factory berlin simon schaefer

Neuer Campus in Berlin: Mauerstreifen und Factory im Hintergrund

Nach mehr als zwei Jahren: Factory-Eröffnung am 11. Juni

Bei Spöttern galt die Factory, jener groß angekündigte und ziemlich gehypte neue Startup-Campus in Berlin, schon fast als eine Art zweiter BER. Im Vergleich zur Flughafen-Endlosbaustelle in Schönefeld sind die Bauzeitverzögerungen bei dem Startup-Bauprojekt zwar überschaubar. Trotzdem: Statt Ende 2012, wie Factory-Vordenker Simon Schaefer im Mai 2012 noch hoffte, oder im zweiten Quartal 2013, wie Schaefer im November 2012 plante, wird das Gebäude erst im Juni 2014 fertig.

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Die Gründe dafür sind vielfältig: Wie Schaefer erzählt, wurden bei den Bauarbeiten „Bunker und Granaten“ gefunden, was den Baufortschritt verlangsamt habe. Und ganz grundsätzlich habe man sich „das Schwierigste überhaupt vorgenommen“: nämlich einen Altbau um einen Neubau zu erweitern. 48 Stahlbetonträger seien „durchs ganze Haus gejagt“ worden, oben drauf setzt man noch einmal zwei Neubauetagen. „Das war schon echt sportlich“, kommentiert Schaefer.

Im Juni, spätestens Anfang Juli, sollen nun die letzten Mieter einziehen können. Dazu gehört auch das Berliner Vorzeige-Startup 6Wunderkinder, das bislang ein Ausweichquartier nebenan beziehen musste, in den zukünftigen Wohnungen für frisch zugezogene Startup-Mitarbeiter. Prominenteste Mieter neben den Wunderlist-Machern sind Mozilla und SoundCloud, dazu kommen Startups wie Toast, Ding Dong oder Merisier.

Die feierliche Eröffnung begeht die Factory schon am 11. Juni. Besonderes Highlight: Die Keynote wird Google-Chairman Eric Schmidt halten. Der Suchmaschinenkonzern ist schon seit einiger Zeit mit dem Berliner Coworking-Projekt verbandelt – über sein Entrepreneurs-Programm unterstützt Google den Campus.

Pläne für zweite Factory in der Schublade

Nach den mehr als zwei Jahren, die Schaefer und seine Investmentfirma JMES mit dem Factory-Bau verbracht haben, haben die Bauherren offensichtlich noch nicht die Nase voll vom Campus-Konzept: Es gebe Pläne für neue Factorys, bestätigt Schaefer. „Wir wollen mehr machen, auch in Berlin.“ Man eruiere zudem weitere Standorte in Europa.

In Berlin gebe es bereits konkrete Pläne für einen Factory-Außenposten – der genaue Standort sei allerdings noch offen. Ein Grund für die Expansion, so Schaefer, sei die überwältigende Nachfrage nach Büroraum in der ersten Factory, die den vorhandenen Platz von 16.000 Quadratmeter weit überschritten hätte. Der zweite Grund: Für die Entwicklung des Berliner Ökosystems sei es enorm wichtig, dass ähnliche Startup-Hubs entstünden. Das habe schließlich auch die McKinsey-Studie von 2013 gezeigt, die für den Berliner Senat zu einer Art Richtschnur der Startup-Politik geworden ist.

Schaefer will nicht ausschließen, dass sich an der Finanzierung des nächsten Projekts dann auch die öffentliche Hand beteiligt. Noch sei aber nichts unterschrieben, betont er. Und: Es gebe keinen Zeitdruck. Denn beim Bau habe er gelernt, dass man genug Luft lassen müsse. „Wir wollen die erste Factory erst einmal richtig zu Ende bringen.“

Bild: Gründerszene