Nachdem ich durch den vielen Medienwirbel und diverse Deutsche die mir Ihren Besuch angekündigt haben neugierig geworden bin, habe ich meine Zeit im Valley genutzt und diese Woche auf der Web2.0-Expo in San Francisco verbracht. Schon vor dem offiziellen Expo-Beginn (Dienstag) waren viele Teilnehmer aus Europa angereist, so dass sich am Wochenende Gelegenheit für ein spontanes Web(2.0)-Entrepreneur-Dinner mit diversen Deutschen und Schweitzer Gründern ergab. Die Woche startete am Montag mit dem von Tim Bonnemann passend zum Expo-Beginn organisierten „WebMonday Silicon Valley“, der wie schon beim letzten Mal ein interessanter Treffpunkt für die überwiegend deutschsprachigen Gäste war.

Dienstag morgen war dann offizieller Startschuss für die Konferenzen und Workshops die während der gesamten Woche jeweils 1-3 stündig von morgens bis zum späten Nachmittag gehalten wurden. „Da immer 6 Sessions gleichzeitig liefen, war eigentlich jederzeit für alle Interessenslage etwas dabei.“, so Manuel Weisbrod, CEO von Spickmich.de, der seinen „Urlaub“ zusammen mit CTO Phillip Weidenhiller auf der Expo verbrachte. Mir persönlich haben viele Sessions sehr gut gefallen (z.B. diejenige über virtuelle Welten, mit Craig Sherman, CEO von Gaia Online), andere waren entweder sehr „back-to-the-basics“ oder aber schienen von den Rednern als Werbeveranstaltungen für Ihre Firmen mißverstanden worden zu sein. Am Rande beobachtet: Während vieler Sessions konnten die Konferenzteilnehmer ihre Fragen an die Twitter-Accounts der Redner schicken. Die Fragen wurden dann beantwortet und auf öffentlichen Leinwänden veröffentlicht – ebenso wie die währenddessen eingehenden privaten Nachrichten der Redner ;-)

Am Mittwoch war dann Startschuß für die eigentliche Firmenausstellung. In einer Halle, die grob geschätzt etwas kleiner war als die Ausstellungshalle der OMD im letzten September tummelten sich einige hundert Aussteller. Aus Deutschland war Berlin Partner vertreten und hatte an Ihrem Stand noch Platz für einige Berliner Start-ups gemacht haben. Auffällig war die hohe Dichte an Enterprise2.0-Firmen und anderen B2B-Dienstleistern. B2C-Schwergewichte wie Facebook und MySpace waren dagegen nicht vertreten.

Ebenfalls Mittwochs wurde die Keynote der Web2.0-Expo in einer mehrere tausend Personen fassenden Vortragshalle gehalten. Web2.0-„Frontman“ Tim O`Reilly stellte einige grundlegende Trends heraus die für Gründer zahlreiche neue Opportunities schaffen werden:

– Enterprise 2.0
– Web 2.0 = the cloud + Operating System
– Ambient computing

Clay Shirky, Autor von „Here Comes Everybody: The Power of Organizing Without Organizations“ stellte die brachliegende Produktivität der Fernsehgesellschaft in den Vordergrund, die dank des Internets bald Vergangenheit sein soll. Seine Hauptthese: Die Zeit die heute für Fernsehgucken „genutzt“ wird, könnte in Zukunft zigtausende neue Projekte a la Wikipedia erschaffen.

Abgesehen von den Vorträgen und der Ausstellung stand für die meiten Web2.0-Expo-Teilnehmer vor allem das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund. Der mit Abstand größte Teil der Besucher kam aus den USA, aber auch aus Europa und Asien waren viele Gäste angereist. Mittels des konferenzeigenen Social Networks konnte man schon im Vorfeld interessante Gesprächspartner identifizieren und kontaktieren, ein praktisches Feature das Barcamps in D. dank Mixxt schon lange kennen, das aber sicher auch auf traditionelleren Konferenzen mit der Zeit Einzug halten wird.

