Facelift Benjamin Schröter Teja Töpfer

Die Facelift-Gründer Benjamin Schröter und Teja Töpfer

Facelift: Family Office investiert 15 Millionen Dollar

Drei Jahre lang haben sie ihr Unternehmen gebootstrapped, nun erhalten sie eine der größten Erstfinanzierungen für ein Hamburger Startup: Facelift (www.facelift-bbt.com) bekommt 15 Millionen US-Dollar von einem in London ansässigen arabischen Family Office. Im Rahmen des von Corporate Finance Partners (CFP) vermittelten Deals sei gleichzeitig weiteres Expansionskapital zugesichert worden.

Kennen gelernt haben sich die Gründer Benjamin Schröter und Teja Töpfer beim BWL-Studium in Hamburg. Als sie ein paar Jahre später bei einer Reise ins Silicon Valley einen ersten Blick auf Facebook bekommen, fällt der Entschluss, einen Dienstleister für Facebook als Marketingkanal aufzubauen. Mit ihrer Idee stoßen sie auch auf Zweifel – immerhin war damals StudiVZ hierzulande noch größer als Facebook.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Small Improvements: Das kleine Berliner Startup,
das zum Hit im Silicon Valley wird

Am 8. Februar 2011 war es dann soweit, Facelift wurde gegründet, als „zu 100 Prozent auf Facebook spezialisiertes Technologieunternehmen“, wie die beiden Gründer betonen. Was mit Konzept-Slides begann, wurde über die Jahre zu einer Plattform für die Erstellung, Veröffentlichung, Moderation, Steuerung und Messung von Unternehmensaktionen und -Kampagnen auf Facebook ausgebaut. Heute hat Facelift fast 60 Mitarbeiter, Büros in Hamburg und Dubai und 500 Kunden. Darunter finden sich bekannte Namen wie Airberlin, Bayer, die Deutsche Bahn, O2/Telefonica oder Lidl.

Was die beiden Gründer mit dem frischen Kapital anfangen wollen, wie sie es geschafft haben, so lange ohne externes Geld zu wachsen und was sie jungen Gründern empfehlen, verraten sie im Interview:

Hallo Benjamin und Teja! 15 Millionen US-Dollar, Eure erste Finanzierung. Also erst mal Glückwunsch. Was macht ihr mit dem Geld?

Benjamin: Danke! Wir werden in allen Bereich massiv Mitarbeiter aufbauen, insbesondere in den Bereichen Sales und Entwicklung. Wir haben immer mehr global agierende Kunden und diesem Umstand wollen wir auch mit einem noch breiter aufgestellten Team sowie stärkeren Auslandsstandorten gerecht werden. Aber auch für den deutschen Süden denken wir über eine Niederlassung nach.

Bis jetzt habt ihr Facelift gebootstrapped…

Benjamin: Stimmt. Am Montag waren wir beim Notar, um die Finanzierung einzutragen. Bis dahin haben wir alle Rechnungen aus dem Cash-Flow bezahlt. Wir haben von Beginn an immer mehr Geld verdient, als wir ausgegeben haben.

Wie geht das?

Anzeige
Teja: Ganz am Anfang haben wir einen Studenten beauftragt, unsere Produktideen als Screens umzusetzen. Mit denen sind wir zu potenziellen Kunden gegangen. Das hat ganz gut funktioniert: Nach fünf bis sechs Terminen haben wir uns bestätigt gefühlt, dass unsere Vision aufgehen könnte. Den ersten Kunden hatten wir zwei Monate nach unserer Scouting-Tour. Im Vertrag stand Vorkasse und sechs Wochen Lieferzeit, so dass wir mit dem Geld die Programmierung anstoßen konnten. In der Zwischenzeit hatten zwei weitere Kunden zugesagt, so dass wir die von uns gebuchten Entwickler voll auslasten konnten.

Also die „Bill-Gates-Nummer“? Der hat ja auch zu Beginn etwas verkauft, das er noch gar nicht hatte…

Benjamin: Danke für die Blumen, aber ganz so ist es natürlich nicht. Eigentlich haben wir nur klassische Kaufmannstugenden umgesetzt: Mehr Geld einnehmen als ausgeben und investieren statt konsumieren. Aufgrund der Vertragsgrößen pro Kunde ist das insbesondere im B2B-Bereich ein gut gangbarer Weg.

Und das hat gereicht, um die Rechnungen zu bezahlen?

Teja: Benjamin und ich haben in der Anfangszeit kein Gehalt bekommen, wir haben – sparsam – aus unseren Ersparnissen gelebt. Bei jeder Entscheidung haben wir zudem überlegt: „Hilft es Kunden im Alltag? Hat es für Kunden einen finanziellen Wert? Können wir es verkaufen?“ Falls nicht, haben wir kein Geld in die Hand genommen. Das machen wir bis heute so.

Benjamin: Unser Konzept war von Anfang an, ein Produkt zu entwickeln, das wir sofort profitabel vermarkten können. Wir sind vom ersten Tag an aktiv auf Kunden zugegangen und haben damit genug Cash generiert, um weiter zu wachsen. Viele andere Unternehmen entwickeln erst einmal sechs bis zwölf Monate, bevor sie in den Verkauf gehen. Das muss natürlich vorfinanziert werden – und so geben viele Gründer zu schnell zu viele Anteile für zu wenig Geld weg.

