Nachdem in Teil 1 unserer Expertenumfrage Investoren die Frage „Was bringt 2009 für Internetgründer?“ beantwortet haben, haben wir diese Frage auch einigen Gründern selbst gestellt. 

Natürlich freuen wir uns wenn die Kommentarfunktion fleißig genutzt wird und wir erfahren was das Jahr 2009 in den Augen der Gründerszene Leser mit sich bringt…

 

Gabriel Matuschka, triphunter

„2009 hat das Potenzial einmal wirklich das zu bringen, was alle seit langem erwarten: Eine relativ harte Marktbereinigung, der einige gute und die meisten weniger guten Start-ups zum Opfer fallen werden. Im Anschluss liest man an dieser Stelle gerne, welch großartige Möglichkeiten eine veritable Wirtschaftskrise bietet und dass die besten Unternehmen stets in schwierigen Phasen entstanden seien. Das wirkt ein wenig wie das Rufen im dunklen Wald, denn wenn sich der Markt tatsächlich so knallhart reguliert, werden sich nur etwa 20 Prozent aller Gründer halten können. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und das ist auch gut so, denn sie ist Ansporn für viele, doch noch durchs Ziel zu gehen.

Um als Gründer zu den Gewinnern dieses Jahres zu gehören, bedarf es allerdings mehr als eines guten Business-Modells. Managementerfahrung, fachliches Know-how und Stehvermögen dürften endlich wieder in den Mittelpunkt rücken. Darauf sollten Internetgründer bei sich selbst, ihren Partnern und Mitarbeitern am stärksten achten. Mindestens ebenso wichtig: Investoren haben oder gewinnen, die den Mut zeigen, auch in schwierigen Zeiten bei der Stange zu bleiben.“

 

Alexander Artope, smava

„1. Schwierigere Finanzierungsbedingungen Grundsätzlich werden in 2009 die Folgefinanzierungen schwieriger. Sprich: Seed-Runden für gute Ideen wird es m.E. immer geben, aber Finanzierungen >1m. EUR für noch nicht etablierte Geschäftsmodelle werden schwierig. VCs werden bereits vorhandene Portfolio-Unternehmen unterstützen – sofern deren Entwicklung positiv ist. Folgerichtig gilt für alle Start-Ups – wenn nicht sowieso schon Usus – höchste Kostendisziplin.

2. Fokus auf Profitabilität

In 2009 wird mehr Fokus auf die Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen gelegt. Ein Start-Up mit starkem Nutzerwachstum hat immer gute Karten, dennoch sollte die Monetarisierung auch hier zentraler Planungsbestandteil sein. Neben Werbung sind das beispielsweise transaktionsbasierte Geschäftsmodelle, bei denen Nutzer pro Kauf oder Nutzung zahlen.

3. Gute Geschäftsmodelle setzen sich immer durch Häufig zitiert, aber unverändert wahr: ein gutes Geschäftsmodell setzt sich auch in schwierigen Zeiten durch. Wenn wirklich Nutzen für Kunden vorhanden ist, wird sich ein Start-Up immer am Markt behaupten. Und: auf der Kostenseite kann man beispielsweise beim Online-Marketing mangelndes Budget auch durch Kreativität wettmachen.“

 

Nico Zorn, saphiron management & technology consultants

„Fest steht auf jeden Fall: Das Jahr 2009 wird spannend! Natürlich wird es weniger Finanzierungen geben und auch einige Business Angels werden zurückhaltender agieren. Gründer, die von Anfang an die Fixkosten gering halten und kurzfristig (wenn auch überschaubare) Umsätze generieren, haben aber gute Chancen, ein langfristig funktionierendes Unternehmen aufzubauen. Hinzu kommt, dass sich viele Unternehmen gerade jetzt nach geeigneten Start Ups umschauen, die zu realistischen Konditionen übernommen werden können. Die kürzlich erfolgte Übernahme von Socialmedian durch Xing ist hierfür ein Beispiel.“

 

Katja von der Burg, projecter

„Eins steht jetzt schon fest: 2009 wird ein spannendes Jahr! Für ein junges Unternehmen ist es natürlich nicht sehr angenehm, mitten in eine globale Finanzkrise und Rezession zu schlittern. Dennoch gehen wir das Jahr sehr zuversichtlich an, da wir in einer Wachstumsbranche arbeiten. Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein, immer neue Zielgruppen werden dafür erschlossen. Damit wächst natürlich auch weiterhin die Nachfrage nach gezieltem Marketing für Internet-Unternehmen. Außerdem führt die Krise dazu, dass Marketing-Budgets von klassischem Maßnahmen oder teurer Image-Werbung im Internet in Richtung Performance-Marketing umgeschichtet werden. Die direkte Erfolgs- und Kostenkontrolle ist gerade dann wichtig, wenn das Geld knapper wird. Da wir performance-basiert arbeiten, freuen wir uns auf diese Entwicklung.

Darüberhinaus erwarten wir eine Bereinigung bei den Geschäftsmodellen. 2009 wird sich zeigen, wer mit seinem Internet-Geschäftsmodell tatsächlich genug Geld verdienen kann. Mit besonderer Spannung verfolgen wir dabei die Innovationen im Bereich Ecommerce, also zum Beispiel die Shopping Clubs und Liveshopping-Portale. Wir glauben nicht, dass die Krise die Innovationen in diesem Bereich ausbremsen wird.

Unser Motto für 2009: Die Krise als Chance sehen!“

 

Christian Heitmeyer & Constantin Bisanz, brands4friends

„Wir sehen nach wie vor gute Chancen für die Realisierung von den richtigen Ideen. Internet bzw. e-Commerce ist ein Wachstumsmarkt, Geld ist nach wie vor vorhanden und will investiert werden  – die Frage ist nur wo…

Es wird sicherlich in der derzeitigen allgemeinen Wirtschaftssituation etwas härter werden, Investoren zu überzeugen. Doch mit der richtigen Ideen und einem schlüssigen, skalierbaren Geschäftsmodell werden Gründer weiterhin Erfolg haben. 

So gelang es beispielsweise brands4friends.de, trotz bereits wütender, allgemeiner Finanzkrise, sich eine der europaweit größten Wachstumsfinanzierungen Ende 2008 zu sichern.

Das Gute ist: schwierige Zeiten zwingen Gründer bereits in der Planungsphase zu einer Fokussierung auf das Wesentliche: nämlich auf ein Geschäftsmodell das wirkliche Bedürfnisse deckt, sowie die Aussicht auf große Zahlen bei absehbarer Profitabilisierung des Geschäfts. 

Für Gründer mit den richtigen Ideen wird das Jahr 2009 also ein gutes Jahr werden.“

 

Robin Behlau, Käuferportal

„Es scheint als ticken bei vielen Investoren die Uhren momentan etwas langsamer als üblich. Viele warten lieber erst einmal ab und schauen wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickelt. Die Internet-Startups, die momentan auf dringender Geldsuche sind, werden es schwer haben. Das wissen die Geldgeber natürlich und dies wird zwangsläufig die Bewertungen nach unten treiben. Eine Marktbereinigung ist absehbar. Nur die, die sich anpassen, werden in der Krise überleben.“