Zuckerberg

Immer wieder wird über seine Kandidatur als US-Präsident spekuliert. Doch Zuckerberg winkt regelmäßig ab.

Den Zeitpunkt für sein Mission Statement hätte sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg nicht besser aussuchen können. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Welt sich schockiert eine völlig aus dem Ruder gelaufene Pressekonferenz des neuen US-Präsidenten Donald Trump anschauen muss, kommen vom Facebook-Chef ganz andere Töne. Zuckerberg hat trotz aller Probleme und Trump seinen Optimismus, seinen Glauben an die Menschheit und sein fast schon staatsmännisches Pathos nicht verloren. Und wenn der Präsident der Vereinigten Staaten von Facebook einen langen Aufsatz über die globale Community der Zukunft schreibt, muss man das natürlich vor der Folie von Trumps Abschottungsphantasien lesen, die ja inzwischen auch viele Menschen in Europa teilen.

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In einem fundamentalen Mission Statement hat sich Zuckerberg von der Seele geschrieben, was ihn seit Monaten beschäftigt und wie seine Firma mit den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft umgehen will. Das interessiert sicherlich nicht nur die Nutzer von Facebook, sondern auch seine Mitarbeiter in aller Welt. Lange Zeit hatte man eine deutliche Erklärung vom großen Chef vermisst. Denn die Sprecher und Vertretungen in aller Welt wussten nicht genau, wie sie mit all den Vorwürfen und Problemen umgehen sollten. Oft wurde einfach nur geschwiegen, was nicht gerade hilfreich für das Image war.

Facebook bekennt sich zu seiner Verantwortung

Jetzt hat sich Zuckerberg zu all den heißen Eisen wie Fake News, Filterblasen, Löschen von Inhalten, die besser online geblieben wären und andersherum, geäußert. Und das sehr deutlich. Dabei gibt er Fehler zu, die Facebook gemacht hat. Aber insgesamt sieht er sein Netzwerk immer noch als das ideale Tool, um der global vernetzten Welt eine Kommunikations-Infrastruktur zu geben. In dieser Struktur sieht er die Verantwortung für einen konstruktiven, positiven Austausch, die Inhalte und den Aufbau einer globalen Community nach wie vor zu einem guten Teil bei den Nutzern – aber zum ersten Mal sehr deutlich auch bei Facebook.

Als einen Fehler, den Facebook gemacht hat, beschreibt Zuckerberg, dass er Probleme wie die Filterblase, Clickbaiting oder Fake News unterschätzt und als Problem der User abgetan hat. Auch das Löschen des berühmten Fotos aus dem Vietnam-Krieg führt er an und schreibt, dass solche Fehler schmerzhaft für ihn sind. Inzwischen habe Facebook aber Anstrengungen unternommen, diese Probleme zu lösen. Zum Beispiel will Facebook prüfen, ob ein Artikel gelesen wurde, bevor er geteilt wird. Dadurch soll per Algorithmus verhindert werden, dass sich Sensationsjournalismus mit seinen überspitzten Überschriften explosionsartig ausbreitet. Zuckerberg betont aber auch, dass Fehler von Facebook nie ideologische Gründe gehabt hätten, sondern immer nur dem schnellen Wachstum der Plattform geschuldet gewesen seien.

Probleme sind nur noch global zu lösen

Mit dem Wachstum in fast allen Regionen der Welt sei die Erwartungshaltung der Nutzer laut Zuckerberg rasant gestiegen, aber auch die Schwierigkeiten, lokale Befindlichkeiten in unterschiedlichen Regionen und kulturelle Normen in Bezug auf Inhalte zu erfüllen. In Zukunft kann der Nutzer ganz persönlich mit Hilfe von künstlicher Intelligenz über die Zusammensetzung seines Newsstreams entscheiden. Es würde laut Zuckerberg bereits erfolgreich mit künstlicher Intelligenz experimentiert. Insgesamt sei man aber technisch noch nicht so weit, um auf einen Schlag alle Probleme damit zu lösen.

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Die Digitalisierung macht vielen Menschen Angst, sie hat uns aber auch Instrumente wie die sozialen Netzwerke in die Hand gegeben, die uns in die Lage versetzen, großen Herausforderungen zu begegnen. Zuckerberg nennt den Terrorismus, den Klimawandel oder Pandemien. Diese Probleme sind nicht auf Nationalstaaten beschränkt und überspringen alle Grenzen. Auf diese drängenden Fragen müssen wir also globale Antworten finden. Eine soziale Infrastruktur, die uns hilft, Probleme zu erkennen, bevor sie nicht mehr zu lösen sind, könnte Teil der Antwort sein.

In seinem Mission Statement zeichnet Mark Zuckerberg ein positives, optimistisches Menschenbild. Er geht davon aus, dass sich Menschen eigentlich konstruktiv austauschen wollen, Wissenschaftler ihr Wissen teilen, junge Eltern sich unterstützen, alle Menschen an einer Gemeinschaft teilhaben wollen, die ihr Leben besser macht und die Welt zu einem besseren Ort. Man kann das naiv nennen. Oder einfach nur als Vernebelungstaktik eines eiskalten Geschäftsmannes belächeln. Aber in den Zeiten eines unerträglichen Egomanen an der Spitze der freien Welt, möchte man einfach nur, dass Zuckerberg mit seinem vielleicht etwas naiven Optimismus am Ende recht behält.

Foto: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Alessio Jacona