Florian Sauter und Philipp Rösch-Schlanderer gründeten gemeinsam eGym

Seit Wochen wird über einen Mega-Deal für eGym gemunkelt, jetzt ist das Investment offiziell: Insgesamt 45 Millionen US-Dollar gehen in der Serie-C-Finanzierungsrunde an den Fitnessgeräte-Entwickler aus München. Eine riesige Summe für ein deutsches Startup. Neben den Altinvestoren, darunter Highland Capital Partners, dem HTGF oder Bayern Kapital, konnte eGym für diese Runde einen neuen Geldgeber gewinnen: HPE Growth Capital.

Der VC aus Amsterdam investiert in fortgeschrittene Startups, die mindestens zehn Millionen Euro Umsatz machen und kurz vor der Profitabilität stehen. Die investierte Summe liegt zwischen zehn und dreißig Millionen Euro. HPE hat zum Beispiel auch früh in das umstrittene Hamburger Scoring-Startup Kreditech investiert. Wie aus dem aktuellen Handelsregistereintrag hervorgeht, hält HPE nun rund 17 Prozent der eGym-Anteile, Highland Capital Partners rund 16 Prozent.

eGym, 2012 von Florian Sauter und Philipp Rösch-Schlanderer in München gegründet, bezeichnet sich als „Hightech-Fitnessunternehmen“, es baut und vertreibt Kraftgeräte für Studios. Das Besondere: Die Maschinen sind an die Cloud angebunden. Sie stellen sich automatisch auf die Trainingspläne und individuellen Bedürfnisse ihrer Nutzer ein. Im Netz oder in der eGym-App können Ergebnisse verfolgt und analysiert werden.

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Die Idee zu eGym kam Rösch-Schlanderer 2008 beim Studienaufenthalt in New York. Er besuchte damals regelmäßig das Fitnessstudio der Uni, nutzte zum ersten Mal ein iPhone – und wollte beides verbinden. Zwei Jahre später, nach dem Abschluss seine BWL-Studiums, baute der gebürtige Stuttgarter den ersten Prototyp: Für 300 Euro bestellte er eine Bizepsmaschine auf eBay, baute die Gewichte aus und ersetzte sie durch einen Elektromotor für Rolltreppen.

Mit diesem Prototypen pitchte er mit seinem Mitgründer beim High-Tech Gründerfonds in Bonn – der steckte eine halbe Million Euro in das Konzept. Bayern Kapital und mehrere Business Angels gaben noch mal 350.000 Euro. 2012 kamen schließlich die ersten Geräte auf den Markt, die Serienproduktion begann. Im Sommer 2014 steckten Investoren 15 Millionen US-Dollar in das Startup, angeführt wurde die Runde vom berühmten VC Highland Capital.

Heute steht eGym kurz vor Profitabilität, wie Rösch-Schlanderer gegenüber Gründerszene angibt. „Fitnessstudios sind viel zu kompliziert“, sagt er. „Wir sind fest davon überzeugt, dass sich die Nutzerfreundlichkeit dramatisch verbessert, wenn wir es schaffen, die Trainingsfläche digital zu vernetzen“. Aktuell verdient eGym mit dem Verkauf seiner Geräte, der Vermittlung von Mitgliedern an Fitnessstudios und einem Freemium-Modell für Endnutzer sein Geld.

18 verschiedene Kraftgeräte vertreibt eGym inzwischen, Büros hat das Startup in München, Berlin, Paris, London, Amsterdam und Madrid. Etwa 240 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen, die meisten von ihnen in München. In rund 1.000 Studios in neun Ländern werden eGym-Geräte eingesetzt. Mit den frischen Millionen will sich das Fitness-Startup nun auf den US-Markt wagen, zunächst in Kalifornien, Florida und Texas – also dort, wo die Menschen tendenziell sportlich und offen für Neuheiten sind.

Bild: Hannah Loeffler