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Es geht um künstliche Intelligenz. Es geht um Virtual und Augmented Reality. Es geht um das Internet der Dinge. Und es geht darum, die Grenzen von dem, was Hardware kann, zu erweitern – Drohnen, Roboter, 3D-Druck oder Nanosatelliten. 2,3 Milliarden Dollar sind seit Anfang 2015 in europäische Deep-Tech-Unternehmen geflossen, also in Startups, die sich mit all diesen Themen auseinandersetzen. Auch wenn die Investitionen im Jahr 2016 mit einer Milliarde etwas geringer ausfallen werden als im Vorjahr, so entspricht das immer noch mehr als einer Vervierfachung seit dem Jahr 2012. (Deep-)Tech boomt in Europa, das folgert zumindest eine Studie des VCs Atomico und der Startup-Konferenz Slush.

Das Duo hat mehr als 1.500 europäische Gründer, Investoren, Tech-Angestellte und Influencer befragt. Daten von Linkedin, Meetup, Stack Overflow, Dealroom.co und der Londoner Börse wurden zur weiteren Einordnung herangezogen. Eines der Ergebnisse: Deutschland schlägt sich als Tech-Standort in Europa zwar nicht schlecht. Von 2011 bis 2016 wurde knapp eine halbe Milliarde Dollar in entsprechende Jungunternehmen investiert.

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Das ist aber nur ein Bruchteil der Gelder, die in britische Deep-Tech-Startups geflossen sind, stattliche 1,3 Milliarden Dollar nämlich. Auch Frankreich, das als Startup-Standort in Europa in den letzten Jahren immer unauffälliger wurde, zog mit 580 Millionen Euro mehr Investments in echte Tech-Unternehmen auf sich.

Die großen US-Tech-Giganten interessieren sich immer mehr für das, was in Europa passiert: Sowohl Alphabet/Google wie auch Amazon, Apple, Facebook, IBM, Microsoft oder Twitter haben längst diesseits des Antlantiks Entwicklungsstandorte aufgebaut. Und sie haben zugekauft. Etwa Unternehmen wie Metaio, das 2015 von Apple übernommen wurde, das 2014 von Google gekaufte DeepMind oder Surreal Vision, das seit 2015 Teil von Facebook ist.

Immer mehr US-Fonds, die nach Europa streben, sowie das verstärkte Engagement europäischer Konzerne – das sind Entwicklungen, von denen man schon mal gehört hat. Ein weiterer Aspekt allerdings könnte für die Zukunft der Tech-Szene bedeutender sein, als alle anderen Entwicklungen zusammen: Wenn nur 0,6 Prozent des jährlich von europäischen Pensionsfonds angelegten Kapitals in junge Digitalunternehmen investiert würden, wäre die in der Studie auf gut 25 Milliarden Dollar pro Jahr bezifferte Finanzierungslücke zwischen den USA und Europa gestopft.

Erstaunlich hoch ist dann zwar noch die Zahl von 88 Milliarden Dollar, mit der in der Studie das M&A-Volumen für 2016 beziffert wird. Zumindest auf den ersten Blick beeindruckt das. Aber: 79 Milliarden davon machen genau zwei Deals aus: Die Übernahmen der beiden Chiphersteller ARM aus Großbritannien und NXP aus den Niederlanden durch Softbank beziehungsweise Qualcomm. Bleiben rund 8 Milliarden für alle weiteren Transaktionen. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahreswert Stagnation.

So viel zum Hard Cash. Dann gibt es ja noch die sogenannten soften Faktoren, mit denen man Interesse darstellen kann. Zum Beispiel die Anzahl an Meetups zu Tech-Themen. Und bei dieser Betrachtung bilden sich auf einmal ganz andere Hubs heraus. In Bukarest, Lissabon oder Prag werden sich demnach die Tech-Hubs der Zukunft befinden.

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von James Nash (aka Cirrus)