Lencke Steiner und Jochen Schweizer beraten über ein Angebot für „von Floerke“

Zu Beginn der 3. Sendung von „Die Höhle der Löwen“ wird es gleich schräg: Folke Dammann will den Löwen seine „alternative Proteinquelle mit besonderem Kick“ schmackhaft machen: Insekten-Riegel. Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmer als Knabberware oder Lolli verkauft Dammann bereits profitabel unter der Marke Snack Insects. Weil das ganz offensichtlich nicht jedermanns Sache ist, will er nun mit einem neuen Unternehmen aus Insektenmehl hergestellte Power-Riegel auf den Markt bringen. Die Vorteile gegenüber herkömmlichen Produkten: Insekten brauchen weniger Wasser und produzieren weniger CO2, betont Dammann. Probleme unserer Zeit, keine Frage. Aber Insekten?

Entsprechend stark sind die Reaktionen der Löwen. Während Vural Öger von Beginn an skeptisch ist („Ich soll Insekten fressen?!?“), läuft Ex-Stuntman Jochen Schweizer das Wasser im Mund zusammen: „Diese Grillen sind delikat!“ Und während alle Mitlöwen gleich raus sind, denkt er über einen Deal nach. Was Juror-Kollege Frank Thelen Schweizer noch einmal erklären muss: Es geht hier nicht um die Knabber-Insekten, sondern um neue Energie-Riegel. Weil Schweizer das gar nicht gefällt, lautet sein Angebot 25.000 Euro für die Hälfte von allem. Auch dem profitablen Snacks-Geschäft. Dammann berät sich per Telefon mit seiner Frau – und entscheidet sich gegen das Angebot, weil das Herz Nein sagt.

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Als Zweites treten Freya Oehle und Tobias Kempkensteffen vor die DHDL-Investoren. Sie haben die Vergleichsplattform Spottster gegründet, einen Merkzettel für das Online-Shopping. Der, so versprechen die beiden Mittzwanziger, soll die Nutzer sogar über Preisveränderungen informieren. 200.000 Euro haben die beiden schon investiert, doch nun wird das Geld knapp: Ohne weiteres Kapital ist das Internet-Startup in sechs Monaten pleite. Deswegen wollen sie eine halbe Million Euro von den Löwen – für zwölf Prozent der Anteile.

Frank Thelen springt auch sofort auf die Idee an. Das sei ein brillantes Geschäftsmodell, betont der Internet-Investor auffällig deutlich. Aber die anderen Löwen wollen erst einmal softere Fragen klären: Ob die beiden ein Paar seien. „Nein, aber das werden wir oft gefragt“, antwortet Oehle. Dann Zahlen: 2.000 Euro Umsatz mache Spottster pro Monat – und 9.000 Verlust. „Und jetzt möchten Sie von mir 500.000 Euro, um weitere Verluste zu finanzieren?“ – Jochen Schweizer ist raus.

Wer aber glaubt, das sei schon der Todesstoß gewesen, täuscht sich. Denn der kommt von Frank Thelen – und die Show gewinnt an Fahrt. „Wer sind Eure Wettbewerber“, fragt er heimtückischer als die beiden Gründer glauben. Eigentlich gebe es keinen direkten Konkurrenten, antwortet Oehle. Nur: Thelen ist Investor bei Zen Shopping, einem Unternehmen, das die gleiche Idee hatte und bereits global aufgestellt ist. Also: Wieder kein Deal – und von Thelen gibt es nicht einmal ein „viel Glück“ für den Wettbewerber. Ein echter Downer. Gibt es bei der Höhle der Löwen vielleicht doch so etwas wie einen Spannungsbogen?

Es folgt: der wohl erste Höhepunkt der dritten Folge. Denn wer bei handgefertigter Fliege, Krawatte oder Einstecktuch schon abschaltet, verpasst die Löwen bei von Floerke. Der 22-jährige David Schirrmacher will mit dem Label zum bekanntesten deutschen Herrenausstatter aufsteigen. Mit kreativer Beratung seiner Verlobten Johanna hat er bislang hauptsächlich Fliegen verkauft – und im zweiten Geschäftsjahr 50.000 Euro damit verdient. Schirrmacher präsentiert sich gut, vielleicht etwas steif, aber das passt irgendwie. Sein Angebot: 100.000 Euro für 20 Prozent des Unternehmens.

Anzugträger Vural Öger ist dabei sein Wunschlöwe. Den interessieren die Zahlen: Wie hoch der Warenwert der gelagerten Produkte sei. Als Schirrmacher von 400.000 Euro spricht, kann man den Löwen die Fragezeichen im Kopf ansehen. Bezahlt habe Schirrmacher für die Waren aber nur 30.000 Euro. Plötzlich sind alle wieder hellwach, solche Margen überzeugen. Schon steht Frank Thelen neben Vural Öger, um ein Angebot zu beratschlagen. 100.000 Euro, aber für 33 Prozent. Irgendwie stößt dann auch noch Judith Williams dazu – während Jochen Schweizer ein Gegenangebot auf den Lippen liegt. Doch der druckst herum und Schirrmacher hat sich schon für das Thelen-Öger-Williams-Trio entschieden, ganz zur Enttäuschung Schweizers. „Wer etwas will, muss es klar sagen“, kommentiert Schirrmacher keck.

