Fabian Siegel Till Neatby Marley Spoon

Starten heute mit ihrem neuen Startup Marley Spoon: Till Neatby und Ex-Delivery-Hero-Chef Fabian Siegel

Ja, Oliver Samwer hat investiert

Die Industriespüle im Hitergrund verrät es gleich: Das derzeitige Büro von Marley Spoon, Fabian Siegels neuem Startup, ist nicht das endgültige. In zwei Wochen sollen die derzeit zwölf Mitarbeiter vom Berliner Paul-Linke-Ufer in ein neues, größeres Büro ziehen, das dann auch eine richtige Küche hat.

Das ist wichtig, denn Marley Spoon verkauft Essen. Sieben unterschiedliche Mahlzeiten werden jede Woche angeboten, für zwölf Euro verschickt das Startup die notwendigen Zutaten zwei mal pro Woche an die Kunden – deutschlandweit. Dabei hat sich Marley Spoon anders als Startups wie HelloFresh oder Kochzauber bewusst gegen ein Abo-Modell entschieden. Bestellt wird über die Webseite, bald soll auch eine iPhone-App folgen.

Anzeige
Gestartet hat Siegel Marley Spoon zusammen mit Till Neatby, den er schon seit einem Vierteljahrhundert kennt. Die Idee sei beiden beim gemeinsamen Kochen gekommen, verrät Siegel, Anfang des Jahres sei das gewesen. Das Ziel der beiden: Wieder für eine Kochkultur in Deutschland sorgen, auch nach einem stressigen Arbeitstag. Dafür ohne die Last, sich im Supermarkt noch Gedanken über das Was und Wie machen zu müssen.

Siegels Hoffnungen sind groß: Es werde immerhin mehr Geld für Essen als für Fashion ausgegeben. Und elf Millionen Tonnen pro Jahr an Lebensmitteln allein in Deutschland weggeworfen, betont der Gründer. Bei Marley Spoon soll das anders sein. Verschickt wird nur das, was für die ausgewählte Mahlzeit auch gebraucht wird. Und man wolle stark auf Nachhaltigkeit achten. Von den Lebensmitteln selbst, die direkt beim Erzeuger gekauft werden, bis hin zur Verpackung: Gekühlt mit Eis-Packs und isoliert mit Schafswolle soll die Ware frisch und umweltfreundlich zum Kunden kommen.

Im Interview verrät Fabian Siegel, was er anders machen will, als andere Lebensmittel-Versender, wie das Unternehmen wachsen soll und was seine zukünftige Rolle als Partner beim Samwer-Fonds Global Founders Capital sein wird.

Lebensmittel und Online-Geschäft – daran sind schon viele gescheitert. Was wollt Ihr anders machen?

Bislang wurde meistens versucht, Supermärkte 1:1 in der Online-Welt zu kopieren: Ein gigantisches Produktsortiment zu günstigen Preisen. Wir sind nicht horizontal aufgestellt, sondern vertikal, es gibt nur einen „Use-Case“: zusammen kochen und sich gesund ernähren.

Ein MyMuesli fürs Abendessen?

MyMuesli ist eine tolle Firma und hat einen sehr guten Brand aufgebaut. Unsere Produkte sind aber nicht direkt vergleichbar.

Wie grenzt Ihr Euch von Abo-Anbietern wie HelloFresh oder Kochzauber ab?

Wir bieten „Kocherlebnisse“ und bieten damit etwas anderes an als den Supermarkt durch eine regelmäßige Zutaten-Box zu ersetzen. Wir stehen eher mit dem Restaurantbesuch im Wettbewerb. Darüber hinaus finden wir Abo-Modelle schwierig, denn trifft man einmal den Geschmack des Kunden nicht – jeder bekommt ja die gleiche Box – dann ist der Kunde unter Umständen weg und kommt nicht wieder. Bei uns weiß man im Voraus ganz genau, was man bekommt. Und auch von wem.

