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Fab und der teure Sieg über die Samwers

Kaum eine Startup-Geschichte ist so reich an dramatischen Wendungen wie die von Fab. Der Design-Shop, der einst als kleine Schwulen-Community startete, sammelte über 300 Millionen US-Dollar an Kapital ein, wuchs auf 700 Mitarbeiter an, musste dann sein Geschäftsmodell weg von einem Flash-Sales-Portal hin zu einem klassischen, inventarbasierten Online-Shop drehen und schließlich Mitarbeiter entlassen: im Sommer die ersten 150 in der Berliner Europa-Zentrale, im Oktober noch einmal 100, vor einem Monat folgte schließlich die Ankündigung, im nächsten Vierteljahr noch einmal 50 bis 100 Stellen abbauen zu wollen.

Was lief falsch bei Fab? Wer oder was trägt Schuld an den Entlassungen? Viele sehen CEO Jason Goldberg in der Verantwortung, ihm wird Missmanagement angelastet, zuletzt in einem wenig schmeichelhaften Porträt unter dem Titel „Demolition Man“.

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Doch im Umfeld der Firma wird nun eine andere Interpretation verbreitet: Verantwortlich für den Niedergang von Fab seien – die Samwer-Brüder. Über diese Version der Geschichte berichten nun Business Insider und Pando Daily.

Der Hintergrund: Rocket Internet brachte Anfang 2012 einen Fab-Klon namens Bamarang in Europa auf den Weg. Goldberg war fest entschlossen, sich mit allen Mitteln gegen den Konkurrenten zu wehren – und schaltete deshalb auf Gegenangriff: Er eröffnete ein Hauptquartier in Berlin, übernahm Casacanda und Massivkonzept, stellte über 125 Mitarbeiter ein. Und er stockte das Marketing-Budget auf unglaubliche 40 Millionen US-Dollar auf.

Mitbewerber Bamarang gab tatsächlich nach einem halben Jahr klein bei. Doch Fab hatte sich mit dem Vorhaben übernommen, die groß angelegte Expansion überlastete das junge Startup, dessen Betrieb mittlerweile astronomische fünf bis sieben Millionen US-Dollar pro Monat verschlang. Im Juli kündigte Goldberg an, das Marketing-Budget zu verkleinern – und begann, Mitarbeiter zu entlassen.

Heute hat Fab nach eigenen Angaben noch immer 120 Millionen US-Dollar an Kapital zur Verfügung. Damit wird sich das Startup noch eine Weile im Markt halten. Aber das heißt auch: In gerade einmal zwei Jahren hat Fab über 170 Millionen Dollar verbrannt.

Ein teurer Sieg über die Samwers.

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