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Ein Beitrag von Jörg Binnenbrücker, Gründer des Risikokapitalgebers Capnamic Ventures. 

Wir werden häufig gefragt, was die größten Fehler von Startups sind. Daher haben wir die Top 10 der häufigsten „No-Gos“ zu Papier gebracht, die man als Gründer unbedingt vermeiden sollte:

1. Den Tunnelblick haben

Es geht meistens schief, wenn Startups so sehr auf ihre ursprüngliche Idee fixiert sind, dass sie alles um sich herum ausblenden. Wir erleben häufig, dass Gründer so tief in ihrem eigenen Business stecken, dass sie Feedback von außen komplett ignorieren. Gerade in der Anfangsphase ist es aber unverzichtbar, andere Perspektiven einzunehmen und auch kritische Stimmen zu hören. Denn die eigene Idee gegen alle guten Einwände durchzuboxen, führt meist zu einem Geschäftsmodell, das der Realität nicht standhält.

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2. Den Cash Flow ignorieren

Immer wieder gibt es Businesspläne, die kein Wort über den erwarteten Cash Flow verlieren. Dabei heißt es nicht umsonst: „Cash Flow is more important than your mother!“ Es ist schön und gut, dass Startups ihre Umsatz- und Wachstumsziele stets vor Augen haben. Aber ohne eine detaillierte Cash-Flow-Planung ist das nur die halbe Miete. Wie sonst soll ein Investor überzeugt werden, dass das Unternehmen sein Working Capital im Griff hat und nicht plötzlich Liquidität leckt?

3. Nicht die eigenen Metriken kennen

Häufig unterschätzen Startups, wie wichtig Margen und Deckungsbeiträge für Investoren sind. Ein Startup sollte genau wissen, wie viel es pro Kunde ausgeben kann und ab wann sich ein Kunde rechnen muss. Die Erfolgsformel für nachhaltiges Wirtschaften heißt nach wie vor: Customer Lifetime Value (CLV) > Customer Acquisition Cost (CAC). Beispiel E-Commerce: Anfangs müssen Online-Händler neben diversen Fixkosten hohe Marketingausgaben einplanen, so dass die Einnahmen unter den Ausgaben liegen. Wenn das Geschäftskonzept am Markt ankommt und die Kundenbindung zunimmt, dreht sich das Verhältnis. Investoren interessiert, wann dieser Zeitpunkt zu erreichen ist. Daher sollten Gründer gut vorbereitet in Pitches gehen und Größen wie den Customer-Lifetime-Value plausibel darlegen können.

4. In den Entspannungsmodus fallen

Es reicht nicht aus, nur in der Seed-Phase nach außen zu gehen und die Idee so intensiv wie möglich zu testen. Startups müssen kontinuierlich Feedback vom Kunden einholen und das Produkt weiterentwickeln. Dazu empfiehlt es sich, Hypothesen zu bilden und zu prüfen, ob sich die eigenen Annahmen mit den Anforderungen des Marktes decken. Getreu dem Motto „Build, Measure, Learn, Repeat“ lässt sich anhand kurzer Iterationsschritte frühzeitig sicherstellen, dass das Produkt oder die Dienstleistung die Bedürfnisse des Marktes auch erfüllt und nachhaltig erfolgreich sein kann.

5. Falsche Prioritäten setzen

Es ist ein schmaler Grad: Gerade junge Unternehmen sollten besonders auf die Wünsche von ersten, mühsam gewonnenen Schlüsselkunden eingehen. Gleichzeitig darf die Umsetzung der eigenen Idee nicht aus den Augen verloren werden. Wir erleben oft, dass sich junge Unternehmen zu stark von einzelnen Kunden einspannen lassen und aus einem eigentlich skalierbaren Geschäftsmodell eine auf einzelne Kunden zugeschnittene Dienstleistung wird. Das ist zwar nicht unbedingt schlecht, mittelfristig limitiert das Unternehmen aber so sein Wachstumspotential und verdirbt sich Chancen auf eine VC-Finanzierung.

6. Den Fokus verlieren

Man kann eine gute Idee auch überstrapazieren. Gerade in der Anfangsphase besteht die Gefahr, sich an zu vielen Eisen im Feuer zu verbrennen. Auf Biegen und Brechen eine Idee weiterzuentwickeln und sich im Detail und in Zukunftsmusik zu verlieren, ist in der Gründerszene durchaus verbreitet. Startups sollten sich vor allem zu Beginn auf die grundsätzliche Idee fokussieren und diese nach dem Motto „mit dem geringsten Aufwand die größte Wirkung erzielen“ optimieren. So bewahren sie den Überblick und schonen ihre meist begrenzten Ressourcen.

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7. Recruiting auf die leichte Schulter nehmen

Beim Teamaufbau dürfen keine Kompromisse gemacht werden. Auch wenn es wie ein alter Hut klingt: Mitarbeiter sind gerade bei Startups eine der wichtigsten Ressourcen. Wer sich auf der Suche nach den „Richtigen“ von Bequemlichkeit, Freund- und Verwandtschaften oder Zeit- und Budgetmangel leiten lässt, riskiert daher nicht nur den Teamgeist. Das Team sollte in erster Linie nach Kompetenzen und Fähigkeiten besetzt werden. Ziel ist es, eine Mannschaft aufzustellen, die sich in ihren Talenten ergänzt.

8. Regieren statt delegieren

In jedem Startup steckt eine Menge Herzblut. Das „Baby“ auch mal aus der Hand zu geben, fällt da nicht leicht. So viel wie möglich selbst machen zu wollen, darf aber nicht in Kontrollwut ausarten. Gerade in einer Phase, in der das Unternehmen schnell wächst und Aufgabenbereiche vielfältiger werden, sollten Gründer sich nicht verzetteln. Sie sollten stattdessen gezielt delegieren und auf die eigene Mannschaft vertrauen. Voraussetzung: Die Gründer haben ihren eigenen Job richtig gemacht und ein entsprechendes Team aufgebaut.

9. Schlechtes Zeitmanagement

Viele Gründer unterschätzen, wie zeitaufwendig das Fundraising oder die Kundengewinnung sind. Auch unter günstigsten Bedingungen braucht es schlicht und einfach Zeit, eine effektive Vertriebsstruktur aufzubauen und die dafür nötigen Gelder einzuholen. Insbesondere im B2B-Vertrieb ist mit langen Verkaufszyklen von bis zu einem Jahr und mehr zu rechnen. Ungeduld ist hier ein schlechter Ratgeber. Wer überambitioniert plant, muss häufig den ursprünglichen Zeitplan über den Haufen werfen und die selbstgesteckten Ziele nach hinten verschieben. Das kann Gründern schnell den Wind aus den Segeln nehmen.

10. Fehler wiederholen

Schlaue Meinungen und Ratschläge kommen von allen Seiten, wenn man in den Kinderschuhen steckt. Viele scheinen alles besser zu wissen. Hier ist es wichtig, auf Experten zu vertrauen. Warum nicht proaktiv werden und sich Rat bei Mentoren seiner Wahl suchen? So können junge Unternehmer von erfahrenen Leuten lernen und mögliche Fehler vermeiden. Wer ein gutes Netzwerk hat, sollte dieses nutzen. Andere sollten Zeit in den Aufbau ihrer „Verdrahtung“ investieren.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog von Capnamic Ventures.

Bild: © panthermedia.net / Shao-Chun Wang