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Bislang war Facebook in Sachen Mobile noch etwas schwach auf der Brust. Nun hat das soziale Netzwerk ein App Center vorgestellt, das seinen 900 Millionen Nutzern gezielt Anwendungen empfehlen soll. Mit seiner unübertroffenen Datenbasis sollen diese besser sein als die der Hersteller-Stores – und damit die Kunden noch stärker als bisher auf der Plattform halten.

Facebooks erste echte Mobile-Strategie?

Auch wenn es Facebook (www.facebook.com) bislang sicherlich verstanden hat, zum Zentrum der Kommunikation vieler Internet-affinen Menschen zu werden, so hatte das soziale Netzwerk bislang eine Schwäche: den Mobile-Bereich. Natürlich gibt es hauseigene Clients für alle relevanten Mobiltelefone. Allerdings musste man das weitere Geschehen auf iOS, Windows Mobile oder Android bislang den Herstellern der Betriebssysteme überlassen.

Nun soll sich das ändern. Mit dem gerade vorgestellten App Center startet Facebook seinen eigenen Laden für Anwendungen und Spiele. Und nicht nur um mobile Apps geht es, auch Web-Apps, mobile Web-Apps sowie Desktop-Anwendungen sollen darin zu finden sein. Zugegriffen werden kann sowohl über das Web-Interface als auch über die Mobil-Clients.

Bessere Empfehlungen durch bessere Daten

Das neue App Center – nicht zu verwechseln mit dem bereits seit 2009 verfügbaren und in den vergangenen Monaten brach liegenden Anwendungsverzeichnis – wird dem iTunes Store oder Google Play gewissermaßen vorgeschaltet. Eine andere Wahl hat Facebook auch nicht, denn die Hersteller lassen eine Installation über Dritte aus gutem Grund nicht zu.

Zweierlei Charme hat die neue Lösung allerdings. Zum einen werden die Kunden noch enger an das soziale Netz herangeführt. Selbst zum Finden von Anwendungen und – aus Facebook-Sicht sicherlich insbesondere – Spielen müssen diese die Plattform zukünftig nicht mehr verlassen. Der eigentliche Clou dürfte zum anderen aber in den Empfehlungen liegen. Mit seiner unübertroffenen Datenbasis will Facebook besser als Apple, Google oder Microsoft wissen, welche Apps für den jeweiligen Kunden interessant sein könnten.

Unterschiedliche Monetarisierungskonzepte

Von dem, was Facebook bislang verraten hat, könnte der Plan durchaus aufgehen. Zum einen sollen sehr detaillierte Informationen etwa hinsichtlich des Nutzeralters an die Entwickler weitergegeben werden. Letztere könnten von einer engeren Verknüpfung mit Facebook profitieren, weil sie auf diesem Weg gezielt Zugang zu einem großen Kundenstamm bekommen. Gleichzeitig würde Facebook mehr direkte Aufmerksamkeit der Softwarehersteller bekommen.

Zum anderen könnten, wie auch Venturebeat mutmaßt, irgendwann verschiedene Monetarisierungsmodelle eingeführt werden. Kostenpflichtige Facebook-Apps wären ein solcher Weg, bei der Bezahlung etwa über die eigenen Credits dürfte sich Facebook über eine nette Marge freuen. Angesichts des verlangsamten Wachstums in den vergangenen Monaten kommen solche Aussichten im Vorfeld des geplanten Börsengangs möglichen Investoren sicherlich gerade recht.

Kommt bald ein Facebook-Telefon?

Betrachtet man die Prognosen für das Wachstum des Mobilsegments, wurde es für Facebook höchste Zeit, sich in dem Bereich besser aufzustellen. Immerhin hat das kalifornische Unternehmen schon in seinem Börsenprospekt selbst zugegeben, in Sachen Mobile noch nicht gut genug aufgestellt zu sein. Mit der Übernahme von Instagram hatte Facebook sich vor kurzem ein erstes Standbein in dem Geschäft aufgebaut.

Mit dem neuen App Center hat das soziale Netzwerk eine Strategie gewählt, die es erst einmal nicht in den direkten Wettbewerb mit Apple, Google & Co. bringen wird, auch wenn App-Center-Nutzer zukünftig sicherlich weniger in den Hersteller-Stores stöbern werden. Ob sich das irgendwann mit einem (schon ab und an in der Gerüchteküche gemunkelten) Facebook-Telefon ändern wird?

Bildmaterial: Facebook