elon musk

Elon Musk ist US-Unternehmer, Visionär und mehrfacher Milliardär. Neben seiner Rolle als PayPal-Gründer ist er in der Öffentlichkeit vor allem als Kopf des Elektroautobauers Tesla Motors, nach dem gleichnamigen Erfinder Nikola Tesla, und des Raumfahrtunternehmens SpaceX bekannt. Im Finanzbuch-Verlag ist nun die Biografie „Wie Elon Musk die Welt verändert“ erschienen. Sie gibt Einblicke in die Erfolgsgeschichte des Tech-Milliardärs, aber porträtiert auch den facettenreichen Mensch Elon Musk – von genial bis wahnsinnig. Fünf ausgewählte Seiten der Biografie dokumentieren wir hier als Auszug.

Die Kindheit des Elon Musk

Elon zeigte alle Merkmale eines neugierigen, energiegeladenen Kerlchens. Er verstand leicht und wie so viele Mütter fand Maye ihren Sohn brillant und frühreif. »Er schien Sachen schneller zu begreifen als die anderen Kinder«, sagt sie. Verwirrend war, dass Elon manchmal in eine Art Trance zu geraten schien. Jemand sprach mit ihm, aber wenn er einen bestimmten abwesenden Blick hatte, drang nichts mehr zu ihm durch. Das passierte so oft, dass Elons Eltern und Ärzte dachten, er könne vielleicht taub sein. »Manchmal hörte er einen einfach nicht«, sagt Maye.

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Ärzte machten eine Reihe von Tests mit ihm und beschlossen, seine Polypen herauszunehmen, was das Hören bei Kindern verbessern kann. »Nun, es hat nichts geändert«, sagt Maye. Elons Zustand hatte mehr mit seiner inneren Verdrahtung zu tun als mit der Funktionsfähigkeit seines Hörapparats. »Er zieht sich in sein eigenes Hirn zurück, und dann kann man einfach sehen, dass er in einer anderen Welt ist«, sagt Maye. »Er macht das immer noch. Heute lasse ich ihn einfach in Ruhe, weil ich weiß, dass er dann eine neue Rakete oder so etwas entwirft.«

Andere Kinder reagierten nicht nett auf diese traumartigen Zustände. Man konnte neben Elon Hampelmann machen oder ihn anschreien, aber er bemerkte es nicht einmal. Er dachte einfach weiter und die Menschen um ihn herum glaubten, er sei entweder unhöflich oder wirklich merkwürdig. »Ich glaube, dass Elon immer ein wenig anders war, aber auf eine sonderbare Weise. Damit hat er sich bei Gleichaltrigen nicht gerade beliebt gemacht«, sagt Maye.

Bloomberg porträtiert Elon Musk in diesem 45-minütigem Video.

Für Musk selbst waren diese Momente wundervoll. Mit fünf oder sechs Jahren hatte er eine Methode gefunden, um den Rest der Welt auszusperren und sich voll auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren. Zum Teil beruhte diese Fähigkeit auf der sehr visuellen Arbeitsweise seines Gehirns. Er konnte vor seinem inneren Auge klare und detaillierte Bilder sehen, in etwa wie heutige Computer-Konstruktionszeichnungen. »Es ist, als ob der Teil des Gehirns, der normalerweise zur Verarbeitung von visuellen Eindrücken dient – also der Teil, der von meinen Augen eintreffende Bilder verarbeitet –, stattdessen für Denkprozesse genutzt wird«, sagt Musk. »Heute kann ich das nicht mehr so gut, weil so viele Sachen meine Aufmerksamkeit verlangen, aber als Kind passierte es oft. Der große Teil des Gehirns, der für eintreffende Bilder vorgesehen ist, machte beim Denken mit.« In Computern werden die schwierigsten Aufgaben zwischen zwei Arten von Chips aufgeteilt. Es gibt Grafikchips zur Verarbeitung der Signale von Fernsehempfängern oder Videospielen und Rechenchips für allgemeine Aufgaben und mathematische Operationen. Mit der Zeit kam Musk zu der Überzeugung, dass sich in seinem Gehirn so etwas wie ein Grafikchip befindet. Damit kann er Dinge aus der Außenwelt sehen, sie mental replizieren und sich vorstellen, wie sie sich verändern oder verhalten, wenn sie mit anderen Objekten interagieren. »Bei Bildern und Zahlen kann ich die Verbindungen dazwischen und die algorithmischen Zusammenhänge erkennen«, sagt er. »Beschleunigung, Dynamik, kinetische Energie – ich sehe sehr anschaulich, wie diese Sachen von Objekten beeinflusst werden.«

