fab 15 mitarbeiter

Fab-Standort Berlin: kein „Summer of Love“

Der Kahlschlag bei der Fab-Niederlassung in Berlin fällt offenbar deutlich heftiger aus als bislang bekannt. Nur 15 Fab-Angestellte plus 35 Mitarbeiter der Möbelmarke Fab Desigend by you (DBY) sollen ein konkretes Angebot bekommen haben am Standort zu bleiben. Dies legt eine Email von Fab-Gründer Jason Goldberg an seine Mannschaft nahe. Das Memo hatte Bloomberg am Dienstagabend veröffentlicht.

Das Headquarter in New York wiegelt auf Nachfrage von Gründerszene ab: Es sei nicht so, dass nur 15 Mitarbeiter am Standort bleiben. In der Übergangszeit im Herbst und Winter würde eine deutlich größere Anzahl weiter für Fab arbeiten, DBY würde ausgebaut, der Hauptsitz in Berlin bleiben. Unter der Marke vertreibt das Unternehmen eigene Möbel, seit es im Mai den Hamburger Hersteller Massivkonzept übernommen hat.

Tatsächlich kündigt Goldberg in seiner Mail an, dass er die Anzahl der derzeit 35 Mitarbeiter von DBY bis Jahresende verdoppeln will; derzeit sind für Berlin trotz der Kündigungen mehrere Stellen öffentlich ausgeschrieben. Damit wird der Standort zwar wieder gestärkt. Dennoch dürften im Zuge der jetzigen Entlassungswelle deutlich mehr aktuelle Stellen wegfallen als bisher bekannt. Fab hatte öffentlich von mehr als 100 Kündigungen gesprochen. Nach Gründerszene-Informationen sind es zumindest mehr als 150 der aktuell 230 Arbeitsplätze, die in Berlin wegfallen.

Weitere zehn Millionen Dollar Finanzierung

„Die Zahl von 100 Entlassungen, die immer wieder berichtet wurde, ist defintiv zu tief gegriffen“, ist aus dem Unternehmensumfeld zu hören. Ehemalige und Noch-Mitarbeiter, die ihren Job verlieren sollen, haben sich in einer Facebook-Gruppe namens „Ex Fab“ organisiert. Diese hat jetzt schon mehr als 170 Mitglieder. Fast 70 der betroffenen Mitarbeiter in Berlin gehen sofort oder sind schon weg. Der Rest soll das Unternehmen nach der Übergangszeit bis Ende des Jahres verlassen.

Anzeige
Hintergrund des Umbaus: Fab will das Geschäft künftig zentral aus den USA steuern. Aus dem Umfeld von Fab-CEO Goldberg heißt es gegenüber dem Gründerszene-Schwestermagazin Venture Village: „Der ganze Umbau ist total sinnvoll, er hätte vielleicht besser kommuniziert werden können. Aber er hat zur Folge, dass Fab in Europa in den nächsten Monaten nahezu profitabel sein wird.“

Für fast alle in Berlin kommt der Schritt sehr plötzlich: Gerade erst hatte Fab neue Büros in der Rungestraße bezogen, viele Mitarbeiter waren aus London nach Deutschland gekommen, um hier das europäische Hauptquartier aufzubauen. Die ganze Situation jetzt sei ein „großer Shitstorm“, sagt eine Person, die mit der Lage vertraut ist. Denn die Folge des Umbaus ist, dass abgesehen von den genannten 15 Mitarbeitern (sie könnten entweder ins europäische Sales Team wechseln oder zu DBY wechseln, schreibt Goldberg) sowie den DBY-Angestellten die meisten anderen betroffen sind. Weil ihr Job entweder überflüssig geworden ist. Oder weil sie zu den 36 gehören, die nach New York wechseln müssten. Auch nach Eindhoven, wo das neue Logistikzentrum entsteht, können einige Mitarbeiter wohl gehen. Für die meisten in Berlin ist damit klar: Sie müssen entweder Fab oder die Stadt verlassen. „Und das mitten im Summer of Love“, spottet ein Betroffener.

Den „Summer of Love“ hatte Fab-Gründer Jason Goldberg noch im Juni ausgerufen. Kurz nach der Series-D-Finanzierung. 150 Millionen Dollar hatte Fab damals eingesammelt. Unter anderem von Tencent, Atomico, Andreessen Horowitz, Itochu Technology Ventures und Altinvestoren. Die Runde ist noch nicht abgeschlossen, am 1. August gab das Unternehmen bekannt, weitere zehn Millionen Dollar von SingTel Innov8 bekommen zu haben, dem Investmentarm des asiatischen Telekomunikationsanbieters Singapore Telecommunications. Künftig dürfte die Expansion nach Asien im Vordergrund stehen.

Nach dem ersten Teil der Finanzierungsrunde im Juni hatte Goldberg in seinem Tumblr-Blog geschrieben:

Internally at Fab we’ve declared this the “summer of love“ — an entire summer dedicated to developing our ambitious long term strategy for making our four constituents (our customers, our designers, our employees, and our shareholders) love Fab more than any company before. If we achieve that, we will win at emotional commerce.

It’s not easy.

People don’t love companies
People love products.
People love experiences.
People love people.

Will make for a challenging and rewarding summer of planning. And, hopefully our customers, designers, employees, and shareholders will feel the love for years and years to come.

Smile, you’re designed to.

 

Mitarbeit: Alex Hofmann, Linsey Fryatt (Venture Village)

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Asbestos Bill