Hier wurde schon PayPal gegründet: das Buck’s Restaurant in Woodside. Im Vordergrund Besitzer Jamis MacNiven, dahinter Dominik Groenen, Alexander Burandt und Sebastian Groenen (von links)

15 Jahre altertümliche Versicherung

15 Jahre lang arbeitete Dominik Groenen in der Versicherungsbranche und 15 Jahre lang fühlte er sich als Exot. Eine Branche, die, wie er sagt, altertümlicher nicht sein könnte, die ihm schlaflose Nächte bereitete. „Wenn man für eine Versicherung 20 Seiten ausfüllen muss, dann dreht man durch und denkt: Das ist doch nicht die Zukunft.“ 15 Jahre hat es gedauert, um sein eigenes Ding aufzuziehen, um nichts weniger als die Versicherungsbranche auf den Kopf zu stellen – so zumindest der Plan. Und das ganze gemeinsam mit den Versicherern und nicht an ihnen vorbei, wie es seiner Meinung nach etwa die Versicherungsportale Check24, Friendsurance oder Easycard fälschlicherweise tun würden. Die jüngste Finanzierung von Onlineversicherung.de hält er entsprechend für einen Fehler. „Ich weiß, dass das nicht funktionieren wird“, sagt er. Easycard sei seiner Meinung nach „bereits tot“.

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Groenens Weg in die Branche beginnt, ganz klein, mit Schulpraktika im Bankenwesen, initiiert durch den Vater, der 35 Jahre lang bei der Deutschen Bank arbeitete. Zu einer Zeit, als an Banking-Apps noch nicht zu denken ist und man Überweisungen auf Papier zur Bank bringt. Danach folgen sechs Jahre bei der Provinzial Rheinland, zuerst in der Kundenbetreuung, wo er von „Kunden teilweise Wäschekörbe mit Versicherungsunterlagen“ bekommt, mit der Anweisung: „Nehmen sie die Sachen mit und ordnen Sie sie für mich.“ Er wechselt schnell in den Bereich besonderer Versicherungen und rückt näher an die Produktentwicklung, gefolgt von weiteren Jahren als Versicherungsmakler bei der Londoner Versicherungsbörse Lloyds.

Im Valley springt der Funke über

Doch eigentlich will Groenen raus aus der Branche, in die digitale Szene, um von dort aus den Versicherungsmarkt zu revolutionieren. 2013 geht es ins Valley, im legendären Restaurant Buck’s trifft er Frank Simon, seinen ersten Mentor und eine Internet-Legende, der unter am ersten Internet-Auftritt des Nachrichtenmagazins Der Spiegel im Jahr 1994 beteiligt war. Der Restaurantbesitzer macht ihn auf eine Besonderheit aufmerksam: „An diesem Tisch wurde PayPal gegründet.“ Auch das waren Revolutionäre, denkt Groenen. „Nun ist die Versicherungsbranche reif, um von mir und meinen Partnern digitalisiert zu werden.“

Noch im Januar 2013 werden die Grundsteine für die ersten Projekte gelegt. Aber nicht alles verläuft nach Plan. „Bestimmte Online-Strategien wie SEO und SEA funktionierten nicht in der Versicherungs-Branche, da es sich um ein nicht fassbares Produkt handelt, das lediglich ein Versprechen verkauft.“ Groenen muss zu Plan B greifen: „Wir haben gemerkt, dass wir bedeutend mehr erreichen, wenn wir zum Beispiel einen Versicherer gewinnen, der 3.600 Makler hat und unsere Lösung nutzt“, resümiert Groenen die ersten Erfahrungen.

Und er ergänzt: „Warum sollte ich mich an den Endkunden wenden, wenn ein Versicherer bereits die Zugänge zu Millionen von Menschen hat? Da wir seit Jahrzehnten in der Versicherungsbranche sind, wissen wir wie Versicherer und Vermittler denken. Das ist unser Vorteil als einziger Player im Markt. In der Versicherungsbranche gibt es 260.000 Außendienstmitarbeiter, die eine Berechtigung haben und die nicht völlig verschwinden werden. Hier muss man dem Außendienst helfen und den Versicherungen die Tools an die Hand geben.“

Nach diesem Prinzip entwickelt 2013 Groenen schließlich gemeinsam mit der Rhion Versicherungs AG die Marke Rhion Express; mit der EWP in Hannover die Marke Traumschutz. „2013 war das Jahr des Lernens, 2014 wird das Jahr der Expansion – zusammen mit Versicherern und Maklern. International.“

Bild: Dominik Groenen