Fairnopoly

Der Fairnopoly-Vorstand und -Aufsichtsrat bei der Arbeit

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind Fairnopoly, der Online-Marktplatz für alle. Mit Fairnopoly (www.fairnopoly.de) soll nachhaltiger Konsum gefördert und ein Teil zur Korruptionsbekämpfung beigetragen werden.

Als Online-Marktplatz richtet sich Fairnopoly an eine breite Zielgruppe: Private und gewerbliche Nutzer können generell alles anbieten, was legal ist. Statt sich auf eine Nische zu konzentrieren, wird der Handel mit fairen und gebrauchten Dingen gezielt gefördert. Dadurch sollen auch Menschen auf solche Artikel aufmerksam gemacht werden, die sich bisher noch nicht dafür interessieren.

Hinter jedem Erfolg steckt eine Vision. Wie seid Ihr auf Eure Idee gestoßen?

Felix Weth, der Ideengeber zu Fairnopoly sowie dessen Geschäftsführer, hat sich lange mit dem Thema der Intransparenz in Unternehmen beziehungsweise der Wirtschaft im Allgemeinen beschäftigt. Felix nahm viel an Konferenzen von Transparency International teil und reiste lange durch Afrika, in dem Willen, eine Doktorarbeit über das Thema zu schreiben.

Die ursprüngliche Idee von Fairnopoly war es, ein Unternehmen zu gründen, welches Gelder generiert mit denen ein Netzwerk aus Organisationen finanziert wird, was sich wiederum für Transparenz einsetzt – das sogenannte FAIR Future Network. Dieses Unternehmen ist Fairnopoly. Fairnopoly selbst basiert auch auf der Idee absoluter Transparenz und so versuchen wir aktiv unsere Erfolge und Probleme zu kommunizieren um so vertrauen zu schaffen.

Noch wichtiger als die Idee ist häufig das Team. Wer sind die Gründer, was habt Ihr vorher gemacht und wie habt Ihr zueinander gefunden?

Für ein Start-up haben wir ein sehr großes Team. Um den Ideengeber und Vorstandsmitglied Felix Weth scharen sich insgesamt fast 20 Teammitglieder. An dem langen Gründungs- und Findungsprozess haben immer wieder verschiedene Menschen mitgearbeitet. Einige sind dann wieder ausgestiegen, andere arbeiten nur noch vereinzelt an Fairnopoly mit.

Zu den frühsten Mitstreitern zählen Andreas Knöpfle, Tobias Schmid, Jonas Lumpe und Ernst Neumeister, die alle seit dem Sommer 2012 bei Fairnopoly mitarbeiten und auch immer noch dabei sind. Bastian Neumann und Anna Kress sitzen mit Felix Weth im Vorstand und sind ebenfalls seit 2012 dabei.

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Das frühe Team hat über Verteilerlisten und verschiedene Veranstaltungen, an denen Felix Weth teilgenommen hat, zueinander gefunden. Viele Teammitglieder wie Anne Schollmeyer, Bastian Neumann und Tobias Braun kamen von Asa zu Fairnopoly. Gemeinsam ist vielen Teammitgliedern ein Hintergrund in den Politik- und Wirtschaftswissenschaften sowie umfangreiche Erfahrung in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Erfahrung der Intransparenz in den Märkten Afrikas zählte zu den prägendsten Erfahrungen für Gründer Felix Weth.

Viele Gründungsideen sind nicht gänzlich neu. Was ist Euer USP und was macht Ihr anders als alle anderen?

Das Alleinstellungsmerkmal von Fairnopoly ist die Organisationsstruktur. Bei den bekannten Online-Marktplätzen handelt es sich zumeist um undurchsichtige Unternehmen, an denen die Nutzer selbst nicht mitbestimmen können. Fairnopoly als Genossenschaft aufzubauen garantiert den Investoren und Nutzern ein Mitspracherecht.

Hinzu kommen Aspekte wie die Spende mit jedem Einkauf (das „faire“ Prozent), die Förderung von nachhaltigem und verantwortungsvollem Konsum und das Versprechen der Transparenz.