Wo kauft Ihr die Zutaten ein?

Die Lebensmittel kommen von guten Zulieferen aus der Region. „Bio“ dort wo es sinnvoll ist, aber generell wollen wir gute Qualität liefern. Wir legen auch sehr viel Wert darauf, im engen Kontakt mit unseren Zulieferern zu stehen. Auch weil uns Transparenz und Nachhaltigkeit wichtig sind.

Das bedeutet aber auch viel Aufwand und meist kleine Liefermengen. Was aber, wenn Marley Spoon wächst und der Bedarf steigt?

Ganz ehrlich? Wir haben keine Ahnung was passiert, wenn das Ganze skaliert. Wir wissen in einigen Bereichen noch nicht genau, ob und wie alles im Detail funktionieren wird. Aber so ist das eben, wenn man sich als Tech-Business in neue Segmente wagt.

Ihr seht Euch also als Tech-Unternehmen?

Anzeige
Absolut. Zum einen, weil wir bei steigendem Kundeninteresse zum Beispiel einen guten Algorithmus entwickeln können, mit dem wir die Nachfrage vorhersagen können. Aber es geht ja um mehr: Die gesamte Online-Präsentation ist wichtig, denn das ist die Schnittstelle zum Kunden. Kunden wollen eben immer mehr bequem online einkaufen. Auch Lebensmittel. Und auch bei der Logistik werden wir sicherlich irgendwann prüfen müssen, ob wir das eventuell besser machen können als die derzeit bestehenden Dienste.

Dennoch müsst ihr einen Plan haben, wie ihr wachsen könnt, ohne dass die Organisation zu komplex wird.

Unser großer Vorteil ist, dass wir ein Kocherlebnis verkaufen und nicht auf den Preis optimieren müssen. Damit bleibt uns bei der Marge etwas Luft, wenn wir auf die Schnelle unseren Einkauf ausweiten müssen. Wenn das Modell gut läuft, werden wir auch eine Mitgliedschaft anbieten, die dann Preisvorteile für die Kunden bietet.

Wer sind eigentlich die Köche, von denen die Menüs stammen?

Wir arbeiten zunächst mit jungen Berliner Köchen zusammen. Allerdings sehen wir uns als Plattform, die wir immer weiter öffnen können.

Auch für Promi-Köche? Das würde sicherlich bei der Bekanntheit helfen.

Das wäre natürlich denkbar. Aber geplant haben wir das erst einmal nicht.

Wie wollt Ihr Marley Spoon überhaupt bewerben?

Natürlich wird das nicht über Performance Marketing funktionieren. Stattdessen werden wir auf Mundpropaganda setzen, Food-Blogs und Storytelling. „Impress your date“ wäre doch eine schöne Geschichte etwa für das GQ Magazin, oder?

So lange die GQ-Leser Eure Zielgruppe sind…

Wir zielen hauptsächlich auf Pärchen jeder Altersgruppe. Für die wollen wir das gemeinsame Kochen zum „einfachen“ Erlebnis machen – weil sich kaum einer nach der Arbeit noch mit Kochbüchern und Supermärkten auseinandersetzen will. Einfach nur toll und einfach kochen!

Ihr seid derzeit mit 1,5 Millionen Euro finanziert – wie lange wird das reichen?

Wir planen gegen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres eine Finanzierungsrunde.

Apropos Geld. Du bist auch noch Partner beim Samwer-Fonds Global Founders Capital. Wie wird Deine Rolle dort zukünftig aussehen?

Ich werde mich nun erst einmal voll auf Marley Spoon konzentrieren, da bleibt wenig Zeit übrig. Daher werde ich mich bei Global Founders Capital auf die Betreuung der Unternehmer im bestehenden Portfolios konzentrieren. Das sind immerhin mehr als 15 tolle Unternehmen. Partner werde ich aber bleiben – wer weiß, vielleicht mache ich bald auch wieder einen Deal.

Bild: Alex Hofmann / Gründerszene