eGym-Produktmanager Hannes Lachmann überwacht Gründerszene-Redakteur Niklas Wirminghaus an den Geräten

Ich bin 30 Jahre alt – und ich bin offensichtlich zu dick. Kürzlich habe ich mein Gewicht und meine Größe in einen Body-Mass-Index-Rechner eingegeben. Das Resultat war 27,8, was nach den Maßstäben des Rechners ein eindeutiges Ergebnis ist: „Sie haben Übergewicht!“ Das klingt zwar übermäßig vorwurfsvoll, der  Sache nach ist es aber wohl richtig.

Ich verbringe lange Tage im Büro, ich esse gern, und ich esse gern gut. Im Sommer spiele ich noch hin und wieder Fußball in einem Käfig in Kreuzberg, doch im Winter fällt das aus. Offenbar hat selbst meine tägliche 15-Minuten-Fahrradtour ins Büro und zurück meinen Weg ins Übergewicht nicht aufgehalten. Es kann nur eine Lösung geben: Ich muss mich in einem Fitnessstudio anmelden.

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Über die Jahre habe ich mir das schon fast so oft vorgenommen wie den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Beides habe ich nie in Angriff genommen. Wie kann ich meinen inneren Schweinehund überwinden? Vielleicht hilft mir ein Startup aus München. eGym, 2012 von Florian Sauter und Philipp Roesch-Schlanderer gegründet, bezeichnet sich als „Hightech-Fitnessunternehmen“, es baut und vertreibt Kraftgeräte für Studios.

Das Besondere: Die Maschinen sind an die Cloud angebunden. Sie stellen sich automatisch auf die Trainingspläne und individuellen Bedürfnisse ihrer Nutzer ein. Im Netz oder in der eGym-App können Ergebnisse verfolgt und analysiert werden. Body Tracking, Quantified Self: So heißen die Megatrends, im Zuge derer Millionen Menschen die Daten über ihre körperlichen Aktivitäten sammeln, auswerten und vergleichen. Man geht mit der Runkeeper-App joggen oder lässt seine Schritte vom Fitbit-Armband zählen. Es gibt vernetzte Waagen, die das Körperfett messen, und Skibrillen mit GPS.

Unlimited XS

Mir hat man einmal einen Misfit-Aktivitätstracker geschenkt, ein Kollege hat mir eine Runtastic-Uhr ausgeliehen, die Schritte zählt. Das Misfit-Armband ging nach längerem Herumspielen kaputt, die Uhr hat für Ausschlag am Handgelenk gesorgt. Beide Geräte verschwanden in der Schublade.

Wird es eGym gelingen, meine Begeisterung für Fitness und Body-Tracking zu wecken? Der erste Versuch. Es ist ein dunkler Montagabend im Spätherbst, ich habe einen Termin mit Freddy. Er macht mit mir eine Probestunde in einem Studio mit dem herrlich bescheuerten Namen „Unlimited XS“. Es befindet sich in einem hässlichen 70er-Jahre-Betonkomplex im Berliner Problemviertel Nord-Schöneberg. Nebenan liegt die Karaoke-Bar „Green Mango“, ein Stockwerk tiefer ist das Lager eines indischen Gewürzhändlers.

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Das „Unlimited XS“ habe ich ausgesucht, weil es über die eGym-Website zu finden war und weil ich nebenan wohne. Freddy ist ein freundlicher, muskelbepackter Riese. Der Bistrostuhl verschwindet fast unter ihm. Ich erzähle ihm von Rückenproblemen und dem Wunsch, Gewicht zu verlieren.

Er schickt mich auf einen Stepper zum Aufwärmen, dann geht es an die Geräte. Latzug, Schulterpresse, Rückenstrecker: Es sind solide Apparate mit Gewichten, analoger geht es nicht. Und die eGym-Geräte, wo stehen die? Die Frau an der Rezeption guckt verwundert: Haben wir nicht. Der erste Versuch endet mit der Erkenntnis, dass die eGym-Studiosuche auch Studios ohne eGym-Geräte findet – und mit einem mörderischen Muskelkater.

Holmes Place

Der zweite Versuch. Ein Freitagnachmittag in Mitte, ich bin mit Hannes verabredet. Er ist Produktmanager bei eGym, und er hat uns ein Studio organisiert, das auf jeden Fall die Geräte des Startups führt. Wir treffen uns vor dem „Holmes Place“ am Gendarmenmarkt, in jeder Hinsicht Lichtjahre von Nord-Schöneberg und dem „Unlimited XS“ entfernt. Das hier ist ein Health- und Lifestyle-Tempel, hier tragen die Rezeptionisten Anzug und Krawatte, Laufbänder haben eingebaute TV-Bildschirme und iPod-Anschluss.

Der eGym-Zirkel befindet sich im ersten Stock, etwas abgesondert von den restlichen Geräten. Er besteht hier aus neun Apparaten, futuristischen Ungetümen aus grauem Stahl, Bildschirmen, schwarzer Stoffverkleidung. Die Studios können bei eGym inzwischen aus 18 Modellen wählen, allesamt vollelektronische Kraftgeräte, den Cardio-Bereich überlassen die Münchner der Konkurrenz. Noch.

BILD: MICHAEL BERGER/GRÜNDERSZENE

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