eyeQuest

Über potente Finanzierungsrunden, Exits oder Internationalisierungen zu berichten ist was feines. Doch was ist da sonst noch im Busch, neben all den bereits “etablierten” Startups? Gründerszene stellt in dem Format “Geschäftsideen auf dem Prüfstand” regelmäßig ausgewählte Neugründungen vor, die sprichwörtlich noch in den Kinderschuhen stecken – und den Namen Startup somit redlich verdienen. Dieses Mal: eyeQuest (www.eyequest.de), ein Location-Based-Service mit dem man Fotos und Videos von beliebigen Orten in Echtzeit anfordern kann.

Location-Based-Services gibt es mittlerweile schon wie Sand am Meer, und die verschiedenen Dienste erweisen sich durch neue technische Raffinessen immer öfter als nützliche kleine Helfer im Alltag. Neben dem Anzeigen von Lokalitäten in der direkten Nutzer-Umgebung und Funktionalitäten wie beispielsweise dem Check-In in Bars und Cafés, soll es bald auch möglich sein, „jeden beliebigen Ort zu jeder beliebigen Zeit live sehen zu können – ohne dabei physisch anwesend sein zu müssen“. Möglich macht das eyeQuest, ein Berliner Startup, das noch in diesem Jahr mit der hauseigenen Smartphone-App an den Start gehen will.

So funktioniert der Dienst von eyeQuest

Die Situation dürfte vielen bekannt sein: Man steht vor einer simplen Entscheidung, sei es die Wahl zwischen zwei verschiedenen Clubs oder Hotels, und möchte sich ein Bild von der Gesamtsituation machen. Wo ist gerade mehr los? Von welchem Hotel aus hat man den besseren Blick auf das Brandenburger Tor? Die Möglichkeiten sind dabei derzeit noch sehr begrenzt – Leute anrufen, vorbeigehen, doppelt Eintritt zahlen. Und das auch nur, wenn sich der Ort in der Stadt befindet, in der man sich gerade aufhält. eyeQuest will diese Problematik lösen, indem der Dienst es den Nutzern ermöglicht, per Web oder App Anfragen zu bestimmten Orten zu stellen.

Möchte man also wissen, in welchem Club der Andrang gerade größer ist, schickt man einfach einen so genannten „eyeQuest“ an die beiden Orte. Das System von eyeQuest überprüft dann per Standortabfrage, ob sich ein Nutzer in der Nähe dieses Ortes befindet, und leitet die Anfrage an ihn weiter. Diese kann dann durch einen „eyeShare“ beantwortet werden, indem der Nutzer vor Ort mit einem entsprechenden Video, einem Stream oder einem Foto in Echtzeit reagiert. Durch die Kommentarfunktion können zusätzliche Fragen beantwortet werden, wie in diesem Falle beispielsweise, welcher DJ gerade spielt. Über Incentives werden alle Aktivitäten auf eyeQuest belohnt, die Nutzer können Punkte sammeln und werden entsprechend ihrer Platzierung in einer Rangliste mit realen und virtuellen Preisen ausgestattet.

Zur Entstehungsgeschichte von eyeQuest

Die Idee zu eyeQuest ist dem Gründungsteam dabei tatsächlich durch die Frage gekommen, was gerade auf den zur Disposition stehenden Parties los sein könnte. Überzeugt von dem Potenzial und den vielen möglichen Use Cases haben die Brüder Lüder und Thomas Brüggemann in diesem Jahr dann gemeinsam mit Meik Dankleff ernst gemacht, und die eyeQuest GmbH mit Sitz in Berlin gegründet. Die drei Gründer haben dabei verschiedene Hintergründe: Der Kommunikationswissenschaftler Lüder Brüggemann hat vorher als PR– und Social-Media-Berater gearbeitet, während sein Bruder Thomas als Leiter des Qantm Instituts in Berlin für die Ausbildung zukünftiger Gamedesigner zuständig war.

Meik Dankleff, der die Entwicklung und Programmierung von eyeQuest verantwortet, war vorher als Leiter der IT-Abteilung bei WinRAR tätig und arbeitet seit einem Jahr in der Online-Spiele-Branche. Noch befindet sich das Startup zwar in der Aufbau- und Entwicklungsphase, von der Relevanz des Produkts ist man aber auch vor dem Start schon sehr überzeugt: „Wir werden zwar auf den gängigen Plattformen jeden Tag von Fotos und Videos erschlagen, haben allerdings keinen Einfluss auf das, was gepostet wird. Somit dient eyeQuest irgendwo auch als eine Art Informationsfilter, da einem nur Streams, Videos oder Fotos von Dingen und Orten gezeigt werden, die man auch wirklich sehen möchte“, so Thomas Brüggemann.

eyeQuest

Geschäftsmodell und Roadmap – eyeQuest hat Großes vor

Da der Service von eyeQuest für den User kostenlos sein wird, soll es zwei Revenue Streams geben, die das Unterfangen schlussendlich finanzieren. Zum einen ist die Möglichkeit von ortsbasiertem Advertising angedacht, bei dem den Nutzern Dinge vorgeschlagen werden, die den abgefragten Locations ähneln. Und zum anderen wird es Premium-Accounts für Medienschaffende geben, die dem Dienst eine weitere Anwendungsdimension eröffnen: Journalisten und andere Medientreibende sollen über eyeQuest zukünftig die Möglichkeit haben, innerhalb kürzester Zeit Zugriff auf Bildmaterial und Informationen zu Live-Ereignissen zu bekommen, um diese für ihre Publikationen zu verwenden.

