boringcompany

Durch die Tunnel sollen Fahrzeuge mit 200 Kilometer pro Stunde auf einem Schlitten befördert werden.

Elon Musk will mit seinem Raumfahrt-Startup SpaceX den Mars besiedeln, mit Neuralink Menschen zu Cyborgs machen, mit dem Hyperloop den Zug der Zukunft bauen und mit Tesla bis 2018 vollständig autonome Elektroautos umsetzen. Mit seinem jüngsten Unternehmen The Boring Company zieht es den visionären Seriengründer nun unter die die Erde: Musk will Tunnel graben. Sie sollen ein unterirdisches Netz bilden, das eine Mischung aus U-Bahn und Autozug möglich macht.

Wie das aussehen könnte, zeigt The Boring Company in einem Video: Ein Auto – natürlich ein Tesla – fährt in einer Parkbucht auf einen Unterbau mit vier Rädern, der über einen Aufzug in einen Tunnel gelangt. Dort wird die Vorrichtung zu einer Art Schlitten, der eigenständig beschleunigt, die Spur hält und sich mit bis zu 200 Kilometer pro Stunde hinter anderen Schlitten einreiht. Am Ende der Fahrt bringt ein weiterer Aufzug das Gespann wieder an die Oberfläche, wo das Auto mit seinen Insassen weiterfährt.

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Städte zu untertunneln, um so die Staus auf den Straßen zu umgehen – das ist nicht nur eine fixe Idee von Elon Musk. Der PayPal-, Tesla-, SpaceX-, Hyperloop-One- und Boring-Company-Gründer meint es offenbar sehr ernst damit und hat schon erste Bohrungen durchgeführt – auf einem Parkplatz gegenüber des SpaceX-Hauptquartiers in Hawthorne, Los Angeles.

Doch ist Musks Vision dieses Mal vielleicht zu abgedreht? Kann er dieses kühne Projekt tatsächlich verwirklichen? Die Kollegen von Wired haben den Tunnelbau-Experten Manfred König gefragt, der das Fachmagazin GeoResources herausgibt.

manfredkoenig

Manfred König kennt sich als Diplom-Ingenieur mit Tunnelbau aus

Ist Elon Musks neues Konzept visionär oder völlig unrealistisch?

Elon Musks Ideen sind immer wieder revolutionär, und man sollte sich hüten, sie grundsätzlich im Vorfeld zu verurteilen. Somit ist die Tunnelbau-Idee auf den ersten Blick sexy, aber man muss eine Faktenbetrachtung machen.

Was bedeutet das?

Eine Reihe von Faktoren sind technisch interessant in der Umsetzung. Zum Beispiel die Baustellenlogistik, also die Umsetzung vieler einzelner Bauvorhaben wie der Versorgung der Baustelle und der Entsorgung des Aushubs in verschiedenen Ebenen. Unter Ballungsräumen gibt es im Regelfall wenig Platz, deshalb sind U-Bahn-Baustellen bereits häufig ein Desaster.

Was muss Musk noch beachten?

Den Brandschutz. Denn zusätzlich zu den vielen Tunnelbauwerken werden Fluchttunnel, Löscheinrichtungen und Personal für den Notfall benötigt. Und die Führung der Benutzer durch den „Schweizer Käse“ hindurch ist sicherlich eine logistische Herausforderung.

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Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für The Boring Company?

Eine der größten Herausforderungen wird die Geologie sein. Jeder Tunnelmeter unterliegt der alten Regel: Vor der Hacke ist es düster. Die Erkundungskosten im Vorfeld dürften immense Beträge erfordern, und dennoch wird man immer wieder mit Wassereinbrüchen, Hohlräumen oder Senkungen der Tagesoberfläche rechnen müssen. Man bedenke, wie groß die Anstrengungen der Experten sind, das Anhydrit-Gestein bei Stuttgart 21 erfolgreich zu kontrollieren. Ein Projekt unter einem Ballungsraum würde die Risiken eines einzelnen Tunnels vervielfältigen.

Elon Musks Tunnelbau-Vision könnte also wie Stuttgart 21 enden?

Das ist sicher davon abhängig, wo auf der Welt gebaut wird.

Wie würde sich das Projekt im dichten deutschen Regularien-Dschungel schlagen?

In Deutschland hätten wir in jedem Fall mit einer Art Stuttgart 21 zu rechnen. S21 wird aber zurzeit dennoch umgesetzt. Die Auflagen werden hier für Sicherheit sorgen – womit ich aber nicht sagen möchte, dass es mit weniger Auflagen nicht auch möglich gewesen wäre.

Was ist mit den Kosten?

Die Kosten für einen Tunnelkilometer betragen bis zu 50 Millionen Euro. Sie sind aber sehr stark von den Bedingungen des Untergrunds abhängig.

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