Zum Business: Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell? Und wie groß ist das Marktpotenzial?

Fairnopoly bringt als Sozialunternehmen eine zentrale Stärke mit sich: Ein neuartiges Geschäftsmodell, das die „Genossenschaft 2.0“ mit einer konsequenten Einbindung vieler Interessierter (der „Crowd“) in die Unternehmens- und Produktentwicklung verbindet.

Fairnopoly ist Genossenschaft 2.0: Durch die Rechtsform „eingetragene Genossenschaft“ wird sichergestellt, dass das Unternehmen stets durch seine Beteiligten kontrolliert werden kann. Durch die geringe Anteilshöhe (à 50 Euro) und Online-Versammlungen wird einer breiten Zahl von Nutzern die Mitgliedschaft ermöglicht.

Fairnopoly zielt mit seinem breitenorientierten Marktplatzkonzept und dem beteiligungsorientierten Unternehmensmodell darauf ab, sowohl das allgemeine und das nischenspezifsche Wachstumspotenzial des Online-Handels zu nutzen. Die Verschiebung des Handels mit Waren und Dienstleistungen für den Endverbraucher auf das Internet ist zudem weit davon entfernt, ihren Höhepunkt erreicht zu haben.

Ideen umzusetzen kostet Geld. Wie finanziert Ihr Euch?

Wir finanzieren uns derzeit von den Einlagen unserer Genossenschaftsmitglieder. Anfang des Jahres 2012 haben wir eine große Crowdfunding-Kampagne auf die Beine gestellt, die uns über 200.000 Euro Startfinanzierung in Form von Genossenschaftseinlagen beschert hat. In der frühen Phase von Fairnopoly finanzierten wir uns ebenfalls über ein kleines Crowdfunding.

Bis Fairnopoly sich durch die Verkaufsprovision vom Marktplatz finanzieren kann, werden wir weiterhin auf Einlagen angewiesen sein. Eine neue Crowdfunding-Runde, um die Finanzierung für 2014 zu sichern, ist derzeit in Planung.

Gibt es etwas, das Euch noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Wir sitzen mit fast 20 Mitarbeitern in einem schönen Büro in Berlin Kreuzberg. Auf dieser Ebene sind wir also versorgt. Was uns derzeit fehlt, sind neue Genossenschaftsmitglieder, die an unsere Idee glauben und in die Fairnopoly eG mit Ihren Einlagen investieren.

Gibt es ein großes Vorbild für Euch?

Bastian Neumann: Es gibt viele Menschen, die mir imponieren. Ein sehr erfolgreicher Mensch ist für mich Mohammad Yunus zum Beispiel. Der es geschafft hat, mit seinen Mikrokrediten eine unkonventionelle Idee in den Mainstream zu führen. Fast jeder kennt mittlerweile die Idee hinter den Mikrokrediten und bringt sie als Erfolgsgeschichte mit einem der ärmsten Länder der Welt in Verbindung.

Stellt Euch vor, Ihr könntet ein Lunch gewinnen. Wen würdet ihr aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

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Bastian Neumann: Ich möchte keinen Lunch gewinnen, ich möchte, dass sich die interessanten Persönlichkeiten für uns interessieren. Wir könnten für wirklich interessierte Personen kochen und über Nachhaltigkeit und faires Wirtschaften sprechen. Die deutsche Startup-Branche ist im Bereich von Social Business und Entrepreneurship noch recht überschaubar und mit der konventionellen Startup-Branche haben wir nicht so viele Schnittmengen. Wir sind mit unserem Modell weit weg von Exit-Strategie-basierter Entwicklung.

Wo steht Ihr heute in einem Jahr?

Bastian Neumann: Wir sind die größte Online-Genossenschaft mit 4.000 Genossenschaftsmitgliedern, zirka 2,5 Millionen Euro Plattformumsatz, einer transparenten und zukunftsweisenden Spendenfunktion für gemeinnützige Organisationen und wir stehen damit kurz davor, Gewinne zu erwirtschaften.

Bild: Fairnopoly