Damit das zuverlässig funktioniert, werden die eyeQuests der Premium-Mitglieder gehighlightet und mit mehr Ranglistenpunkten vergütet. In den Anfangsmonaten sollen zusätzlich Teams von angestellten eyeSharern losgeschickt werden, um zu gewährleisten dass die eyeQuests der Premium-Mitglieder auch innerhalb kurzer Zeit beantwortet werden. Nach dem erreichen der kritischen Masse in Berlin, wo der Dienst vorerst startet, soll eyeQuest dann Schritt für Schritt die Republik erobern. Und auch auf längere Sicht hat man große Pläne: „Unsere Vision ist ein weltweites Netzwerk mobiler Kameras, das nach Anfrage innerhalb weniger Minuten einen Livestream von jedem gewünschten Ort garantiert. Wir wollen sozusagen ein Google Streetview in Echtzeit werden“, sagt Lüder Brüggemann.

eyeQuest – hilfreicher Problemlöser oder der nächste Schritt in Richtung gläserner Nutzer?

Der Nutzen von eyeQuest scheint auf den ersten Blick leicht erfassbar: Der Dienst liefert Informationen, die in gewissen Entscheidungssituationen die Wahl beeinflussen können, wobei die möglichen Anwendungsbereiche denkbar vielseitig sind – von Ausgehentscheidungen über den Qualitätscheck eines Hotelzimmers bis hin zu Situationen mit reinem Unterhaltungswert ist hier vieles denkbar. Medienschaffende als Teil der Zielgruppe mit einzubeziehen erscheint dabei sinnvoll, da hierdurch einerseits ein Revenue Stream entsteht und der Dienst andererseits einen Nutzen kriegt, der über den reinen Spaßfaktor hinaus geht. Fraglich ist allerdings, ob ein Pressefotograf in gewissen Situationen wirklich durch einen eyeQuest ersetzt werden könnte, für einen schnellen Überblick zur besseren Berichterstattung dürfte es aber in jedem Falle hilfreich sein.

Unabhängig von dem Anwendungsbereich ist ein Faktor für den Erfolg von eyeQuest aber entscheidend – und zwar Schnelligkeit. Der Dienst dürfte vor allem in solchen Situationen nützlich sein, in denen man eine mehr oder minder direkte Entscheidungshilfe braucht. Ob und wie schnell ein eyeQuest aber beantwortet wird, hängt mehr denn je von der Anzahl aktiver Nutzer ab; das erreichen der kritischen Masse ist also Voraussetzung dafür, dass der Dienst überhaupt erst funktioniert. In den Anfangsmonaten eigene „eyeSharer“ loszuschicken, ist da sicherlich ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Bereitschaft der Nutzer, bei eyeQuest aktiv zu werden und die Anfragen mit einem Foto oder Video zu beantworten, ist gleichzeitig aber stark abhängig von dem jeweiligen Incentive. Zwar ist es löblich, dass eyeQuest kostenlos daherkommt, unproblematisch ist das aber nicht. Bei dem sehr ähnlichen US-Dienst Crowdmug beispielsweise müssen Nutzer festlegen, was ihnen die Beantwortung ihrer Anfrage wert ist, das Gegenüber verdient dementsprechend also direkt daran.

Das ist bei eyeQuest nicht der Fall, wo Aktivität mit Punkten belohnt wird und man sich durch das verschicken möglichst vieler eyeShares erst an die Spitze einer Rangliste kämpfen muss, um dafür dann etwas zu bekommen – was ist in der Praxis gar nicht so einfach sein dürfte. Ob der Community-Gedanke und das spielerische Belohnungssystem alleine ausreichen, wird sich zeigen. Die Vision der Gründer, aus eyeQuest auf lange Sicht eine Art „Streetview in Echtzeit“ machen zu wollen, könnte bei einigen Nutzern angesichts der andauernden Diskussion zum Thema Privatsphäre allerdings Bauchschmerzen verursachen. Ein Thema, welches dann also weiter in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken wird und somit Teil der Herausforderung ist, der sich die Gründer von eyeQuest in den nächsten Monaten stellen müssen. Bis es soweit ist muss der Dienst aber erst einmal starten, was – in Form einer Closed Beta – noch in diesem Jahr passieren soll.