Nüwiel

Das E-Mobility-Startup NÜWIEL

E-Mobility als Antrieb für die Mobilitätswende

Fest steht: Das Stadtklima muss sich verbessern – sowohl im Hinblick auf Emissionen, als auch was die Verkehrslage auf den Straßen betrifft. Der Schlüssel dafür ist Elektromobilität. Neben Vernetzung und Automatisierung ist sie einer der zentralen Bausteine der Mobilitätswende: Durch emissionsfreie, energieeffiziente und klimaneutrale E-Fahrzeuge lassen sich urbanen Herausforderungen wie Schadstoffemissionen, Staus und Lärm lösen. Als mobile Energiespeicher können E-Autos zudem die Energiewende stabilisieren.

Gaspedal vs. Bremsklotz

Zurzeit sind Elektrofahrzeuge jedoch eher ein Hingucker. Was bremst den Werdegang von E-Fahrzeugen bisher noch aus? Da wäre zum Beispiel der Punkt Reichweite. Viele Nutzer wollen ihre E-Autos bedarfsorientiert aufladen, aber es mangelt an Ladepunkten. Es spielen wohl aber auch allgemein die deutsche Mentalität, was Neues betrifft, sowie die damit verbundene Skepsis und Unsicherheit eine Rolle.

Damit E-Fahrzeuge zum Standard auf deutschen Straßen werden, muss also noch einiges passieren. Und das ist sehr wichtig – denn die Weiterentwicklung der Elektromobilität birgt große wirtschaftliche, umweltpolitische und gesellschaftliche Chancen. Um hier Tempo machen zu können, muss vor allem die Politik mit gutem Vorbild vorangehen.

Förderung vom Bund

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und die deutsche Automobilindustrie haben im Sommer dieses Jahres den Umweltbonus eingeführt: Für reine E-Autos erhalten die Käufer eine Prämie im Wert von 4.000 Euro, für Plugin-Hybride 3.000 Euro. Insgesamt 1,2 Milliarden Euro Förderung stehen hinter dem Vorhaben. Anreize, wie spezielle Kennzeichen für E-Parkplätze oder die freie Nutzung von Busspuren, sollen den Plan E zusätzlich forcieren. Mit weiteren 300 Millionen Euro fördert der Bund bis 2020 den Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Und: Da E-Mobility als entscheidender Faktor für die Innovationskraft des Wirtschaftsstandorts Deutschland gilt, stellt der Bund für die Forschung und Entwicklung bis 2017 insgesamt 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung.

Von der Forschung auf die Straßen

Und geforscht wird viel. Dass sich E-Mobility-Lösungen nicht nur auf Autos beschränken, sondern auch in kleineren, aber dennoch wichtigen Dimensionen zum Einsatz kommen, zeigt zum Beispiel NÜWIEL. Das Startup wird aktuell von EXIST unterstützt – dem Programm des BMWi, das seit 2007 Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft fördert, die einen innovativen technologierorientierten oder wissensbasierten Schwerpunkt haben.

Hier gibt es alle Informationen zu EXIST.

Team Nüwiel

Das NÜWIEL-Gründerteam (v.l.n.r): Fahad Khan, Natalia Tomiyama und Sandro Rabbiosi

NÜWIEL entwickelt einen intelligenten, elektronisch betriebenen Fahrradanhänger, der entweder als stabiler Lastenanhänger, sicherer Kinderanhänger oder Handwagen genutzt werden kann. „Wir nutzen eine zum Patent angemeldete Technologie, durch die der Anhänger genau weiß, wann er langsamer werden, beschleunigen oder bremsen muss“, erklärt Mitgründerin Natalia Tomiyama, die das Marketing und die Finanzen des Unternehmens verantwortet.

Die Idee zu NÜWIEL entstand, als Mitgründer und Produktionstechniker Sandro Rabbiosi, Vater von drei Söhnen, am eigenen Leib erfahren musste, wie anstrengend und unsicher es ist, den Nachwuchs in einem Fahrradanhänger durch die Stadt zu manövrieren. Co-Founder Nummer Drei Fahad Khan komplettierte das Team dann als leitender Design- und Entwicklungsingenieur.

Der Anhänger, der urbane Grundprobleme lösen kann

Doch welchen Mehrwert schafft NÜWIEL nun im Big Picture? Mit der nachhaltigen Transportlösung will das Team die Städte von Lärmbelästigung, Stau und Luftverschmutzung befreien. Dazu beschreitet es zwei Wege.

„Zum einen bietet unser elektronisch betriebene Anhänger, der übrigens mit gut 80 Kilogramm beladen werden kann, durch ein neuartiges Bremssystem den Fahrern und Passagieren eine nie dagewesene Sicherheit. Zum anderen bietet unser Produkt im Stadtlogistikbereich eine saubere und sichere urbane Transportlösung“, so Tomiyama. „Mit den Fahrradanhängern lässt sich der Verkehr in Städten nämlich massiv eindämmen. Waren können bis zu 50 % schneller durch die Stadt gefahren werden als mit einem PKW. Die Anhänger sind bei Wind und Wetter einsetzbar – egal ob die zu transportierenden Waren wärme-, kälte-, licht- oder wasserempfindlich sind.“ So könne größtenteils auf den Einsatz von LKWs und PKWs in der Stadt verzichtet werden. „Mit unserem Anhänger wollen wir letztendlich drei große Probleme innerhalb von Städten vermindern: Lärm, Stau und verschmutzte Luft.“

