Home24-CEO Domenico Cipolla

Eigentlich sollte es ein guter Jahresabschluss für Home24 werden. Erst gestern gab das Rocket-Venture seine Wachstumszahlen bekannt: 63,4 Prozent in den ersten drei Quartalen. Einen Tag später gibt es nun schlechte Nachrichten aus dem Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg: 35 der etwa 1.200 Mitarbeiter müssen gehen, wie Deutsche Startups zuerst berichtete.

Noch gestern hatte Gründerszene den Möbelshop mit den Spekulationen über die Entlassungen konfrontiert – eine Sprecherin wollte allerdings keinen Kommentar abgeben. Heute steht fest, dass eine „Reorganisation in ausgewählten Bereichen durchgeführt“ wurde, wie das Unternehmen angibt. Betroffen waren dabei der Einkauf und die Marketingabteilung.

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Im vergangenen Jahr habe sich Home24 auf den Ausbau und die Entwicklung der Eigenmarken konzentriert, heißt es weiter. „Diese Fokussierung innerhalb der Home24-Gruppe führt zu Anpassungen in der Unternehmensstruktur, die auch mit dem Abbau von 35 Arbeitsplätzen verbunden sind“, teilt eine Sprecherin schriftlich mit. „Die personellen Veränderungen werden die gute Entwicklung des Gesamtgeschäfts der Home24-Gruppe nicht beeinflussen. Die jetzt vorgenommenen Umstrukturierungen dienen der Steigerung der Profitabilität des Unternehmens.“

Erst gestern hatte Rocket Internet die neuen Quartalszahlen der sogenannten neun Proven Winners – also der besonders schnell wachsenden und umsatzstarken Unternehmen – verkündet. Dazu zählt auch Home24. Zwar weist der Möbelshop für die ersten neun Monate dieses Jahres einen deutlich gestiegenen Nettoumsatz aus: Er beträgt 172,3 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 105,5 Millionen Euro,was einem Wachstum von 63,4 Prozent entspricht. Allerdings ist der operative Verlust gleichzeitig noch deutlicher angestiegen. Dieser erhöhte sich von 34,0 auf 60,5 Millionen Euro – und lag damit rund 78 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Wie sehr Home24 im vergangenen Jahr auf aggressives Wachstum gesetzt hat, zeigt eine weitere Kennzahl. Die Investitionsausgaben stiegen – also Zukäufe von Betriebsstätten und Ausstattung sowie immaterielle Vermögenswerte – in den ersten drei Quartalen auf 12 Millionen Euro an, was 7 Prozent des Nettoumsatzes entspricht. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum standen hier 3,1 Millionen Euro zu Buche, was 2,9 Prozent des Nettoumsatzes entsprach. Hintergrund dürfte unter anderem der Aufbau eines neuen Logistikzentrums in Niedersachsen gewesen sein. Vor Kurzem erst hatte Home24 die Übernahme des Designmöbelladens Fashion For Home angekündigt und zuvor 120 Millionen Euro an frischem Kapital aufgenommen.

Bild: Home24, Mitarbeit: Caspar Schlenk.