Einen günstigen Preis für ein Hotelzimmer zu finden, ist keine einfache Aufgabe – denn ständig ändern sich die Preise auf Buchungsportalen im Internet. Leif Pritzel versucht, diesen undurchsichtigen Markt zu verändern. Sein Startup DreamCheaper überwacht für Urlauber die Hotelpreise. Es bucht automatisch um, sobald es einen günstigeren Preis für das Zimmer gibt.

Der gebürtige Berliner hat in Mailand und St. Gallen Betriebswirtschaftslehre studiert. Nach einer Station bei der Unternehmensberatung Roland Berger ging es kurz zur Unternehmensschmiede Rocket Internet. Im Januar des vergangenen Jahres startete der 29-Jährige zusammen mit Nathan Zielke dann sein Unternehmen DreamCheaper, das mit dem Hamburger Startup Triprebel und dem US-Unternehmen Tingo konkurriert.

Mittlerweile arbeiten zehn Mitarbeiter für das Berliner Unternehmen. Nach eigenen Angaben haben schon 15.000 Nutzer den Service verwendet. Bislang haben die Gründer das Unternehmen mit eigenem Geld finanziert.

Im Gründerszene-Interview erklärt Gründer Pritzel, wie das Portal funktioniert und ob er auch privat ein Sparfuchs ist:

Leif, mit eurem Portal DreamCheaper sollen Urlauber bei der Hotelbuchung Geld sparen. Bist du privat ein Mensch, der sehr auf den Preis achtet?

Das mache ich nur, wenn ich etwas mit hohem Wert neu anschaffe – beispielsweise einen Computer oder ein Auto. Nathan aus meinem Team ist allerdings der Optimierer schlechthin, er versucht überall den besten Preis zu bekommen. Dadurch ergänzen wir uns ganz gut.

Durch die Arbeit hast du Einblicke in die Preismechanismen im Netz bekommen.

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Es war schon sehr erstaunlich, mit welchen Preistricks heutige Buchungsanbieter arbeiten. Viele E-Commerce-Anbieter versuchen ihre Preise ständig zu verändern, und die Nutzer zahlen am Ende einen höheren Preis. Mittwoch hat ein Produkt einen anderen Preis als Sonntag. Jetzt weiß ich, dass es ohne extremen Aufwand in der Regel kaum eine Möglichkeit gibt, wirklich den versprochenen günstigsten Preis angezeigt zu bekommen.

Wie seid ihr auf Idee für DreamCheaper gekommen?

Auf die Idee kam mein Mitgründer Nathan Zielke Ende 2013, als er eine Südamerikareise geplant hat. Doch die Preise änderten sich laufend – es nervte ihn, ständig erneut auf seine Buchungen schauen zu müssen. Ich habe verstanden, dass es einen Bedarf gibt. Wir haben uns kurz darauf hingesetzt und gemeinsam die Details und das Geschäftsmodell entwickelt.

Wie funktioniert das Portal genau?

Unsere Nutzer buchen ihre Hotels, wo immer sie mögen. Danach leiten sie ihre Buchungsbestätigung an unsere Adresse weiter. Wir prüfen dann automatisiert täglich, ob eine bessere Rate für dasselbe Zimmer verfügbar ist und buchen in Absprache mit dem Kunden automatisch um. Unsere Kunden schlafen so stets in genau dem Hotel und Zimmer, das ursprünglich gebucht wurde – zahlen aber den niedrigstmöglichen Preis. Die Umbuchungen sind möglich, weil sie einen flexiblen Tarif gewählt haben. Wir behalten dann 20 Prozent von dem eingesparten Betrag ein.

Haben euch Hotelbesitzer und Touristikverbände schon wütend angerufen?

Wir haben davon zumindest nichts mitbekommen. Im Gegenteil. Wir wurden bereits von mehreren Hotelketten und Touristik-Verbänden angesprochen, um eventuelle Kooperationen zu evaluieren: DreamCheaper ist im heutigen Hotelmarkt eine Möglichkeit für Hotels, den direkten Kundenkontakt zurückzugewinnen, selbst wenn die Brutto-Preise leicht sinken. Sie sind dann nicht mehr auf Buchungsplattformen im Internet angewiesen, für dessen Service sie hohe Provisionen bezahlen müssen. Aber die Partnerschaften mit uns bieten hier keinen Raum für Ausnahmen für den Preis, den der Kunde am Ende bezahlen muss.

Dafür rufen Kunden an und bedanken sich?

Das Feedback ist überwältigend. Unsere Kunden sind oft sehr verwundert, wie eine Preissenkung für dasselbe Zimmer von teilweise über 50 Prozent überhaupt möglich sein kann. Mund-zu-Mund-Propaganda ist entsprechend ein starkes Marketing-Instrument für uns. Künftig soll der Kunde mit einer App noch mehr Kontrolle über seine Buchungen haben.

Lässt sich so ein Modell nicht auch auf andere E-Commerce-Märkte übertragen?

Klar, es gibt auch bereits erste Ansätze. Zum Beispiel das US-amerikanische Startup Paribus, das unser Konzept für Produkte im Online-Retail anbietet. Und wir tüfteln ebenfalls an einer Erweiterung.

Vielen Dank für das Gespräch, Leif.

Bild: DreamCheaper