Florian Meissner EyeEm

Florian Meissner, Gründer und Geschäftsführer von EyeEm

Startup-Held Florian Meissner im Interview

Das Foto-Startup EyeEm fristete als kleiner Bruder von Instagram lange Zeit nur ein Nischendasein. Dann änderte Facebooks Milliarden-Aufkauf die Nutzungsbedingungen, verschreckte seine Nutzer, die daraufhin zum Berliner Konkurrenten überliefen und einen regelrechten Hype um das Startup auslösten. Innerhalb eines Jahres konnte EyeEm so seine Nutzerzahlen verzehnfachen und zählt mittlerweile über zehn Millionen Downloads.

Derzeit arbeitet das Startup an einer Verkaufsplattform für Fotografien. Durch die kürzlich eingegangene Kooperation mit der bekannten Bildagentur Getty Images kann EyeEm zudem deren weltweites Vertriebsnetzwerk nutzen.

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Florian Meissner ist der Gründer der Foto-Community und selber fotobegeistert. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität zu Berlin, der ESCP-EAP Europäischen Wirtschaftshochschule in London und der Wirtschaftsuniversität Wien sowie Fotografie im Nebenfach an der Universität für angewandte Kunst in Wien. EyeEm gründete er zusammen mit Lorenz Aschoff, Ramzi Rizk und Gen Sadakane 2011. In Gründerszenes Interview-Reihe „Startup-Helden“ spricht Meissner über reale Fotografie, Leidenschaft und mobile Geschäftsmodelle.

EyeEm gibt es seit 2011, nahm aber erst ab 2012/2013 richtig an Fahrt auf. Wieso war das so?

Bevor EyeEm auf den Markt kam, organisierten wir einen globalen Wettbewerb für Mobile Photography. Dabei kamen Tausende Bilder aus aller Welt zusammen, gleichzeitig hatten wir die ersten 5.000 Fotografen gewonnen. Danach sind wir kontinuierlich gewachsen, erhielten ab Mitte 2012 zusätzlichen Schwung als Instagram von Facebook gekauft wurde und dort die Nutzungsbedingungen geändert wurden.

Wir hielten unser Versprechen, niemals gegen Nutzungsrechte oder Copyrights zu verstoßen. Besonders in den USA sprach sich das schnell herum. Das war sicher einer der Gründe, dass wir 2013 unsere Download-Zahlen verzehnfachen konnten, derzeit stehen wir bei über zehn Millionen.

Ihr entwickelt euch in Richtung Fotografie-Marktplatz. Private Fotos und Bezahlbilder, kann das funktionieren?

Wir haben in den letzten Monaten hunderttausende Bilder analysiert und mit den wichtigsten Bildkäufern weltweit intensive Gespräche geführt. Ich bin von dem kreativen und kommerziellen Potenzial unserer Community mehr als überzeugt. Besonders bei den Käufern sind immer mehr authentische, frische Bilder aus dem echten Leben gefragt, anstelle von langweiligen, gestellten Stock-Bildern von der Stange. Wir nennen das „Real Photography“.

Wenn wir demnächst unseren EyeEm Market öffnen, heißt das ja nicht, dass alle Bilder zum Verkauf stehen. Die Fotografen entscheiden selbst, welche Bilder sie anbieten wollen. Viele werden EyeEm nach wie vor einfach dazu nutzen, schöne Momente festzuhalten, sie mit anderen zu teilen, Fotos zu bearbeiten oder andere Fotografen zu entdecken und sich mit ihnen auszutauschen. Die Fotos im Marktplatz werden zudem stets die erforderlichen Freigaben haben.

Instagram, euer ehemaliger Hauptkonkurrent, ging für eine Milliardensumme an Facebook. Habt ihr ähnliche Pläne?

Unser Team ist aus einer Gruppe von Fotografie-Liebhabern entstanden und unser Ziel war von Anfang an, die beste Community für mobile Fotografie zu bauen. Wir wollen einer neuen Generation von Fotografen eine Plattform bieten, um ihre Leidenschaft auf das nächste Level zu bringen. Und jetzt sind wir an dem Punkt, dass wir unseren Fotografen nicht nur Anerkennung verschaffen können, sondern ihnen sogar die Chance geben, mit ihren Bildern Geld zu verdienen. Warum also jetzt aufhören? Die Community ist mein Leben!

Welche Tipps gibst du Gründern nach deinen eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?

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Wir haben am Anfang eine Menge Fehler gemacht aber dardurch auch jede Menge gelernt. Ich glaube, wer keine Fehler macht, denkt und arbeitet zu vorsichtig. Keine Angst vorm Scheitern. Keine Angst davor haben, Menschen einzustellen, die smarter oder talentierter sind als man selbst. Frühzeitig und ohne Scheu auf Investoren zugehen. Und das Allerwichtigste, das Produkt und Team kontinuierlich an den richtigen Erfolgsmetriken messen. Es muss wehtun. Jeden Tag!

Welche Trends siehst du im Internet?

Ich merke es ja an meinem persönlichen Konsumverhalten, dass ich immer mehr Transaktionen über mobile Geräte tätige. Auf Reisen (Flüge, Taxis, Hotels buchen), bei der Unterhaltung (Musik, Filme), Kommunikation (Whatsapp, Skype) und im Alltag (Essen bestellen) spielt sich alles auf mobile ab. Mich fasziniert die Einfachheit dieser Geschäftsmodelle und bin fest überzeugt, dass wir erst am Anfang einer mobilen Ära stehen.

Bild: EyeEm