Pauldirekt Ecommerce Alliance

Shopping-Clubs – ein aussterbendes Segment?

Nach Adas Avenue, Juvalia oder dem ChicChickClub muss eine weitere Shopping-Club-Variation die Segel streichen: Weil sich die Tochter Pauldirekt (www.pauldirekt.de) im vergangenen Jahr alles andere als gut entwickelte, hat die Münchener Ecommerce Alliance (www.ecommerce-alliance.de) den Firmenwert des Männer-Ladens nach Angaben im gerade vorgelegten Geschäftsbericht 2012 nun auf null Euro abgeschrieben. Zuletzt hatte die Gruppe im ersten Halbjahr 2012 ihre Anteile an dem Club im Rahmen eines Mediadeals mit German Media Pool um 1,5 Prozentpunkte auf nunmehr 69,5 Prozent verringert.

Wie die Zukunft des einstigen Hoffnungsträgers bei dem Münchner E-Commerce-Anbieter konkret aussehen soll, war auf Nachfrage bislang nicht zu erfahren. Dem Vernehmen nach sollen nur noch eine Handvoll Mitarbeiter bei dem 2008 gegründeten Unternehmen beschäftigt sein. Eigenen Einkauf betreibe das Unternehmen schon seit einer Weile nicht mehr, stattdessen werden Waren über Kooperationspartner vertrieben.

Zuletzt hätten die Gesellschafter, so war zudem zu hören, noch einmal 300.000 Euro in das Unternehmen gesteckt – verbunden mit der Hoffnung, dass sich bald ein Käufer findet. Im Sommer 2011 waren CFP und Vorwerk Ventures, das auch bei Pippa & Jean engagiert ist, hoffnungsvoll mit einem Millionenbetrag eingestiegen. Damals hatte Unternehmenschef Wild in einem Interview Gerüchte über Verkaufsgespräche genährt, die sich allerdings nie materialisierten. Dabei habe ein Betrag von „nicht unter 20 Millionen Euro“ im Raum gestanden, hieß es gerüchtehalber. Bis zuletzt soll man an dieser Summe festgehalten haben.

Auswirkungen auf die Geschäftszahlen der Gruppe

Insgesamt verbesserte sich das Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Zu- und Abschreibungen) der börsennotierten Ecommerce Alliance im Geschäftsjahr 2012 um 1,0 Millionen Euro. Die profitablen Geschäftseinheiten haben dabei nach Abzug der Holdingkosten ein positives Ebitda von 1,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Die unprofitablen Geschäftseinheiten Pauldirekt und Experience Media belasten das Ebitda hingegen mit 2,3 Millionen Euro. Im Bereich „Brands“, zu dem auch der Shopping-Club gehört, fällt bei der Betrachtung der Segmentergebnisse insbesondere Shirtinator (www.shirtinator.de) mit einem Umsatzwachstum von 19 Prozent positiv ins Auge. Mit Pearlfection (www.pearlfection.de) befindet sich ein weiterer Mass-Customization-Anbieter im Portfolio.

Angesichts der notwendigen Abschreibungen ergibt sich bei der Betrachtung des Konzernjahresergebnisses allerdings ein trübes Bild. Das um Sondereffekte bereinigte Konzernjahresergebnis verbesserte sich im Berichtsjahr zwar mit minus 2,1 Millionen Euro nach einem Verlust von 3,5 Millionen Euro zwar im Vorjahr um 41 Prozent, bleibt aber dennoch deutlich negativ. Unter Berücksichtigung der hohen Abschreibungen ergibt sich sogar ein weitaus höherer Konzernjahresfehlbetrag von minus 8,5 Millionen Euro.

Ecommerce Alliance richtet sich neu aus

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Im Zuge der im ersten Quartal 2013 erfolgten mehrheitlichen Übernahme der Wap-Telecom GmbH mit den dazugehörigen Tochtergesellschaften Getmobile, dem E-Plus Prepaid-Anbieter Getsmart und Axxamo, will die Unternehmensgruppe nun stärker auf den schnell wachsenden Smartphone- und Tabletmarkt setzen. Interessant dabei: Bereits vor vier Jahren hatte sich die Münchener Gruppe aus dem Mobilfunkbereich verabschiedet. Firmenchef Wild hatte vor einigen Wochen bereits in einem Interview erklärt, dass damals der Markt gesättigt gewesen sei, sich mit Smartphones und Tablets zwischenzeitlich aber neue Produktgruppen herausgebildet haben, die Datenverträge in den Vordergrund rücken und so den Markt deutlich ausweiten. Die Hoffnungen bei der Ecommerce Alliance sind groß: 20 Prozent pro Jahr will man nun wachsen.

Im vergangenen Jahr hatte sich das Unternehmen bereits von seiner Beteiligung am Mütter-Netzwerk Netmoms getrennt. Das Medienhaus Tomorrow Focus zahlte für sämtliche Anteile am Kölner Unternehmen 2,5 Millionen Euro in bar und Aktien. Zudem erwarb das Weinhaus Pallhuber den 2010 von der Ecommerce Alliance gegründeten Shopping-Club 52Weine.de. Zuvor hatte Ende 2011 bereits das Medienhaus Burda über seinen Direktmarketingableger bereits 51 Prozent des Wein-Startups übernommen. Auch die Mass-Customization-Tochter Pearlfection will man abstoßen – die Neufokussierung scheint also in vollem Gange zu sein.

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