Abgesehen von den offiziellen Anläßen gab es noch diverse After Expo Parties und andere inoffizielle Events, die auf jeden Fall Ihren Besuch wert wahren. Dienstags war die DIGG-Party recht gut besucht und bot Raum um Szene-„Promis“ wie Michael Arrington zu treffen. Mittwochs hatten diverse Start-ups rund um den South Park in Ihren Büroräume Parties veranstaltet. Zusammen mit ein paar anderen deutschen Gründern sind wir zunächst auf der Six Apart Party gelandet. Dort hatte man einen Mini-Golf-Kurs aus lauter Macbooks und Thinkpads arrangiert – vielleicht einer der Gründe dafür, warum die Finanzierungsrunden im Valley tendenziell etwas üppiger ausfallen ;-) Hinterher sind wir dann noch bei Yahoo (Party war eher mau) und der Mashable-Party gelandet, die für viele Web2.0-Partyschwärmer den Ausklang des Abends darstellte. Donnerstags und Freitags gab es ebenfalls noch ein üppiges Programm an inoffiziellen Events für den geneigten Gast…

Alles in allem hat sich die Web2.0-Expo daher wegen vieler interessanter Kontakte und viel Spaß auf den inoffiziellen Events für mich auf jeden Fall gelohnt. Ähnliches haben mir auch die meisten Teilnehmer bestätigt, die aus Deutschland angereist waren. Von den ausstellenden Firmen und einigen Vorträgen der Konferenz hätte ich mir persönlich allerdings etwas mehr Spannung versprochen – dank WLAN war aber auch das gut überbrückbar… In den nächsten Tagen folgt dann noch ein kurzes Video-Interview mit Seesmic-Gründer Loic Le Meur, den ich am Rande der Expo interviewt habe.

Update: In der Zwischenzeit habe ich via Mail noch ein paar O-Töne von anderen Teilnehmern bekommen. Damit Ihr Euch ein noch besseres Bild machen könnt hier unzensiert:

Sarik Weber, Cellity: „Meine persoenlichen Highlights von der Web 2.0 Expo sind:

1) Twittersession mit Stowe Boyd, er wird auch auf der Next 08 sein, die gesamte session wurde durch Twitterfragen bestritten.

2) South Park Crawl, anstelle einer Party konnten alle Besucher der Web 2.0 Expo abends an einer Art Schnitzeljagd durch viele der spannenden Startups rund um das South Park Viertel teilnehmen nd die Unternehmen von innen sehen. Six Apart hat sogar einen kompletten Minigolf Course in den Fluren aufgebaut, hat echt Spass gemacht.

3) Jennifer Pahlka, General Manager der Web 2.0 Expo, hat bekannt gegeben, dass die europaeische Web 2.0 Expo wieder in Erlin stattfinden wird, diesmal im BCC vom 21. bis 23. Oktober 08. Ausserdem wird die Web 2.0 Expo die erste deutsche Facebook Developer Garage am 14. Mai in Hamburg als Partner unterstuetzen. Damit hat die Garage inzwischen mit Web 2.0 Expo, DLD von Burda und Next 08 alle fuehrenden deutschen Web 2.0 Konferenzen als Partner gewinnen koennen, was mich sehr freut.

4) Ein besonderes Highlight war auch ein persoenliches Kennenlernen von Tim O’Reilly, der auf der VIP Party im Temple am Donnerstag bis in die spaete Nacht ausgelassen getanzt hat. Man konnte ihm die Erleichterung ueber die sehr erfolgreiche Web 2.0 Expo foermlich ansehen.

5) Last but not least konnte ich viele weitere sehr spannende Unternehmer kennen lernen und ihnen von unserem komplett neuen cellity Communicator mit mobile email, den wir im Mai launchen werden, berichten. Dazu zaehlt Om Malik von GigaOm, Richard MacManus von RWW, Pete Cashmore von Mashable, Brian Fling von FlingMedia, Chris Shipley von Guidewire, Debbie Landa von Dealmaker Network und Top-Experten von Facebook und CNet Networks. Die Reise hat sich also in jeder Beziehung gelohnt und ich freue mich schon auf die naechste Web 2.0 Expo.“

Dania Gerhardt, Amazee: „Eigentlich bildeten die Events rund um die Konferenz die Highlights und nicht die Konferenz selber. In der Bay Area kann man sein Abendprogramm nach Lust und Laune zusammenstellen. Es gibt täglich zig Networking Events und Parties. Dort lernt man die offene und dynamische Silicon Valley Mentalität am besten kennen und macht die wertvollsten Bekanntschaften. Die Reise hat sich für Amazee sehr gelohnt!“

Philipp Weidenhiller, Spickmich.de: „Es war sehr interessant zu hören, dass sich auch die Großen der
Branche – was z.B. Performance-Optimierung und Skalierung angeht – mit
teilweise genau den gleichen Problemen wie auch ein Startup
beschäftigen.“