Stadion Old Trafford in Manchester: Nirgendwo sind Fußballtickets so teuer wie in der Premier League

Studien sind ein beliebtes Marketing-Instrument für Unternehmen. Das liegt daran, dass Medien häufig darauf anspringen und die Ergebnisse als Themenidee aufgreifen. Es führt aber auch dazu, dass Journalisten tagtäglich mit Studien bombardiert werden – die leider meistens reichlich dröge sind. Viele dieser Studien versanden daher in den Postfächern der Redakteure.

Es geht aber auch anders. Dass man mit der Methode richtig Wellen schlagen kann, haben gerade zwei Berliner Startups bewiesen: die Reisesuchmaschine GoEuro und die Fußball-App Onefootball (ehemals iLiga).

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Gemeinsam hatten die beiden Unternehmen einen internationalen Fußball-Preisindex angefertigt. 25 Ligen auf der ganzen Welt nahmen sie dafür unter die Lupe, errechneten die durchschnittlichen Ticketpreise und rankten anschließend die Ländern einmal im Bezug auf die absoluten Preise und einmal hinsichtlich der Frage, wo Fans das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bekommen. In der zweiten Kategorie schneidet die deutsche Bundesliga nicht schlecht ab, sie ist nur die zehntteuerste Liga unter den 25 untersuchten.

Am meisten kosten Eintrittskarten in der britischen Premier League. Was dazu führe, so die Studienautoren, dass um die 2.000 britische Fußballfans jede Woche nach Deutschland reisen würden, um sich Bundesligaspiele anzusehen: Fahrt- und Eintrittskosten seien im Vergleich immer noch billiger, als sich ein Ticket für ein Spiel der heimischen Liga zu kaufen.

Das sind schon ziemlich interessante Ergebnisse, vor allem im Vergleich zu dem, was sonst so in derartigen Studien herausgefunden wird. Doch was dann passierte, war wohl selbst von den beiden Startups nicht abzusehen: Innerhalb von wenigen Tagen erreichten GoEuro und Onefootball ein riesiges Medienecho, vor allem in Großbritannien – und lösten dort sogar Proteste unter Fußballfans aus.

Am 23. September wurde die Pressemitteilung verschickt. Und es berichteten: die BBC, der Guardian, der Daily Mirror, die Daily Mail, CNBCQuartz – die Liste ließe sich noch lange fortführen. Fast 600 Veröffentlichungen zählte GoEuro am Donnerstag, etwas mehr als eine Woche nach dem Versand der Studie.

Unter Fans der englischen Premier League sind die hohen Ticketpreise schon lange Gesprächsthema. Doch offenbar brachte erst die Studie aus Berlin das Fass zum Überlaufen. Gegen den durchschnittlichen Ticketpreis von etwa 54 Pfund (entspricht 74 Euro) wollen sich Fans am Wochenende mit Massenprotesten wehren. Sie fordern, Auswärtstickets auf maximal 20 Pfund pro Karte zu begrenzen.

„In den letzten 25 Jahren ist Geld in den Fußball geflossen und hat Spieler, Clubbesitzer, Manager und Spielervermittler reich gemacht“, beschwert sich ein Sprecher der Football Supporters’ Federation gegenüber der Daily Mail. „Wir finden, dass die Zeit gekommen ist, um Fans auch etwas davon zu geben, durch reduzierte Ticketpreise.“

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Für den kommenden Spieltag planen die Fans ein „National Weekend of Action“. Auf Twitter trendet bereits der Hashtag #TwentysPlenty, bei vielen Spielen dürften Banner gezeigt werden oder Fans sich sogar für einige Minuten mit dem Rücken zum Spiel stellen.

Dann wird zwar wahrscheinlich keiner mehr über die beiden Startups hinter der Studie sprechen. Gelohnt hat es sich für die beiden Unternehmen aber auf jeden Fall: 20 Prozent mehr Downloads habe die Onefootball-App verzeichnet, sagt CMO Benjamin Reininger gegenüber Gründerszene; bei GoEuro brachte die Studie 50.000 neue Besucher, so PR-Chef Pablo Martinez. Dafür habe man aber auch investiert: Über 300 Stunden saßen die beiden Teams an der Vorbereitung der Studie.


Tipp: Ein Blick ins Berliner Onefootball-Büro

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Onefootball ist im April 2014 in die Greifswalder Str. 212 in Berlin gezogen. Am Empfang im 3. OG hängen zwei Bildschirme, die Fußball-Videos zeigen.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Paolo Camera