Mit Kurzvideos zum Viral-Hit: die Dubsmash-Gründer Jonas Drüppel, Daniel Taschik und Roland Grenke (v.l.n.r.)

Es waren ereignisreiche Monate für die Berliner „Tonschnipsel-trifft-Video“-App Dubsmash: Aus dem, was Jonas Drüppel, Roland Grenke und Daniel Taschik im Oktober 2014 an einem Wochenende begonnen und wenige Tage später auf dem Tech-Meetup präsentiert haben, ist eine weltweit bekannte App geworden. Sängerin Rihanna forderte ihre Fans auf, die App zu laden, um dort vorab Schnipsel ihrer neuen Single zu finden, Fußballstar Mario Götze kommentierte sein WM-Tor mit einem „Dub“:

Nun will das Berliner Team auf unternehmerischer Seite nachziehen und hat sich Kapital besorgt – eine bemerkenswerte Summe für die erste Finanzierungsrunde eines knapp 20-köpfigen Teams: Unter Führung des renommierten VCs Index Ventures investierten die europäischen und US-amerikanischen Geldgeber Lowercase Capital, ENIAC Ventures, Sunstone Capital, Raine Ventures und Riccardo Zacconi, der CEO von King Digital Entertainment, 5,5 Millionen Dollar in das Berliner Startup.

Dessen Konzept ist eigentlich simpel: Nutzer können vorgefertigte Ton-Schnipsel – vorwiegend Ausschnitte aus Filmen oder Musikstücken – mit einem eigenen Video versehen. Das Ergebnis wird auf dem Smartphone gespeichert und kann dann per Messenger, Email, Twitter oder Facebook geteilt werden.

Model Cara Delevingne gibt Ratschläge zum Thema Sex:

The paper towns tour begins @johngreenwritesbooks @natandalex

Ein von Cara Delevingne (@caradelevingne) gepostetes Video am

75 Millionen mal sei die App bis heute heruntergeladen worden, in 78 Ländern habe sie den Spitzenplatz in Apples iTunes-Store belegt, so das Unternehmen. Dass sie mit Dubsmash etwas hatten, wussten die Gründer schnell. Was genau aus der App werden sollte, allerdings nicht. Ob sich das geändert hat, was die Pläne für die kommenden Monate sind und wie der Erfolg sich auf das Gründer-Trio ausgewirkt hat, verrät Mitgründer Roland Grenke im Interview.

Roland, die Verbreitung von Dubsmash ist wirklich bemerkenswert. Hattet Ihr erwartet, dass die App derart abgeht?

Nein, ich glaube das kann man auch nicht und es hätte uns auch niemand geglaubt. Natürlich ist eine tolle Erfahrung für unser ganzes Team, das hart dafür gearbeitet hat. Es ist ja nicht unsere erste App, aber die erste, die so durch die Decke geht.

Hat sich Euer Leben in den letzten Monaten verändert?

Eigentlich wenig. Wir haben ja auch schon bei den vorherigen Projekten rangeklotzt – und auch jetzt läuft nicht immer alles rund (lacht). Natürlich ist es ein supercooles Gefühl, wenn Millionen an Menschen inklusive unserer Kindheitsidole auf einmal unsere App benutzen. Ich denke, wir haben in den letzten Monaten sehr viel an Erfahrung gewonnen. Die Herausforderungen werden vielschichtiger, dafür haben wir aber jetzt auch ein größeres Team, das uns in vielen Bereichen unterstützt.

Was ist Dubsmash eigentlich? Meme-Generator? Messenger? Zum Launch seid Ihr Euch da ja noch nicht sicher gewesen…

Dubsmash ist eine Video Communication Platform. Jedes Video kommuniziert eine eigene Nachricht. Ich denke, Dubsmash bietet einen ganz neuen Layer für mobile Kommunikation, ob das eine humorvolle Antwort auf eine Kurznachricht oder ein alleinstehendes Statement auf einem sozialen Netzwerk ist. Es gibt zum Beispiel reine Dubsmash-Battles, auch das ist Kommunikation. Uns ist der Entertainmentfaktor wichtig. Ein Standalone-Messenger wie WhatsApp ist Dubsmash nicht – man kann nicht alle Infos durch Dubsmash teilen. Als Meme-Generator sehen wir die App aber nicht, wir sind ein viel reicheres Medium als Smilies oder Gifs.

