Streamingdienste wie Spotify oder Apple Music sind bei Musikern nicht besonders beliebt. Auch wenn ihre Musik oft gehört wird, bleibt die Bezahlung übersichtlich. Nur ein paar Superstars können hier richtig Geld verdienen. Jetzt macht sich ein neuer Dienst auf, die Welt des Streamings ein wenig gerechter zu machen. Ausgerechnet Baboom, in das auch der zwielichtige Kim „Dotcom“ Schmitz investiert war, soll es richten. Schmitz hat seine Anteile an Baboom allerdings 2014 wieder verkauft.

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Auf den ersten Blick fühlt sich Baboom an wie ein Myspace auf Steroiden. Kennt noch jemand Myspace? Bandcamp und Soundcloud wären vielleicht noch vergleichbar. Mit einem klassischen Streamingdienst hat diese Plattform jedenfalls nur wenig zu tun. Das sehr gut gestaltete Angebot richtet sich eher an unabhängige Musiker, die auf einem eigenen Profil ihre Musik verbreiten, mit Fans in Kontakt treten und sogar Tickets für ihre Shows verkaufen können. Ein Rundumpaket für die Independent-Band von heute, die meistens auch alle Management-Angelegenheiten in eigener Sache nebenbei erledigen muss.

Im eigenen Werbevideo ist nicht davon die Rede, dass Baboom mit Spotify und Apple Music in den Ring steigen will. Ein paar Stichproben zeigen, dass das zur Zeit auch ein ungleicher Kampf wäre. Keine Madonna, keine Britney Spears, kein U2. Nicht, dass das ein großer Verlust wäre – aber ein ernsthafter Gegner von Spotify sieht anders aus. Der Nutzer soll neue Musik entdecken. Ein hehres Ziel.

 

Ob der neue Dienst für Musiker wirklich interessant ist? Immerhin sollen 90 Prozent der Einnahmen direkt an die Bands fließen. „Fair Trade Streaming“ nennt sich das im Werbevideo. Kunden können ähnlich wie bei anderen Streamern entweder kostenfrei hören und müssen dafür Werbung ertragen. Oder sie schließen ein Premium-Abo für rund sieben Euro ab. Die Frage ist, ob Baboom ohne das unendliche Angebot der Konkurrenz überhaupt ein Publikum auf seine Seite ziehen kann. Bessere Bezahlung für Musiker ist gut. Aber zunächst muss erst mal jemand für ihre Musik interessieren.

Der Trend ist allerdings klar. Plattenfirmen und Verlage sind wohl schon bald nicht mehr der erste Anlaufpunkt für aufstrebende Musiker. Es wird immer einfacher und selbstverständlicher, die eigene Musik selber auf Plattformen und in den sozialen Netzwerken zu positionieren und zu bewerben. Die großen Firmen sind dann nur noch für die großen Geschäfte zuständig. Nicht mehr für die wirklich interessanten Neuigkeiten. Und wer weiß, vielleicht steigt ja irgendwann Apple richtig in das Musikgeschäft ein und bringt ein eigenes Musiklabel auf die Straße. Dann wird es richtig eng für Universal und Co.

Foto: Baboom