Femna Gruenderinnen

Emily Casey und Maxie Matthiessen

„Wir wollen Heilkräuter für Frauen sexy machen“, fasst Maxie Matthiessen ihre Vision zusammen. Die 31-Jährige ist Gründerin des neuen Onlineshops Femna, der Produkte aus natürlichen Inhaltsstoffen und Heilkräutern vertreibt. Zur Zielgruppe zählen ausschließlich Frauen.

Neben Kosmetikprodukten hat das Startup verschiedene Tees im Angebot: Zwanzig Sorten sind es insgesamt. Sie sollen gegen zahlreiche Beschwerden und Krankheiten von Frauen unterschiedlichsten Alters helfen – beispielsweise bei Hitzewallungen in den Wechseljahren, gegen Blasenentzündungen oder gegen Schmerzen bei der Menstruation. Ein Tee namens „Come baby come“ soll gar mehr Fruchtbarkeit und eine schnelle Schwangerschaft bringen.

Für einige unsere Leser dürften diese Produkte nun nach den typischen Placebo-Mittelchen klingen, die große Wirkungen prophezeien, aber höchstens Menschen helfen, die auch an Homöopathie glauben. Doch Maxie Matthiessen, die selbst aus einer Ärztefamilie kommt, sieht es anders. „Laut der WHO behandeln sich 80 Prozent der Weltbevölkerung mit Heilkräutern selbst. Nehmen wir Salbei als Beispiel, das schlucken viele Menschen als Bonbon, wenn sie eine Erkältung haben“, sagt die Unternehmerin. Für sie ist der Markt für Kräuter, deren Anwendung bestimmte Krankheiten oder Symptome heilen können, dementsprechend groß.

Allerdings sei das Wissen über Frauenkräuter in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend verschwunden, beklagt sie sich. „Seit den 60er Jahren ist es üblich, Krankheiten mit Hormonen zu behandeln und bei verschiedensten Symptomen einfach die Pille zu verschreiben.“ Laut der Gründerin ändert sich das nun, weil Nebenwirkungen der Pille bekannt werden und viele Menschen auf natürliche Mittel setzen. 1,6 Milliarden Euro ist der Markt für Kräuter, die bei Krankheiten von Frauen helfen, ihrer Recherche nach groß. Es sei verwunderlich, dass es bisher keinen großen Online-Shop für diesen Bereich gebe, so Matthiessen.

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 Die Gründerin hat schon ein Startup groß gemacht

Dass Maxie Matthiessen ein Händchen für Frauenthemen hat, hat die 31-Jährige bereits mit ihrem ersten Startup namens Rubycup bewiesen. Der Rubycup wird, sehr uneitel, als Menstruationstasse bezeichnet, die als wiederverwendbare Alternative für Tampons oder Damenbinden genutzt werden kann. Hunderttausende Frauen weltweit zählen zu den Kundinnen. Sie haben beispielsweise Probleme bei der Verwendung herkömmlicher Hygieneartikel oder ihnen fehlt der Zugriff oder das nötige Geld für alternative Produkte.

Im Januar 2016 stieg Matthiessen als Geschäftsführerin bei Rubycup aus, ihre Anteile hält sie aber noch immer. Heute sei Rubycup profitabel, der Umsatz liege im siebenstelligen Bereich, sagt die ausgebildete BWLerin. Mit Femna will sie nun Produkte „für alle Frauen, in jeder Lebensphase“ anbieten, wie sie sagt. „Der Markt der Frauenkräuter ist bisher nicht sehr digital und absolut unsexy, die wenigen vorhandenen Online-Shops sind grauenhaft.“

Gemeinsam mit Emily Casey gründete sie im Juni 2016 das Unternehmen – und entwickelte mit mehreren Experten, darunter eine Apothekerin, Frauenärztin und Fachfrau für Heilkräuter, die verschiedenen Teesorten. Hergestellt werden sie in einer Teemanufaktur nahe Berlin.

Was sagen Frauenärzte zu der Idee von Femna?

Stutzig macht es dennoch, wenn ein Startup verspricht, mit seinen Tees teils schwerwiegende Symptome zu lindern – zumal nur wenige Informationen zu den Produkten auf der Seite zu finden sind. Wir fragen beim Bundesverband der Frauenärzte nach, was sie von Femna halten. „Es sind eher Tees zum Unterstützen der Körperfunktionen wie zum Beispiel Durchspülung der Blase, was ja grundsätzlich nicht verkehrt ist und sicher besser als vieles anderes, was so in Drogeriemärkten in Beuteltees und Instantees zu finden ist“, schreibt uns Dorothee Struck, Frauenärztin aus Kiel. Sie stört sich aber daran, dass auf der Seite kein Hinweis auf die Qualität der Pflanzen zu finden ist – und dass es dort keine Anleitung dafür gibt, wie der Tee richtig zubereitet wird.

Frauenarzt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, warnt: „Falls in einer akuten Situation eine Selbstbehandlung zum Beispiel mit einem Kräutertee versucht wird, sollten die Pflanzen dort, bespielsweise in einer Apotheke, gekauft werden, wo sichergestellt ist, dass vom Anbau über Ernte bis zur Lagerung einheitliche, hohe Standards eingehalten werden, so dass der Wirkstoffgehalt möglichst erhalten bleibt.“

„Es stimmt, dass auf der Webseite noch einige Informationen fehlen“, gibt Matthiessen zu. „Wir sind ja erst seit zwei Monaten online, viele Änderungen werden noch kommen.“ Auch jetzt schon hätten die Kräuter in den Tees die höchste Qualität und seien größtenteils bio. „Aber natürlich verkaufen wir kein offizielles Arzneimittel und wir dürfen auch keine Heilversprechen machen.“ Die Gründerin verweist auf Studien, die belegen, dass bestimmte Kräuter bei Krankheiten helfen. Als Beispiel nennt sie Hirtentäschelkraut, das blutstillend wirke und so Frauen helfe, die während ihrer Menstruation zu viel Blut verlieren. „Ich bin nicht pharmakritisch, aber ich glaube, Kräuter sind ein gutes Mittel für bestimmte Symptome.“

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In drei bis fünf Jahren soll Femna mehrere Millionen umsetzen

Mitte Oktober bis Mitte November lief über vier Woche die erste Testphase für den Webshop, Kundinnen konnten die gewünschten Produkte vorbestellen: „Das Feedback war erstaunlich gut, mehrere Händler sind auf uns zugekommen“, so die Femna-Macherin. Seit mehreren Wochen ist der Shop mit rund 50 Produkten live.

„Wir wollen die führende Plattform für natürliche Frauenprodukte in Europa werden“, sagt die Gründerin. In drei bis fünf Jahren werde Femna einen achtstelligen Umsatz machen, prognostiziert die Gründerin. Im kommenden Jahr möchte sie sich auf Produkte für Schwangere fokussieren und Investoren an Bord holen: „Der Markt ist riesig, da gibt es so viel zu tun.“

Bild: Femna