Wenige Apps bekommen so schnell eine solche Reichweite. Ist das nicht auch eine Herausforderung?

Na klar. Im Moment kann ich nur sagen: Es fühlt sich gut an. Und wir haben ja auch schon Ideen, wie es weitergeht.

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Und die wären?

Wir wollen Dubsmash zur Plattform ausbauen. Im Moment erstellen die Nutzer ihre Videos und teilen sie. Der Rest passiert auf den sozialen Netzwerken oder Messenger-Diensten. Wir wollen zukünftig eine Möglichkeiten bieten, auch Dubs zu konsumieren und mit Nutzern zu interagieren. Wir basteln da gerade an einigen Ideen und Prototypen, die wir mit unseren Beta-Nutzern testen. Offiziell released ist noch nichts, aber das wird bald kommen.

Ihr werdet also gewissermaßen zum eigenen sozialen Netzwerk. Aber den Begriff Instagram für Dubs magst Du nicht…

Ich würde uns nicht mit den bestehenden sozialen Netzwerken vergleichen. Wir sehen das so: Manchmal möchten Nutzer gerne Videos erstellen, manchmal gerne andere Videos ansehen. Wir wollen für beide Situationen etwas bieten, aber da wir ein neues Format geschaffen haben, wird die Platform anders als bestehende Dienste aussehen.

Dafür also das frische Kapital. Wofür wollt Ihr das im Detail nutzen?

Wir möchten unsere Infrastruktur erweitern, also werden wir vor allem beim Tech- und Produktteam ausbauen. Aber wir suchen auch Leute, die sich in den einzelnen Märkten gut auskennen.

Was sind Eure wichtigsten Märkte?

In den USA waren wir bereits recht erfolgreich. Aber auch in Asien ist läuft die App gut, vor allem in den vergangenen Wochen hat sich Dubsmash dort verbreitet.

Derzeit läuft noch alles von Berlin aus?

Richtig. Das soll auch erst einmal so bleiben. Wir wollen hier unser internationales Team noch weiter ausbauen.

Zu wievielt seid Ihr?

Heute sind wir knapp 20 Leute, bis zum Jahresende sollen es 30 sein, in einem Jahr dann 40 bis 50.

Hab Ihr überhaupt schon mal Geld für Marketing ausgegeben?

Nein, alles lief komplett über virales Wachstum. Da wir die sozialen Kanäle zur Verbreitung nutzen, konnten wir uns auf bestehende Netzwerke unserer Nutzer stützen.

Wie sieht es eigentlich mit dem Geldverdienen aus?

Wir konzentrieren uns momentan 100 Prozent auf unsere Nutzer und auf das Nutzerverhalten. Die Frage der Monetarisierung werden wir also ganz bewusst erst später angehen. Unsere Investoren sehen das genauso. Wir haben zwar schon einige Ideen und werden mit denen auch experimentieren. Was bei allem im Vordergrund steht, ist die Nutzer langfristig zu binden.

Auch Hugh Jackman scheint Fan zu sein:

Wie oft kommen die derzeit wieder? Downloadzahlen sagen ja noch nichts über eine regelmäßige Nutzung aus…

Genaue Zahlen dazu nennen wir noch nicht. Was ich sagen kann: Obwohl sich die App derzeit auf das Erstellen von Videos beschränkt, sind wir schon sehr zufrieden.

Bleibt noch die weiterhin offene Frage nach Copyright, denn die Tonschnipsel kommen ja nicht von Euch.

Wir haben inzwischen mit fast allen großen Media-Companies Kampagnen durchgeführt. Mit einigen großen Inhalte-Anbietern haben wir bereits Verträge abgeschlossen und sind mit allen wichtigen zumindest im Gespräch. Was uns dabei zugute kommt ist, dass wir ein neues Medium in den Markt bringen. Dabei werden nur kurze Samples genutzt, die die Nutzer weiter tragen.

Und die Anbieter können das für Werbezwecke nutzen…

Natürlich kann Dubsmash auch Marketing-Effekte haben: Wir haben zum Beispiel jetzt am Wochenende gemeinsam mit MTV die Video Music Awards beworben. Neben der MTV-Kooperation hat etwa Rihanna mit Dubsmash ihre neue Single beworben, auch zum Launch des letzten Fast&Furious-Films oder zu Terminator Genesys gab es eine offizielle Kooperation.

Roland, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Dubsmash