EXIST goes international

New on board: EXIST Start-up Germany

EXIST fördert seit 2007 technologieorientierte Gründungen aus der Wissenschaft. In diesem Jahr wurde das Programm um eine internationale Komponente erweitert: „EXIST Start-up Germany“. Das Pilotprojekt wird durch das Centre for Entrepreneurship der TU Berlin unter Einbeziehung aller Universitäten in Berlin und Potsdam koordiniert und durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Es richtet sich in der ersten Phase an junge israelische Gründerinnen und Gründer israelischer Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die in Berlin starten möchten. „EXIST Start-up Germany“ unterstützt die ausgewählten Teams bei der Antragstellung für das EXIST-Programm. Bei einer Bewilligung erhalten diese eine Förderung von bis zu 150.000 € über einen Zeitraum von 12 Monaten.

Agnes von Matuschka, Leiterin des Centre for Entrepreneurship der TU Berlin und die EXIST-Stipendiatin und Gründerin Yael Biran geben einen Einblick in die Kerngedanken, Motivationen und Ziele der Initiative. Biran ist Israelin, Gründerin und CEO des Startups Flag, das eine App entwickelt, die Kunst, Möbel und Design-Objekte an Orten wie Cafés, Restaurants oder Hotels identifiziert und mit Shops verknüpft. Das Flag-Team besteht aus ihr und ihren zwei deutschen Mitgründern Alexander Phleps und Erik Berndt.

Israel: Eine der gründungsaktivsten Nationen der Welt

Die Entscheidung, Israel als erstes Land für das Partner-Programm auszuwählen, kommt nicht von irgendwo. Israel gilt als eine der gründungsfreudigsten Nationen der Welt: In keinem anderen Land ist die Dichte an Startups im Verhältnis zur Bevölkerung so hoch wie dort. Agnes von Matuschka von der TU Berlin erklärt: „International gesehen kommt nach dem Silicon Valley, was natürlich eine absolute Vorreiterrolle hat, Tel Aviv. Die Bedeutung der Startup-Metropole Berlin wächst in Europa, das zeigen die steigenden Zahlen an Wagniskapital – wir wollen nun unter anderem vom Gründergeist der Israelis lernen und die Netzwerke verknüpfen. Folgt man den Trends, kann sich das Berliner Startup-Ökosystem zur neuen Startup-Metropole Europas entwickeln.“ Vor diesem Hintergrund soll der Austausch zwischen den Ökosystemen intensiviert und befördert werden. Zunächst an den vier Berliner Universitäten Technische Universität Berlin, Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Universität der Künste Berlin und an der Universität Potsdam.

Startup Development? Der Status Quo in Israel

Zwar ist Israel eine gründungsaktive Nation, doch dem Land sind an einem bestimmten Punkt gewisse Schranken gesetzt, was die Unternehmensentwicklung betrifft. In Israel gibt es keine staatlichen Förderprogramme wie EXIST, die Gründungsvorhaben von Studierenden und Wissenschaftlern mit direkter Einbindung der Universitäten unterstützen. Der israelische Markt ist zudem schlichtweg aufgrund der Größe des Landes sehr klein – einen Absatz im großen Stil kann man dort nicht finden. Und auch wenn die VC-Szene in Israel größer ist als beispielsweise in Deutschland, ist der Zugang zu Early Stage Seed Money relativ schwer. Die meisten israelischen Startups orientieren sich daher in Richtung der USA.

EXIST Start-up Germany - Israel

 EXIST Start-up Germany – Israel: Teilnehmer der Auftaktveranstaltung in Tel Aviv

Das Projekt „EXIST Start-up Germany“ soll den Fokus nun auf Deutschland lenken. „Der europäische Markt hat eine Menge Vorteile vorzuweisen“, so von Matuschka. „Immer mehr Investoren schauen sich momentan in Deutschland um. Die Startups können von hier aus parallel in mehreren Ländern Europas operieren, da es nur eine Zeitverschiebung von nur einer Stunde gibt.“ Yael Biran von Flag ist ebenfalls der Meinung, dass der Sprung ins Berliner Startup-Umfeld sehr früchtetragend sein wird. „In Tel Aviv gibt es Startups aus allen möglichen Bereichen – Berlin hingegen steht gerade erst am Anfang. Für junge Unternehmen ist Berlin also ein super Standort, um zu starten.“

Interkultureller Austausch: Eine Win-win-Situation

Aber nicht nur wirtschaftliche und wissenschaftliche Aspekte spielen bei der Kooperation eine Rolle. Auch kulturelle Gesichtspunkte fließen in die neue Zusammenarbeit mit ein. Israel und Deutschland verbindet eine lange Geschichte. „Viele Israelis, mich inbegriffen, haben Wurzeln in Deutschland oder Europa“, so Biran. „Ich finde es schön, dass es bei uns keine Rolle spielt, woher wir stammen oder was in der Vergangenheit passiert ist. Wir teilen eine Vision und arbeiten gemeinsam auf diese hin.“ Die zwei Länder zeigen aktuell auf vielen Ebenen ein immer stärker werdendes Interesse aneinander – die unterschiedlichen Mentalitäten in Kombination scheinen gut zu funktionieren.

Generell bringen internationale Gründerteams eine Menge Vorteile. Die meisten Forschungsteams an deutschen Hochschulen sind bereits gemischt und so ist es auch der Großteil der EXIST-Gründerteams – rein deutsche Teams sind mittlerweile die Seltenheit geworden. Der interkulturelle Austausch im Startup-Kontext führt zu einigen interessanten Beobachtungen: „Man könnte meinen, dass die Deutschen den Israelis Pünktlichkeit und Ordnung beibringen und die Israelis den Deutschen Lockerheit – bei uns im Team ist dies jedoch oft genau andersherum“, sagt Biran. „Dennoch steckt immer ein bisschen Wahrheit hinter Klischees. Wir Israelis bringen immer eine Prise Chuzpe mit uns. Das ist Jiddisch und bedeutet so viel wie eine unverschämte, aber dennoch intelligente und charmante Dreistigkeit. Die Deutschen wiederum sind sehr gut in Planung und können uns Israelis viel über den europäischen Business-Blickwinkel beibringen, was natürlich großartig für ein junges Unternehmen am europäischen Markt ist.“

EXIST Start-up Germany als Treiber für internationale Zusammenarbeit

Internationale Teams bringen oft innovativere Ideen, ein besseres Verständnis für Zielgruppen und die Erweiterung von Netzwerken mit sich. „Wir wollen mit „EXIST Start-up Germany“ eine Atmosphäre schaffen, in der Gründer in internationalen Teams voneinander lernen können und sich gegenseitig antreiben“, so von Matuschka. Das Pilotprojekt geht zunächst über zwei Jahre. Geplant sind zum Beispiel der Aufbau einer Online-Bewerbungsplattform sowie eine Roadshow in Israel, um die Zielgruppe vor Ort zu erreichen.

Mehr Infos zu den Inhalten des Programmes gibt es hier.

 

Artikelbild: Flag (Phil Schrader)
Bild: Projektträger Jülich (Ralf Dolk)