Einhorn3

Die Einhorn-Gründer Waldemar Zeiler (links) und Philip Siefer im Sankt Oberholz

Unter denjenigen, die sich gemeldet haben, waren eine Menge Gründer. Ich habe mich schon hundertmal mit ihnen darüber unterhalten, wie erfolgreich wir alle sind, wie krass der Growth ist, wen wir gehired haben, was gerade Shit ist und so weiter, aber dass viele von denen denken, dass sie vielleicht gleich tot sind, war bisher kein Thema. Das hätte man mal gut bei einem Bier ansprechen können, finde ich. Habe ich aber auch nicht gemacht.

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Klar, der Stress vom Gründen kann Angstattacken auslösen. Als Unternehmer hat man immer das Gefühl, sehr viel zu machen, ob es Arbeit ist oder was anderes. Gründen ist immer ein Vollzeit-Job. Ich arbeite gerne viel. Ich ertappe mich selbst, wie ich um zwei Uhr nachts noch Emails schreibe und mir dann wieder um sechs Uhr früh den Wecker stelle, einfach weil es mir Spaß macht. Meistens kann man dann abends noch gut mit Freunden weggehen. Man braucht sich nur zwei Red Bull zu geben und ist wieder fit. Sonderlich klug ist das aber nicht.

Essen wegoptimieren? Keine gute Idee

Sicher: Überoptimierungsmenschen wie Gary Vaynerchuk, Casey Neistat und wie sie nicht alle heißen sind beeindruckend. Neistat hat einmal erzählt, dass er absurd früh aufsteht, um joggen zu gehen und den Sonnenaufgang zu sehen. Er meinte, dass er dadurch einen halben Tag mehr als andere Menschen und deshalb einen großen Vorsprung habe. Das kam mir schlau vor.

Aber er sagte auch, dass Essen und Schlafen für ihn die größte Zeitverschwendung sei. Das kommt mir seltsam vor, weil es doch ein sehr glücklicher Moment ist, mit Freunden zu essen und zu trinken und vielleicht sogar noch eine Zigarette zu rauchen. Dafür ist man doch auch da und das alles wegzuoptimieren und zu sagen, ich werfe mein Essen in den Mixer, dann dauert es nur fünf Minuten, ist für mich keine Lösung.

Dieses Gedrängtsein, alles mitnehmen zu müssen, immer und überall verfügbar zu sein, ist nicht der beste Weg zum Erfolg. Oftmals rennt man die ganze Zeit und es passiert nichts, weil die Idee scheiße ist. Mittlerweile denke ich viel mehr über die Idee nach. Ich mache nicht mehr nur die reine Strampelarbeit, sondern mehr Kopfarbeit. Und die ist nur zeitlich begrenzt möglich.

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Manchmal kommen nun Mitarbeiter auf mich zu und fragen vorsichtig, dass ich ja mal was über Angst erzählt hätte und was ich denn damit gemeint habe und ob alles okay sei. Ich antworte dann, dass es mir gut geht. Seitdem ich mich bewusst mit dem Thema beschäftige, sind die Angst-Attacken verschwunden. Das Monster ist aus dem Schrank.

In einem Podcast will Philip Siefer mit anderen Gründern über ihre Angst sprechen. Er überlegt außerdem, ein Buch darüber zu schreiben. „Einige Tipps, die ich bekommen habe, werde ich dafür ausprobieren, wobei ich mir definitiv kein Diazepam einschmeißen werde“, sagt er. Hier und hier geht es zu den ersten Podcast-Folgen.

Flüchtlingsinitiative: Einhorn in ernster Mission

Einhorn in ernster Mission

Die Gründer von Einhorn wollen Flüchtlinge in Berliner Startups unterbringen – dafür haben sie sich Hilfe von der Arbeitsagentur geholt. Einfach wird es nicht.

Protokoll: Anne-Katrin Schade; Bild: Einhorn

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