Wichtige Exits 2012 Umfrage

Knapp 500 Millionen Euro für Trivago

Dass die kurz vor Jahresende bekannt gegebene Übernahme der (Reise-)Suchmaschine Trivago an den Reiseriesen Expedia den größten Exit des vergangenen Jahres darstellt, ist angesichts des schieren Umfangs von knapp 500 Millionen Euro unbestritten. Aber spielten auch (volumenmäßig) kleinere Transaktionen eine Rolle? Welche Deals haben den Exit-Markt hierzulande im vergangenen Jahr am stärksten geprägt?

„Ganz klar Trivago“, meint Florian Heinemann, Founding Partner beim Berliner Company Builder Project A Ventures (www.project-a.com) – und das alleine aufgrund der schieren Größe: „Mehr als 700 Millionen Euro Bewertung hat es meines Wissens noch nicht bei einem mehrheitlichen Verkauf eines deutschstämmigen Internet-Unternehmens gegeben.“ Auch für Felix Haas muss die Metasuchmaschine als interessantester Exit gelten. Als Grund nennt er „die beeindruckende Höhe des Exits und dass die Jungs das aus Düsseldorf heraus aufgebaut haben. Eine tolle Erfolgsgeschichte!“ Dass das Unternehmen „im Stillen heranwuchs“, ist für Jan Becker dabei besonders sympathisch.

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Dass Trivago lange unter dem Radar und abseits jedweden Startup-Hypes im Rheinland zu einer echten Erfolgsgeschichte wurde, stellt auch für Tom Bachem, der sein Unternehmen Fliplife (www.fliplife.com) im vergangenen Jahr selbst an den Wettbewerber KaiserGames (www.kaisergames.com) verkaufte, eine bemerkenswerte Leistung dar. Zudem seien die Düsseldorfer „in den Markt eingestiegen, als schon viel Konkurrenz da war, und sie haben es trotzdem geschafft.“

Es sei beeindruckend, wie weit Metasuche gehen kann und wie interessant das Reisesegment ist, kommentiert derweil Max Niederhofer vom US-Investor Accel Partners (www.accel.com). Er könne sich noch daran erinnern, dass eine ganze Reihe mitunter namhafter VCs ein Investment beim Düsseldorfer Unternehmen ausgeschlagen hatten, weil sie nicht an vertikale Suche glaubten.

„Doch noch ein glückliches Ende“ für Qype

Für Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz war der wichtigste Exit des vergangenen Jahres die Übernahme von Qype (www.qype.comdurch den US-Wettbewerber Yelp. „Es macht nicht nur für beide unternehmerisch absolut Sinn, sondern auch jeweils für die Nutzer beider Plattformen – sowohl B2B, als auch B2C“, schreibt er. Dass Thomas Promny, Geschäftsführer von Velvet Ventures, Qype neben Trivago ebenfalls als bedeutendsten Exit des vergangenen Jahres ansieht, erklärt er damit, dass „es lange gedauert aber dann doch noch ein glückliches Ende genommen hat.“

Wie alle Exits von in Deutschland gegründeten Unternehmen in solcher Größenordnung sei auch der Qype-Verkauf als Erfolg zu bezeichnen, schreibt Jochen Maaß, Geschäftsführender Gesellschafter beim Hamburger Inkubator Hanse Ventures (www.hanse-ventures.de). „Von außen betrachtet, hinsichtlich der Höhe der Investitionen und ohne die wirtschaftlichen Details von Qype zu kennen, hätte ich hier aber eigentlich einen früheren Exit zu einer deutlich höheren Bewertung erwartet.“ Tatsächlich hatte sich bei dem 50-Millionen-Exit die Frage gestellt, ob dieser letztendlich zufrieden stellen kann.

Auch „kleinere“ Erfolgsmeldungen

Aber es sind nicht nur die ganz großen Erfolgsgeschichten, die für die Szene wichtig sind. Olaf Jacobi, Partner bei Target Partners (www.targetpartners.de), macht etwa auf die 360 Treasury Systems AG (www.360t.com) aufmerksam: „Hier gab es einen Teil-Exit. Summit Partners hat in einem Secondary Exit einen Teil der Investoren und Gründer herausgekauft und auch noch investiert. Das Unternehmen ist eine super Success-Story und wird noch weiter wachsen.“

„Interessant war zudem der Kauf von Hotel.de durch HRS.com, weil HRS erst nicht kaufen wollte und dann durch geschicktes Dealen mit der Androhung eines Kaufs durch Rakuten doch zum Kauf kam“, merkt Oliver Beste, Managing Partner bei FoundersLink (www.founderslink.com) an. Jochen Maaß zeigt sich zudem „sehr beeindruckt von der unternehmerischen Tätigkeit – mit allen Höhen und Tiefen – von Dr. Manfred Stegger und seiner Allesklar.com AG. Der Exit der Meinestadt.de-Betreiberin an Axel Springer gehört für mich daher auf alle Fälle auch zu den beeindruckendsten Transaktionen des vergangenen Jahres, auch wenn das 1996 gegründete Unternehmen vielleicht nicht mehr als Startup im ganz engen Sinne mehr bezeichnet werden kann.“

Die Verkauf des Berliner Pflegedienst-Vermittlers Betreut.de (www.betreut.dean den US-Anbieter Care.com sowie der zunächst umstrittene Exit des Shopping-Clubs Casacanda an das US-Vorbild Fab.com hebt Pawel Chudzinski vom Berliner Angel-VC Point Nine Capital (www.pointninecap.com) zudem hervor. Zwar sei von diesen nicht unbedingt eine besondere Wirkung auf die Szene ausgegangen. Dennoch zeigten die Transaktionen einen gewissen Trend auf. Nicht aus Deutschland, sondern aus dem benachbarten Österreich kam der Exit von Blue Tomato. Der alpenländische Anbieter für Snowboard-, Ski-, Skate- und Surfbedarf wurde vom US-amerikanischen Retailer Zumiez übernommen – für stattliche 82 Millionen Euro.

Noch keine ausreichende Positionierung

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Insgesamt nicht sehr begeistert vom Exit-Markt in Deutschland zeigt sich derweil Florian Schweitzer, Partner bei der im schweizerischen St. Gallen beheimateten b-to-v Partners AG (www.b-to-v.com). Zwar habe es eine Reihe an guten Exits im Bereich zwischen 20 und 50 Millionen Euro gegeben. Insgesamt bemängelt er in Europa allerdings eine fehlende Positionierung für Unternehmensverkäufe. Nicht zu vergessen ist, dass sich unter der vermeintlich recht großen Zahl an Exits tatsächlich mitunter sogenannte Firesales befinden, also Verkäufe, die – mehr oder weniger – aus der Not heraus getrieben sind.

Nichts desto trotz zeigen in den Augen von Martin Weber, General Partner bei Holtzbrinck Ventures (www.holtzbrinck-ventures.com), Transaktionen wie die von Trivago oder Qype, „dass Unternehmen, die von Deutschland aus europäische Länder als Markt bedienen, für US Unternehmen sehr interessant und spannend bleiben als Akquisitionstargets.“ Ferner stelle insbesondere Trivago eindrucksvoll unter Beweis, dass clevere Unternehmer heute wirklich sehr profitable Unternehmen aufbauen können bei gleichzeitigem Wachstum. Investoren und Unternehmensgründer „tun gut daran, neben Wachstum auch auf Ertragsstärke zu setzen, eben zur richtigen Zeit“.

Titelbild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Shannon Clark