Da kommt natürlich die Frage auf, warum ihr jetzt doch externes Kapital rein holt…

Benjamin: Das war natürlich keine Entscheidung, die wir über Nacht getroffen haben, von Beginn an haben wir immer wieder darüber nachgedacht. Zum einen haben wir jetzt jemanden gefunden, der uns trotz des Kapitals und der damit verbundenen Interessen nicht einschränkt.

Zum anderen sind wir jetzt mit rund 60 Mitarbeitern in mehreren Standorten an einem Punkt, an dem wir den nächsten Wachstumsschritt der Firma (zum Beispiel Verdopplung der Mitarbeiterzahl) nicht mehr allein aus dem Cash-Flow finanzieren können – zumindest nicht in dem Tempo, das uns vorschwebt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt in einem so jungen Markt, sich abzusetzen. Wir haben eine sehr gute Position, die wollen wir nun schnell weiter ausbauen.

…und dann auch gleich noch mit 15 Millionen Dollar eine stattliche Summe.

Teja: Wir wollten es einmal machen, aber dafür richtig. Viele Startups machen unserer Meinung nach den Fehler, dass sie „underfunded“ sind: In der Hoffnung, am Ende weniger Anteile abgeben zu müssen, werden viele kleine Finanzierungsrunden gemacht. Oder sie glauben, sie haben noch nicht die notwendige Glaubwürdigkeit für größere Runden. Das führt dann dazu, dass die Gründer pausenlos mit der Finanzierung beschäftigt sind und sich nicht um das Produkt und das Unternehmen kümmern können. Diesen Fehler wollten wir nicht machen. Wir sind jetzt zwar sogar ein wenig überfinanziert – haben dafür aber alle finanziellen Ressourcen, um die Company schnell wirklich groß zu machen.

Dafür aber auch recht großen Investoren-Druck…

Benjamin: Das ist zwar prinzipiell richtig, wer viel Geld zur Verfügung stellt, hat auch große Erwartungen. Es hängt aber sehr davon ab, wer investiert. Unser Geldgeber hat sehr viel Erfahrung in unterschiedlichen Industrien gesammelt – und weiß, dass künstlicher Druck kontraproduktiv für eine schnell wachsende Firma sein kann. Wir haben daher auch bewusst keine klassischen VC-Fonds als Gesellschafter genommen.

Wer sind Eure Wettbewerber?

Anzeige
Benjamin: In Europa ist das sehr überschaubar. Viele Anbieter von Social-Media-Tools sind kleine Firmen mit maximal 20 Mitarbeitern und meist nur einem Produkt. Kurzum: In Deutschland kennen wir derzeit kein Unternehmen von substanzieller Größe, das ein vergleichbares Angebot hat. In unserem Bereich der All-In-One-Plattformen sind unsere Marktbegleiter alles US-Firmen. Da gibt es im Wesentlichen Wildfire das von Google übernommen wurde oder der Salesforce, das Buddy Media gekauft hat. Adobe hat mit Social ebenfalls ein Angebot im Markt.

Und wie kommt Ihr gegen die an?

Benjamin: Wie oben erwähnt kommen alle ernstzunehmenden Anbieter einer vergleichbaren Lösung aus den USA. Die Abgrenzung zu uns ist da relativ einfach: Wir haben nicht für den US-Markt, sondern für Europa eine Lösung gebaut. Das bedeutet zum Beispiel maximale Flexibilität bei Sprachen, alle Daten werden in Deutschland gespeichert, wir sind ISO-zertifiziert und unser Support sitzt in der gleichen Zeitzone. Auch unser Pricing entspricht eher deutschen beziehungsweise europäischen Budgetlogiken. Im Ausland hilft uns zusätzlich, dass „Made in Germany“ immer noch einen sehr guten Ruf in der Welt hat.

Teja: Wobei wir uns auch auf der Produktseite nicht von den US-Wettbewerbern verstecken müssen. Ganz im Gegenteil! Viele unserer Kunden haben sich mehrere Lösungen angeschaut. Im Übrigen ist der Markt auch noch so schnell wachsend, dass längst noch kein Verdrängungswettbewerb herrscht.

Was sind Eure wichtigsten Tipps für Gründer?

Teja: Erstens: Fund yourself, das heißt etwas zu finden, das man von klein an mit eigenem Geld aufbauen kann. Außerdem: Wenn man zu früh einen Investor an Bord hat, verliert man die Agilität. Insbesondere in der Anfangsphase ist die aber sehr wichtig. Manchmal tendiert man, auch in Kleinigkeiten zu viel Herzblut rein zu stecken. Das ist aber nicht immer ratsam, denn es nimmt dann viel Zeit in Anspruch.

Benjamin: Zweitens: Schnell Dinge weiter delegieren. Das gehört ein wenig zu dem, was Teja sagt. Als Gründer sollte man den Fokus auf das Wesentliche nicht verlieren. Sonst wird man unnötig müde und langsam. Wenn das Konzept funktioniert, sollte man schnell Teams aufbauen. Drittens: Die richtigen Entwickler sind entscheidend beim Aufbau eines Tech-Unternehmens. Hier darf man keine Kompromisse machen und muss die guten Leute sofort an sich binden. Wer nur auf Freelancer setzt, hat schon verloren.

Teja: Viertens: Den B2B-Bereich nicht vernachlässigen. Er generiert schneller Income als der B2C-Bereich, denn man arbeitet direkt für Kunden. Hier hat man die Monetarisierung im ersten Schritt, im Consumer-Geschäft dauert das viel länger und ist damit mit höherem Risiko gehaftet. Es gibt inzwischen sogar Investoren, die nur noch in B2B investieren.

Benjamin, Teja: Danke für das Gespräch!

Bild: Facelift