Der Verkauf von PayPal

Die nächsten Monate sollten sich als entscheidend für Musks Zukunft erweisen. Die Dotcom-Begeisterung ging rasch zu Ende und jeder wollte sein Unternehmen so schnell wie möglich zu Geld machen. Als eBay wegen einer Übernahme von PayPal vorfühlte, waren die meisten Beteiligten geneigt, zu verkaufen – und zwar schnell. Musk und Moritz aber drängten das Board, eine Reihe von Angeboten abzulehnen und auf bessere zu warten. Pro Jahr machte PayPal damals schon 240 Millionen Dollar Umsatz und es sah aus, als könne das Unternehmen auch unabhängig bleiben und an die Börse gehen. Der Widerstand von Musk und Moritz zahlte sich letztlich gewaltig aus. Im Juli 2002 bot eBay 1,5 Milliarden Dollar für PayPal und Musk und der Rest des Board nahmen an. Der Verkauf brachte Musk 250 Millionen Dollar Gewinn ein, nach Steuern 180 Millionen – wie sich zeigte genug, um die Realisierung seiner wildesten Träume möglich zu machen.

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Die PayPal-Zeit war für Musk eine gemischte Erfahrung. Sein Ruf als Führungskraft war nach dem Verkauf an eBay beschädigt und zum ersten Mal wandten sich auch die Medien ernsthaft gegen ihn. Eric Jackson, ein früher Confinity-Mitarbeiter, schrieb 2004 das Buch The PayPal Wars: Battles with eBay, the Media, the Mafia and the Rest of Planet Earth, in dem er die unruhige Reise des Unternehmens nachzeichnete. Das Buch porträtierte Musk als egomanen, sturen Idioten, der bei jeder Gelegenheit falsche Entscheidungen trifft; Thiel und Levchin dagegen wurden als heroische Genies dargestellt. Auch die Branchenklatschseite Valleywag mischte sich ein und machte Kritik an Musk zu einem ihrer Lieblingsthemen. Manche Leute fragten schon laut, ob Musk überhaupt als echter Mitgründer von PayPal gelten könne oder ob er nicht einfach in Thiels Windschatten zum großen Zahltag geritten war. Der Ton des Buches und die Blog-Beiträge brachten Musk im Jahr 2007 dazu, eine 2200 Wörter lange E-Mail an Valleywag zu schreiben, um seine Version der Ereignisse zu präsentieren.

In der E-Mail ließ Musk seiner literarischen Ader freien Lauf und gab der Öffentlichkeit einen direkten Blick auf seine kämpferische Seite. Jackson bezeichnete er als »kriecherischen Vollidioten« und »eine Stufe über einem Praktikanten«, der wenig über das Geschehen an der Spitze des Unternehmens wusste. »Eric konnte keinen richtigen Verlag finden, also hat Peter ihm eine Eigenpublikation des Buchs finanziert«, schrieb Musk. »Da Eric Peter verehrt, war das Ergebnis absehbar – Peter erscheint wie Mel Gibson in Braveheart und meine Rolle ist irgendwo zwischen vernachlässigbar und Bösewicht.« Dann nannte Musk sieben Gründe, warum er den Status als Mitgründer von PayPal verdient. Er sei größter Anteilseigner des Unternehmens, habe viele der wichtigsten Mitarbeiter ins Haus geholt, einige seiner erfolgreichsten geschäftlichen Ideen ersonnen und sei in einer Zeit CEO gewesen, in der PayPal von 60 auf mehrere 100 Mitarbeiter wuchs, erklärte er unter anderem.

Bitte wenden – hier geht’s zu drei weiteren Auszügen der Elon-Musk-Biografie


Ashlee Vance, Elon Musk: Wie Elon Musk die Welt verändert. Die Biografie. Finanzbuch Verlag. Gebundene Ausgabe, 368 Seiten, 19,99 Euro.

Wir verlosen fünf Exemplare des Buches unter allen Lesern, die unten in den Kommentaren darlegen, warum gerade sie das Buch verdient haben. Viel Erfolg!

Bilder: Finanzbuch Verlag

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