Die Fairr.de-Gründer: Alexander Kihm (links), Ambros Gleißner und Jens Jennissen

„Wir streben nicht die Marktführerschaft an, so vermessen sind wir nicht“

Über das Berliner Portal Fairr.de kann man sich online um seine Altersvorsorge kümmern. Das Fintech-Startup ist selbst jedoch keine Bank, das Geld für den Riester-Vertrag „Fairriester“ wird über die Vermögensverwaltung der Partnerbank Sutor Bank angelegt. Fairr.de wurde im November 2013 von Jens Jennissen, Alexander Kihm und Ambros Gleißner gegründet, seit wenigen Wochen ist das Portal live. Im Interview mit Gründerszene erzählt Jens Jennissen, an wen sich der „Fairriester“ richtet – und weshalb er sich keine Sorgen wegen der großen Banken macht.

Euer Produkt heißt Fairriester. Was verbirgt sich dahinter?

Der Fairriester ist ein Altersvorsorge-Produkt auf Basis der staatlichen Riester-Vorsorge – nur dass es sich dabei eben um ein „modernes Riestern“ und eine komplette Online-Lösung handelt – genauer gesagt um einen Riester-Fondssparplan. Bei dem können die Kunden von kostengünstigen ETFs (Exchange Traded Funds) und staatlichen Zulagen und Steuervorteilen profitieren.

Vor allem wenn es um Geld geht, ist eine solche Online-Lösung aber doch sicher schwierig an den Mann zu bringen. Ich persönlich würde mir bei einem Thema wie Altersvorsorge eine intensive Beratung wünschen – stattdessen soll der Kunde das bei euch selbst in die Hand nehmen.

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Das ist zwar richtig, allerdings sprechen wir natürlich auch online-affine Menschen an, die sich ohnehin völlig selbstverständlich im Internet bewegen und informieren – ob es ums Schuhe kaufen oder Urlaub buchen geht. Warum sollten sich diese Leute also nicht auch online um ihre Altersvorsorge kümmern? Und wir sehen schon kurz nach unserem Start, dass Leute dies auch tun. Wir gehen auch davon aus, dass unsere Zielgruppe schon ein wenig weiß, was sie möchte und braucht. Trotzdem können sich unsere Kunden natürlich auch auf unseren Seiten umfangreich informieren und wir haben auch Beratungsfunktionen über Chat, Email und Hotline eingerichtet.

Darüber hinaus wollen wir zukünftig verstärkt auf unabhängige Berater setzen, die von uns keine Abschlussprovision erhalten, sondern vom Kunden als Honorarberater für die Beratung bezahlt werden – egal, ob und welches Produkt dann abgeschlossen wird. Wir vertrauen hier darauf, dass wir im unabhängigen Vergleich vorne liegen.

Und wodurch grenzt ihr euch von den herkömmlichen Riester-Angeboten der großen Banken ab? Die sind schließlich eure größten Konkurrenten am Markt.

Das stimmt. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken haben zum Beispiel 1,8 Millionen Riester-Kunden. Der Zielmarkt ist aber bei etwa 20 Millionen potenziellen Kunden sehr groß, da machen wir uns wenig Sorgen. Unsere Abgrenzung zu den großen Banken besteht vor allem in der großen Transparenz unseres Angebots und in den niedrigen Kosten. Das sind klare Vorteile für die Kunden. Außerdem hat unsere Zielgruppe keine Lust auf verkaufsgetriebene Beratungstermine, ihr fehlt der Draht zu herkömmlichen Anbietern. Wir holen sie da ab, wo sie ohnehin schon sind – online.

Apropos niedrige Kosten: Ihr werbt auf eurer Website mit den „wahrscheinlich niedrigsten Gebühren aller fondsbasierten Riester-Renten Deutschlands“ – zugleich versprecht ihr hohe Erträge. Wie geht das?

Wir haben alle unnötigen Kosten weggelassen, wie zum Beispiel die Abschlussprovision. Auf die entfallen bei anderen Anbietern schon einmal 3.000 Euro. Unsere Kostenbasis ist auch einfach niedriger, weil wir alles online machen.

Außerdem handelt es sich bei den Anlagen vor allem um ETFs, für die niedrigere Gebühren erhoben werden als für aktive gemanagte Fonds. Die Erkenntnis, dass das nachher trotzdem nicht weniger Rendite einbringt, sondern meist mehr, wird immerhin von den Nobelpreisträgern Eugene Fama und Robert Merton unterstützt.

