Ferratum Jorma Jokela

Ferratum-CEO Jorma Jokela will schneller und mobiler sein als die Konkurrenz

Ferratum: Erfolg mit Banklizenz?

Kreditech, Auxmoney, Vexcash oder Lendico – eine ganze Reihe von Jungunternehmen will mit unterschiedlichen Mikrokredite-Konzepten die Kreditwirtschaft gründlich auf den Kopf stellen. Nun folgt der erste IPO: Seit heute wird die Aktie des aus Finnland stammenden Kleinkreditanbieters Ferratum am Prime Standard der Frankfurter Börse gehandelt. Über das auch in Deutschland aktive Unternehmen können Kredite von 25 Euro bis 2.000 Euro via Smartphone oder Internet beantragt werden. Außerdem bietet das Unternehmen Online-Bezahldienste für Händler an.

Sämtliche gut 6,5 Millionen Aktien seien platziert worden, teilte das Unternehmen zuvor mit. Mit einem Ausgabepreis von 17 Euro wurden die Titel am oberen Ende der von 15 bis 18 Euro reichenden Preisspanne zugeteilt. Der Erstkurs lag bei 17,50 Euro – damit notiert die Ferratum-Aktie wenige Stunden nach dem IPO rund sieben Prozent über dem Ausgabepreis. Insgesamt ergibt sich somit ein Börsengang-Volumen von rund 110,8 Millionen Euro.

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Von den im Rahmen des IPO angebotenen Aktien kamen 850.000 aus einer Mehrzuteilungsoption. Weitere 2,83 Millionen Aktien stammten aus einer Kapitalerhöhung, der Erlös aus dem Verkauf dieser Papiere fließt an Ferratum. Die restlichen Anteile entstammen dem Besitz der Altaktionäre des 2005 in Helsinki gestarteten Unternehmens.

Im Börsenprokspekt verrät Ferratum auch einige Geschäftszahlen. So wird für die ersten neun Monate des vergangenen Jahres ein Periodenergebnis von 4,6 Millionen Euro ausgewiesen, ein Anstieg von rund einem Drittel zum Vorjahreswert. Interessant dabei: Einem Gesamtumsatz von 49,4 Millionen Euro stehen Kreditausfälle von 14,2 Millionen Euro gegenüber – wobei sich letztere im Verhältnis zum Vorjahr verringerten.

Zweiter IPO-Anlauf

Ursprünglich hatte Ferratum schon Ende vorigen Jahres den Schritt an die Börse wagen wollen. Dann wurde das Vorhaben aber von der finnischen Börsenaufsicht gestoppt, weil diese unter anderem noch Fragen zum Geschäftsmodell hatte.

Wie der große deutsche Wettbewerber Kreditech soll eine eigene Scoring-Software die Prüfung bei der Kreditvergabe erleichtern: Die Verarbeitung und Analyse zahlreicher Kundendaten nennt Ferratum als entscheidendes Standbein. Im Oktober 2013 hatte Ferratum einen Bond über 25 Millionen Euro ausgegeben, um mehr Geld zum Verleih zur Verfügung zu haben. Seit Anfang 2014 betreibt das Unternehmen sein Angebot hierzulande auch aktiv. Zum Vergleich: Der hiesige Wettberwerber Kreditech hatte zuletzt 200 Millionen Euro Fremdkapital aufgenommen.

Insgesamt sei Ferratum in 20 Ländern operativ tätig, heißt es von dem Unternehmen, derzeit beschäftige man mehr als 350 Mitarbeiter. Am Stichtag, dem 31. Dezember 2014, verwies Ferratum auf eine Million Kunden, die in der Vergangenheit einen oder mehrere Kredite erhalten haben. „Insbesondere aufgrund unserer EU-Banklizenz sind wir unserer Ansicht nach im Zeitalter der digitalen Revolution im Bankensektor hervorragend aufgestellt, um uns international als eine Mobile Bank zu etablieren“, so Ferratum CEO Jorma Jokela.

Bild: Ferratum