel „Has Creative Destruction Become More Destructive?“ führt er das unter anderem an dem Beispiel Kodak aus.

In der Spitze hatte die einstige Ikone der Fotoindustrie 145.000 Mitarbeiter. Die meisten davon bezogen ein Mittelklasse-Einkommen. Nach der Revolution der Digitalfotografie blieben noch 8000 Beschäftigte über. Apple, die Ikone im Zeitalter der Digitalwirtschaft und heute das wertvollste Unternehmen der Welt, hatte zum Zeitpunkt des Berichts nur 47.000 Angestellte – zwei Drittel davon waren in Apple-Läden im Niedriglohnsektor beschäftigt.

Und das Beispiel Apple ist typisch: Neue Berufsbilder, die mit der Digitalisierung aufgekommen sind, entstanden überwiegend an den beiden Extremen der Einkommensskala: Relativ wenige sehr gut bezahlte Datenwissenschaftler, Programmierer oder Startup-Milliardäre stehen zahlreichen Logistikarbeitern bei Unternehmen wie Amazon oder Zalando und Uber-Fahrern gegenüber. Und Letztgenannte verdrängen eher besser bezahlte Verkäufer im Einzelhandel oder klassische Taxifahrer vom Arbeitsmarkt.

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von mightyohm

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