familo familonet

Airbnb brauchte einst knapp vier Jahre dafür: um jenen Punkt zu erreichen, an dem die Wachstumskurve nach oben abknickt, einem Hockey-Schläger gleich. Der „Hockey Stick“ ist unter Gründern so etwas wie der heilige Gral, wer ihn hinkriegt, hat sich ein Raketen-Wachstum gesichert, der Erfolg scheint nicht mehr zu nehmen.

Airbnb zählte beim „Knick“ im Jahr 2012 fünf Millionen Übernachtungen seit Gründung, allein 2015 sollen es bereits 80 Millionen gewesen sein. Von solchen Zahlen ist Familo noch weit entfernt. Trotzdem darf das Hamburger App-Startup (ein Dutzend Mitarbeiter) auf eine Gemeinsamkeit mit dem legendären Wohnungsvermittler (über 2.000 Angestellte) verweisen: Auch Familo hat den „Hockey Stick“ geschafft.

Familo, im Herbst 2012 von Hauke WindmüllerMichael Asshauer und David Nellessen unter dem ursprünglichen Namen Familonet gegründet und ein Jahr später gelauncht, hat sich im vergangenen Jahr an die internationale Expansion seiner Social-Networking-App gemacht. Vor allem in den Schwellenländern Brasilien und Türkei klappte das besonders gut, erzählte CEO Hauke Windmüller im vergangenen März bei der Bekanntgabe der Serie A.

Damals war das Startup gerade bei 350.000 registrierten Nutzern angelangt – nun hat Familo die Millionengrenze durchbrochen. Für Gründerszene war das Grund genug, mit Hauke Windmüller über die Entwicklung der letzten Monate zu sprechen.

Hauke, Eure Wachstumskurve sieht wirklich aus wie der berühmte „Hockey Stick“. Wie habt Ihr das geschafft? Was ist an dem Punkt passiert, an dem die Kurve nach oben abknickt?

Nachdem wir uns im ersten Jahr hauptsächlich auf unser Produkt konzentriert haben, fokussieren wir uns seitdem auf das Wachstum, weil wir recht schnell gemerkt haben, dass Familo ein riesiges globales Potential hat. Über die App-Stores können wir viele Millionen Smartphone-Nutzer erreichen und sind mit unserem Produkt nicht abhängig von klassischen Netzeffekten wie andere soziale Netzwerke. So schnell wie möglich zu internationalisieren war deshalb die logische Konsequenz. Seitdem haben wir die Reichweite in unserer Zielgruppe um ein Vielfaches erweitert – damit kam das starke Nutzerwachstum.

Anzeige
Inzwischen seid Ihr bei elf Ländern angelangt. Wie seid Ihr da vorgegangen? Wie erobert Ihr einen neuen Auslandsmarkt?

Nach einer umfangreichen Marktanalyse haben wir uns zunächst für Brasilien und Türkei als erste Testmärkte entschieden. Auf Performance-Marketing-Kanälen wie Facebook-Ads haben wir konzentrierte Kampagnen gestartet, um in den App-Stores in den sichtbaren Bereich zu gelangen und damit das organische Wachstum anzustoßen. Auch heute noch haben wir über 80 Prozent organisches Nutzerwachstum. Nach dem großen Erfolg in Brasilien sind wir schrittweise in weiteren Ländern gestartet, jedes Mal nach einem ähnlichen Schema. Unsere wichtigsten Märkte sind aktuell Deutschland, Brasilien, Türkei, USA, Indien und Indonesien.

Was ist Deine Prognose: Wie geht das Wachstum bei Euch weiter? Was sind Eure nächsten Schritte?

Im November letzten Jahres haben wir ein großes Produkt-Update gemacht – wir haben über die Zeit festgestellt, dass nicht nur Familien, sondern auch Paare, WGs und andere Kleingruppen unsere App nutzen. Man kann nun mehrere Gruppen in der App anlegen, wodurch die ganze App nochmal viraler geworden ist. Diese Zielgruppenerweiterung werden wir 2016 weiter ausbauen und dafür auch neue Funktionen entwickeln.

Hast Du Tipps für andere Gründer, wie sie mit ihrem Produkt auch eine solche Kurve hinbekommen können?

Der Startup- oder Unternehmens-Lifecycle hat sich über die letzten Jahre stark geändert. War die Internationalisierung früher eher Teil der Langzeitstrategie, so kann sie heute von Tag eins an mitbedacht und umgesetzt werden. Falls das Produkt gewisse Rahmenbedingungen erfüllt – neben Skalierbarkeit zum Beispiel auch, dass wenige bis keine kulturellen oder geografischen Anpassungen notwendig sind, dass erprobte Marketing-Kanäle genutzt werden, die auch im Ausland funktionieren etc. –, dann steht einer schnellen Internationalisierung nichts im Wege.

Bild: Getty / Glowimages