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Dann geht es wieder um das Thema Essen, allerdings konventioneller als Insekten-Lollis: Sunny Cage, ein aufziehbarer Toaster-Aufsatz. Der stammt von dem 60-jährigen Tüftler Hans Zarm. In sein Produkt hat er fünf Jahre Arbeit und 200.000 Euro investiert, für die gleiche Summe will er nun zehn Prozent einer noch zu gründenden GmbH abgeben. Oder anders formuliert: Nach 6.000 verkauften Drahtkäfigen soll Sunny Cage zwei Millionen Euro wert sein. Diese Rechnung geht für Vural Öger nicht auf. Bei Löwe Frank Thelen hat der Sunny-Cage-Erfinger auch kein Glück: „Was mich erschreckt, ist die Produktqualität.“ Jochen Schweizer stimmt zu. Sunny Cage sei erst vermarktbar, wenn er auch nutzbar ist. „Willkommen in der Realität“. Auch Lencke Steiner nimmt kein Blatt vor den Mund. Ihr Fazit: keine Marktberechtigung. Und irgendwie hat sich beim Zuschauer während der ganzen Geschichte das Gefühl breit gemacht, man befinde sich in den frühen Neunzigern.

Der nächste Bittsteller vor den Löwen sorgt zum Glück wieder etwas für Wirbel – allerdings im buchstäblichen Sinne. Die Idee von Philipp Schatton: Menschen, die in Fußgängerzonen mit Werbeschildern jonglieren. Der Lübecker will 95.000 Euro für zehn Prozent haben. Die passenden Ambitionen bringt Schatton jedenfalls mit. In fünf Jahren will er mit SignSpin fünf Millionen Euro Umsatz erwirtschaften, damit macht er Löwen und Zuschauer zumindest neugierig.

„Das ist geil, das ist cool“, sagt Schweizer. Wie lange die Spinner (englisch, nicht deutsch!) mit den Schildern wohl durchhalten könnten? Einer, der es gerade vorgemacht hatte, behauptet: acht Stunden am Tag, sieben Tage hintereinander. „Glaube ich nicht“, erwidert Schweizer. Und während er noch etwas in Erinnerungen an seine frühen Unternehmerjahre schwelgt, ist sich die Juroren-Riege einig: Kein Business, nicht genügend Schilderdreher, schwierige Qualitätskontrolle, kein Deal. Und der Zuschauer ist etwas ernüchtert. Irgendwie fehlt in dieser Folge das Erfolgsgefühl.

Ob Akiko Takahashi und Christian Atz die Stimmung noch drehen können? Mit mobilegarden.org wollen sie kleine, faltbare, recyclebare Blumentöpfe zum neuen Kult in Deutschland machen. Kennengelernt haben sich die Programmiererin und der Jurist bei einem Gründertreff in Linz, mittlerweile sind sie ein Paar. Um ihre kleinen „hängenden Gärten“ groß machen zu können, wollen sie 20.000 Euro von den Löwen. Und sind willens, dafür 15 Prozent des Unternehmens herzugeben.

Nach ihrem Pitch fällt es schwer, den DHDL-Juroren zwischen „niedlich“, „süß“, „ein wenig crazy“ und „ich bin verliebt“ überhaupt noch zu folgen. Als die beiden Gründer von Herstellungspreisen von wenig mehr als einem Euro und Verkaufspreisen von rund zehn Euro reden, raffen sich die Löwen wieder zusammen. Jochen Schweizer ist der erste, der einen Deal vorschlägt: 20.000 Euro als Kredit, der mit einem Euro pro Verkauf abgestottert wird, danach fünf Prozent der Verkäufe. Vural Öger und Judith Williams kontern mit 26 Prozent der Unternehmensanteile für 20.000 Euro, die aber nicht zurückgezahlt werden, sondern einem SOS Kinderdorf zukommen. Während die beiden Gründer noch überlegen, bessert Schweizer nach. Und 20.000 Euro will er auch spenden. Das überzeugt, die Gründer schlagen zu.

Damit kommt also doch noch ein zweiter Deal in dieser Folge zustande – und das tut der Show gut. Denn obwohl die Löwen durchaus die Gelegenheit hatten, sich unterhaltsam aufzuregen oder zu streiten, blieben sie überaus handzahm. Am Ende lässt die Sendung den Zuschauer zum Glück doch mit einem guten Gefühl zurück. Weil die Mini-Gärten-Idee eben wirklich niedlich, süß und genau das richtige Maß an verrückt ist.

Die Deals im Überblick:

  • Mit Insekten-Riegeln will Folke Dammann die Welt retten. Jochen Schweizer möchte mehr haben, als Dammann bereit ist abzugeben. Kein Deal.
  • Weil die Spottster-Gründer Freya Oehle und Tobias Kempkensteffen ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, lässt sich auch Internet-Investor Frank Thelen nicht von den intelligenten Einkaufszetteln begeistern.
  • Für seine Idee Fliegen, Krawatten, Einstecktücher, Gürtel oder Schnürsenkel handgefertigt herstellen zu lassen und zu vertreiben, will „von Floerke“-Gründer David Schirrmacher 100.000 Euro für 20 Prozent des Unternehmens. Am Ende gibt er für die Summe ein Drittel der Anteile an Vural Öger, Frank Thelen und Judith Williams ab – während Jochen Schweizer mit seinem Gegenangebot zu lange herumdruckste.
  • Aufgebackene Brötchen mag nicht jeder. Auch nicht die Löwen. Kein Deal für Sunny Cage.
  • Weil es nicht genug Menschen gibt, die Werbeschilder durch die Luft wirbeln wollen, geht auch SignSpin leer aus.
  • Die Mobilegarden-Gründer Akiko Takahashi und Christian Atz wollen 20.000 Euro an Kapital für ihre recyclebaren Mini-Gärten haben. Und die bekommen sie – von Jochen Schweizer, der sich mit einer Wandelschuldverschreibung gegen ein Angebot von Vural Öger und Judith Williams durchsetzt.
Bild: © VOX / Bernd-Michael Maurer