Nach mittlerweile gut einem Monat im Silicon Valley wird es Zeit für einen kleinen Erfahrungsbericht. Ziel meines insgesamt ca. 5-monatigen Aufenthaltes hier, ist vor allem den Silicon-Valley-Spirit zu erleben und andere Entrepreneure aus aller Welt kennen zu lernen, die sich hier die Klinke in die Hand geben.

Wie erhofft, befinde ich mich hier tatsächlich im Mekka des Unternehmertums, und kaum ein Tag vergeht ohne interessante Kontakte und inspirierende Events. Die Schwierigkeit besteht eigentlich nur darin, die interessanten Sachen rauzupicken. Diese Woche stand beispielsweise erst eine Rede von Bill Gates (Hauptthema: Social Entrepreneurship), dann ein Vortrag von Geoffrey Moore („Crossing the Chasm: 2.0“), eine „C something O“-Diskussionsrunde (Thema: „CEOs kommen vom Mars, VCs von der Venus“) und gerade eben noch die „Game Developers Conference“ auf dem offiziellen Programm. Daneben habe ich mir noch 2 Präsentationen von VCs angehört. Persönlich spannender finde ich jedoch noch die inoffiziellen Events, die Gelegenheit geben sich jenseits des üblichen Web-Smalltalks kennen zu lernen. Gestern hat beispielsweise Kurzzeitbesucher Lukasz zusammen mit Auren Hoffmann („Rapleaf„-CEO) zu einem spontanen „Web2.0-Entrepreneur-Dinner“ geladen. Anschließend ging es dann noch weiter zu einer kleinen und netten Game-Conference-Party, deren Gastgeber Jimmy Wales (Wikipedia-„Gründer“) sich „outete“, dass er seit 2 Jahren deutsch lernt… Auch abgesehen davon rostet mein Deutsch hier nicht völlig ein. Jede Woche trifft man hier auf andere deutsche (und österreichische) Gründer, die für VC-Termine anreisen oder gleich mit der ganzen Firma hier ihre Zelte aufschlagen. Beliebtestes Webtreffen der lokalen deutschen Community ist der von Tim Bonnemann organisierte Webmonday Silicon Valley.

Die ganzen Events haben neben vielen netten Kontakten und jeder Menge Spaß auch dafür gesorgt, dass sich mein anfangs noch recht unscharfes Bild des Silicon Valleys langsam etwas konkretisiert. Nachdem das Valley sich in den 50iger und 60iger Jahren durch Hardwarefirmen wie Intel einen Namen als Technologiestandort gemacht hat, folgten später Software-Firmen und in den 90igern der Dotcom-Boom. Derzeit ist „Clean-Tech“ ziemlich stark auf dem Vormarsch. Ein wichtiger Faktor dafür, dass das Valley die verschiedensten Technologie-Entwicklungen auffangen konnte, ist die weltweit einmalige Ansammlung von mehreren hundert VCs auf engstem Raum. Zusammen mit den stark auf Entrepreneurship und Technologie ausgerichteten Hochschulen vor Ort (Stanford, Berkeley, San Jose…) wirkt das Valley damit als Talent-Magnet, der Unternehmer und Technologie-Pioniere aus der ganzen Welt anzieht.

Es fällt auf, dass Entrepreneurship im Valley deutlich Technologie-fokussierter ist, als in Deutschland. Während deutsche (Internet)-Gründer eher vom Markt getriebene Konzepte umsetzen, versucht ein größerer Teil der Start-ups im Valley neue Technologien zu entwickeln und zu vermarkten. Dies ist auch einer der Gründe dafür, dass Silicon-Valley-Start-ups in der Regel deutlich internationaler ausgerichtet sind als europäische Start-ups. Marktgetriebenen Konzepten fällt es tendenziell schwieriger nationale Grenzen zu überwinden, weil mehr Konzeptanpassungen vorgenommen werden müssen und mehr Wettbewerbsnachteile gegenüber Unternehmern mit lokalen Marktkenntnissen bestehen. Ein anderer Grund für die stärkere internationale Ausrichtung kann in den deutlich höheren Bewertungen liegen, die Start-Ups hier erzielen können. Nicht zuletzt auch gerade wegen der internationalen Ambitionen der Start-ups und dem hier vorhandenen Pool an Talenten und Kooperationspartnern liegen die Bewertungen in der Seedphase (häufig zwischen 0,5 und 10 Mio $) deutlich höher als in Deutschland üblich. Dem stehen jedoch hohe Kosten für Mitarbeiter und hohe Lebenshaltungskosten gegenüber. Dies gilt besonders im inoffiziellen Zentrum Palo Alto, in dem Stanford und ein Großteil der VCs ansässig sind. Weil das Finden (und Bezahlen) guter Mitarbeiter und passender Büroräume dort nicht unbedingt leicht ist, verlagert sich mittlerweile ein großer Teil der eher „kreativen“ als „ingenieurlastigen“ Gründungen aus dem Süden des Valleys nach San Francisco. Von dort schreibe ich auch gerade aus einem Cafe diese „Grüße“ nach Deutschland und werde mich gleich ins Nachtleben stürzen…

Jan

P.S. (Web)-Entrepreneure die planen in den nächsten Monaten ins Valley zu reisen, dürfen natürlich gerne mal via XING anklopfen.