Nüwiel Anhänger Ein NÜWIEL-Anhänger posiert vor Hamburgs Landungsbrücken

Schneller Antrieb für die Geschäftsentwicklung von EXIST

„So abgedroschen es auch klingt, aber das EXIST-Gründerstipendium hat uns zu Beginn alle Türen geöffnet. Durch die Förderung konnten wir, nachdem der Entwicklungsprozess abgeschlossen war, direkt mit dem Bau der ersten Prototypen beginnen“, erzählt Rabbiosi. Sowohl das Design, als auch die Werkzeuge und Maschinen, die das Team dazu benötigte, hat es durch EXIST realisieren und erhalten können. „Eine solche Förderung hilft ebenfalls enorm dabei, das eigene Netzwerk auszubauen und in diesem ernst genommen zu werden – selbst wenn man noch ganz am Anfang steht.“

Ein Ausblick in Richtung grüne Mobilität

Und dennoch: Warum ist hierzulande noch immer so viel Überzeugungsarbeit nötig, was E-Fahrzeuge betrifft? „E-Fahrzeuge sind Hardware-Produkte. Deren Entwicklung verbraucht neben viel Zeit auch einiges an finanziellen Ressourcen – zum Beispiel, um kompetente und hochgradig motivierte Leute beschäftigen zu können“, meint Khan. Das mache die meisten E-Fahrzeuge im Endeffekt eher weniger zu „Superschnappern“.

Auch gibt es vor allem für kleinere, elektrisch betriebene Fahrzeuge keine zufriedenstellenden Zulassungskriterien. „Und das kreiert Unsicherheit. Vor allem am Anfang von etwas Neuem braucht es immer Überzeugungsarbeit – und das wird durch Unsicherheit nicht einfacher. Menschen sind einfach Gewohnheitstiere, das Gewohnte ist zunächst immer erst einmal besser als das Unbekannte.“

NÜWIEL ist jedoch zuversichtlich, dass sich das durch ein wachsendes Angebot an E-Fahrzeugen und eine bessere Infrastruktur ändern wird. Was Mobilität der Zukunft für sie bedeutet? „Dass sich Menschen im urbanen Raum frei von Stau, Lärm und Luftverschmutzung flexibel und zu ihrem Lebensstil passend bewegen können.“

INVENOX – Energiespeicher

Ein weiteres EXIST gefördertes Startup, das sich dem Thema E-Mobility verschrieben hat, ist INVENOX. Das Team hat die Batteriespeichertechnologie CONCHIFERA entwickelt, die eine besondere Art der Zellkontaktierung und -verbindung aufweist. Sie arbeiten mit Aluminiumkernleiterplatinen, auf denen nicht nur die elektrische Verschaltung der Zellen vorgenommen wird, sondern auch Sensorik und Anschlüsse.

Conchifera Ein Schwung CONCHIFERA-Technologie

„Für die Kontaktierung haben wir ein besonderes Kontaktierungsmaterial namens FANTASTIUM® entwickelt, mit dem wir die Zellen kraftschlüssig anbinden können. Die Zellen können so axial gekühlt werden. Dadurch erreichen wir eine homogene Temperatur, was sehr wichtig für die Zyklenfestigkeit ist“, erklärt Martin R. Hammer, der bei INVENOX die strategische Ausrichtung und das Personalwesen verantwortet. Die Module können schnell aufgebaut und wieder zerlegt werden – und genau das ist für den Recycling-Gedanken wichtig.

Die grünen Batterien

Laut Hammer wird in Zukunft einerseits die Frage nach einem günstigen, aber dennoch gutem Energiespeicher entscheidend sein. „Wichtig ist aber auch, was mit den Energiespeichern nach der Verwendung passiert: Wenn in etwa fünf Jahren die ersten Rückläufer aus großen Märkten wie der Automobilwelt kommen, muss es ein ökonomisch-ökologisch sinnvolles Konzept für die Verwertung geben.“

Die Lösung könnte INVENOX sein, denn die Technologie bietet den Vorteil der vollständigen Zerlegbarkeit. „Da wir komplett auf Verschweißung verzichten können, können die Module bis zur einzelnen Zelle vereinzelt werden. Einerseits können wir dadurch die Zellen sehr gut für Zweit- oder Drittanwendungen wiederverwenden und nur die schlechtesten Zellen aussortieren. Andererseits können wir alle Komponenten energieeffizient ihren einzelnen Recyclingprozessen zuführen“, so Hammer.

Die Systeme werden derzeit in umgerüsteten Fahrzeugen, Reinigungsmaschinen und Vorfeldfahrzeugen am Flughafen verwendet.

Team Invenox Team INVENOX (v.l.n.r.): Richard Eckl, Moritz Steffan, Georg Walder, Mathias Wipfler und Martin R. Hammer

Unterstützung durch EXIST-Forschungstransfer

EXIST hat uns sehr bei der Definition unseres Geschäftsmodelles geholfen. Das Programm hat uns überhaupt die Möglichkeit gegeben, intensiv an der Thematik zu arbeiten“, erzählt Hammer. Denn zwei Dinge seien bei einem Startup stets knapp – die Finanzen und die Zeit, sich um die vielen technischen und organisatorischen Aufgaben zu kümmern.

 

Hier finden Interessierte alle Infos zu EXIST!

 

Bilder NÜWIEL: NÜWIEL
Bilder INVENOX: INVENOX