eGym Philipp Roesch-Schlanderer

eGym-Mitgründer Philipp Roesch-Schlanderer

„Wir wollen das Krafttraining für den Massenmarkt an die Qualität des Spitzensports angleichen“

Smartes Zirkeltraining im Sportstudio: eGym entwickelt vollelektronische Kraftgeräte mit Cloud-Anbindung, auf denen Nutzer ihre Übungen nach einem individuellen und sich ständig anpassenden Trainingsplan machen können. Seit kurzem bietet eGym zusätzlich ein Tablet-CRM-System für Trainer an und arbeitet an einem Abo-Modell für Fitnesstudio-Besucher. Das Kerngeschäft – der Vertrieb der Kraftgeräte – sei bereits kurz nach Verkaufsstart im vergangenen Jahr profitabel gewesen.

Bis Ende vergangener Woche war eGym außerhalb von Branchenkreisen kaum bekannt – dann aber ging das Münchner Startup mit einer üppigen 15-Millionen-Dollar-Finanzierung durch Highland Capital Partners, Bayern Kapital und den High-Tech Gründerfonds an die Öffentlichkeit.

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Gegründet wurde eGym schon 2010 von Philipp Roesch-Schlanderer und Florian Sauter. Roesch-Schlanderer inspirierte das Training im Fitnessstudio während seines Studiums in den USA dazu, Kraftgeräte intelligenter machen zu wollen und sie technisch an die Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts anzupassen.

Wieso die Produktion von Laufbändern und Crosstrainern vorerst nicht auf dem Fahrplan des Startups steht und warum eine IT-Revolution im Fitness-Bereich nur mit Hardware zu stemmen war, erzählt eGym-Mitgründer Philipp Roesch-Schlanderer im Interview.

Man könnte meinen, dass hinter einem Fitness-Startup auch ein fitnessbegeisterter Gründer steckt. Wann hast Du zuletzt trainiert?

Das war Ende letzter Woche. Ich würde mich grundsätzlich aber eher als sportbegeistert bezeichnen. Die Fitnessbegeisterung kam dann mit dem eGym-Start.

Ihr seid nicht der einzige Anbieter, der den Trainingsplan von Fitnessstudio-Nutzern intelligenter machen will. Was genau macht Eure Geräte einzigartig?

Unsere Geräte sind ständig online, dokumentieren alle Trainingsbewegungen und machen dein Training an jedem mit dem Internet verbundenen Medium auswertbar. Wenn du an eGym-Geräten trainieren möchtest, hältst du einen kleinen Chip ans Display. Du wirst persönlich begrüßt, alle Geräte stellen sich automatisch auf dich ein und präsentieren maßgeschneiderte Trainingsprogramme. Wie lange, mit welchem Gewicht und mit welcher Trainingsmethode du trainieren sollst – all das weiß das Gerät, sodass du nur der Anzeige auf dem Monitor folgen musst. Auf einer App kannst du dann beispielsweise von zu Hause aus deine Ergebnisse einsehen. Seit April dieses Jahres bieten wir außerdem ein iPad-basiertes CRM-System für Trainer an, das unabhängig von den Geräten funktioniert. Insgesamt stehen wir mit der ganzheitlichen User Experience, die wir anbieten, alleine am Markt.

Wie sieht dieser Komplettservice konkret aus?

Wir verbinden alle Beteiligten über unsere Cloud: die Studiobetreiber, die Trainer und die Mitglieder. Über die Mitglieder und Trainer habe ich schon gesprochen. Was die Interessen der Studiobetreiber angeht, so fokussieren wir uns auf drei Säulen: Kundengewinnung, Kundenbetreuung und Up- und Cross-Selling. Letzteres wollen wir in Zukunft über Abonnements von Zusatz-Modulen für Mitglieder ankurbeln und zusätzlich eine Art Check24 für Fitnessstudio-Mitgliedschaften werden. Mit unserem Angebot setzen wir an jedem Punkt des Fitness-Spektrums an: von der Online-Suche des Studios über den Besuch und die interaktive Betreuung durch die Trainer bis hin zur Analyse der Daten, die in der Cloud gespeichert werden.

Cardiogeräte vertreibt ihr allerdings nicht.

Das Krafttraining ist die wichtigere Disziplin, weil es die Muskelstruktur nachhaltig verändert und auf lange Sicht etwa den Energieumsatz anhebt. Auf Laufband und Co. verbrennt man zwar Kalorien, Kraftübungen wirken sich aber über die Zeit des Trainings hinaus auf den Körper aus und sind damit effektiver. Wir haben die eGym-Geräte entwickelt, um das Krafttraining für den Massenmarkt an die Qualität des Spitzensports anzugleichen.

Plant Ihr dann überhaupt, Euer Portfolio um den Cardio-Bereich zu erweitern?

Im Gegensatz zu Kraftgeräten sind Cardiomaschinen schon immer teilelektronisch gewesen. Entsprechend ist man in diesem Segment schon jetzt weiter – gerade wenn es um die Online-Anbindung geht. Weil wir hier nicht wieder bei der Hardware anfangen müssen, denken wir für die Zukunft eher an Add-on-Lösungen.

In Eurer aktuellen Finanzierungsrunde habt Ihr 15 Millionen US-Dollar einsammeln können. Was habt Ihr mit dem frischen Kapital vor?

Wir wollen das Geld vor allem in die Entwicklung unserer digitalen Infrastruktur und die Internationalisierung des Geschäfts stecken. Nachdem wir in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden bereits präsent sind, ist Großbritannien unser nächstes Ziel. Derzeit befindet sich außerdem noch ein schwarzer Fleck auf unserer Deutschlandkarte: Berlin. Auch das soll sich aber ändern. Unser Kerngeschäft, das Equipment-Business, ist bereits profitabel.

Mit Bayern Kapital und dem High-Tech Gründerfonds habt Ihr dabei zweimal Geld aus öffentlichen Mitteln bekommen.

Das ist richtig. Noch während der Seed-Runde im Januar 2011 stieß unser Konzept durchaus auf kritische Resonanz bei den VCs. Insbesondere Hardware war damals beinahe ein Ausschlusskriterium. Bayern Kapital und der HTGF aber glaubten an unser Konzept, investierten in eGym und ermöglichten uns so, die Grundlagenentwicklung voranzutreiben und Patente anzumelden.

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Nach der Gründung von eGym seid Ihr direkt in die Hardware-Produktion eingestiegen. Wieso?

Anfangs hatten wir überlegt, mit unserem Angebot an bestehende Geräte anzuknüpfen. Das war aber nicht möglich und wir haben gemerkt, dass ein tiefer Einstieg in den Markt nötig ist, um eine IT-Revolution im Fitness-Segment anzustoßen. So haben wir uns einen Namen gemacht und den Ruf, die besten Kraftgeräte der Welt zu entwickeln.

Wie messt Ihr diesen Erfolg, wenn Du von den besten Kraftgeräten der Welt sprichst?

Unser CRM-System haben wir in dreieinhalb Monaten an mehrere hundert Studio-Betreiber verkauft. Mittlerweile sind unsere Geräte in Studios in ganz Deutschland zu finden – und die Leute stehen Schlange, um daran zu trainieren.

Bild: Philipp Roesch-Schlanderer
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