Und euer Kosten- und Transparenzkonzept können die großen Banken nicht einfach so nachbauen?

Na, das ist wohl eher unwahrscheinlich (lacht)! Was die Kosten betrifft schon einmal deswegen, weil die Banken dann ja ihre provisionsabhängigen Berater entlassen müssten. Und wenn die großen deutschen Banken tatsächlich mit transparenten Produkten nachziehen würden, dann würde ich mich sogar freuen, dass unser Produkt dadurch zum Standard würde. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist auch ziemlich gering.

Eben deshalb haben wir das Produkt ja entwickelt: Der Riester an sich vom Staat ist gut gedacht, nur leider war er in der Vergangenheit von den Anbietern echt furchtbar umgesetzt. Das machen wir jetzt eben anders und besser.

Trotzdem müsst ihr ja erst einmal Vertrauen bei eurer Zielgruppe schaffen. Ihr prescht mit eurem Produkt da ja in einen Markt vor, der derzeit noch sehr stark von traditionellen Produkten und den großen Banken dominiert wird. Wie positioniert ihr euch?

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Spätestens seit 2008 stehen die großen Banken ja nicht mehr unbedingt für Sicherheit und Vertrauen – gerade die Großen sind damals umgefallen. Es ist aber richtig, dass es sicher Zeit brauchen wird, das entsprechende Vertrauen zu schaffen. Ein ganz wesentlicher Faktor ist dabei unsere große Transparenz – wir wollen Vertrauen gewinnen durch Offenlegung.

Dabei hilft außerdem unsere Partnerschaft mit der Sutor Bank, die das Geld unserer Kunden durch ihre Vermögensverwaltung anlegt. Die Partnerschaft sendet auch das Signal, dass wir nicht einfach ein kleines Online-Startup sind, sondern dass wir eine solide Bank als Partner haben. Zudem haben wir bei Fairr.de zu keiner Zeit Zugriff auf das angelegte Geld unserer Kunden. Die Fonds im Depot bleiben Eigentum des Kunden.

Wie sieht es davon abgesehen mit dem Risiko für den potenziellen Anleger aus?

In den ersten Jahren hat unser Produkt einen höheren Aktienanteil, in späteren Jahren wird das zunehmend in risikoärmere Anleihenfonds umgeschichtet. Aber damit wir uns überhaupt als Riester bezeichnen dürfen, gibt es klare Vorgaben vom Gesetzgeber. Durch die damit verbundene Beitragsgarantie trägt die Bank das Restrisiko, dass am Ende der Beitragsphase weniger als die eingezahlten Beiträge vorhanden ist. Der Anleger bekommt also in jedem Fall wenigstens das Geld wieder, das er über uns angelegt hat.

Und was springt am Ende für euch dabei raus? Wie verdient ihr Geld?

Wir bekommen eine jährliche Gebühr auf das über uns angelegte Vermögen. Der Kunde zahlt prozentual weniger, wenn er sich mehr um seine Vorsorge kümmert: Bei einem Depotstand bis 5.000 Euro sind das zwei Prozent pro Jahr, bis 10.000 Euro beträgt die Gebühr ein Prozent und bei einem Depotstand über 10.000 Euro sind es 0,5 Prozent. Fünfzig Prozent dieser Gebühr gehen an die Sutor Bank, die andere Hälfte bekommen wir.

Ihr seid ja erst vor wenigen Wochen offiziell mit dem Fairriester gestartet – wie seid ihr bisher finanziert?

Wir haben Anfang des Jahres eine Finanzierungsrunde gemacht und schließen gerade eine Anschlussrunde ab.

Und was sind eure nächsten Schritte und Ziele?

Wir streben nicht die Marktführerschaft an, so vermessen sind wir nicht! Aber wir wollen modernen, aufgeklärten Kunden zu einer kostengünstigen Altersvorsorge verhelfen und den Markt ein ganzes Stück transparenter machen. Wir arbeiten derzeit an neuen Tools, um es den Nutzern noch bequemer zu gestalten, sich zu informieren. Auch möchten wir verstärkt an der öffentlichen Diskussion zur Gebührentransparenz teilnehmen und uns hier klar positionieren.

Bild: Fairr.de