Michael-Bruck-Chocri

Chocri-Gründer Michael Bruck

Das Startup und das Traditionsunternehmen

Schokolade zu verkaufen kann sich sehr unterschiedlich gestalten. Das Berliner Startup Chocri vertreibt individualisierte Leckereien. Auch das traditionsreiche Familienunternehmen Riegelein ist im Schoko-Geschäft. Doch jenseits davon bewegen sich die beiden Unternehmen in völlig verschiedenen Welten: das eine seit 1953 im Einzelhandel, das andere seit 2008 im E-Commerce.

Im Oktober 2014 übernahm Riegelein zwei Drittel der Unternehmensanteile von Chocri. Die hatten vorher Ritter Sport und Mitgründer Franz Duge gehalten. Im Interview spricht Chocri-Gründer Michael Bruck darüber, welche Learnings er sich trotz beziehungsweise gerade wegen der Gegensätze der beiden Schokoladen-Confiserien erhofft – und weshalb er im Gegensatz zu seinem Mitgründer Duge keinen Exit machen möchte.

Micha, Euer ehemaliger Investor Ritter Sport und Dein Mitgründer Franz Duge haben ihre Anteile – jweils ein Drittel – an Riegelein abgegeben. Welchen Grund gab es für die Übernahme?

Franz ist bereits vor anderthalb Jahren aus der Geschäftsführung bei Chocri ausgestiegen und hat ein neues Unternehmen gegründet, PresentHub. Dem kann er er sich jetzt voll widmen.

Und Ritter Sport?

Da müsst Ihr Ritter Sport fragen.

Wie hoch war denn der Kaufpreis?

Den kann ich nicht nennen, dazu haben wir Stillschweigen vereinbart.

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Abgesehen von der Schokolade – wie passt Chocri als Startup mit dem über 50 Jahre alten Traditionsunternehmen Riegelein zusammen?

Gegensätze ziehen sich an! [lacht] Nein, also im Ernst. Achtzig Prozent der Entscheidung liegen in dem Vertrauen begründet, das wir Riegelein entgegenbringen. Wir wollten keinen reinen Finanzinvestor, das wäre für Chocri nicht gut gewesen. Wir streben ein langfristiges und nachhaltiges Wachstum an. Ein Familienunternehmen wie Riegelein war daher unser Wunschpartner.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Chocri-Gründer Michael Bruck: „Ich möchte das Internet nicht mehr losgelöst von der Offline-Welt betrachten“

Was hast Du für Erwartungen, wie profitiert Chocri von der Übernahme?

Es gab dazu schon den ersten Austausch. Wir haben belustigt festgestellt, dass hier zwei in den jeweils anderen Bereich wollen. Wir wollen in den Einzelhandel und Riegelein will in den Online-Markt. Man will eben immer das, was man noch nicht hat. Das sind aber völlig andere Welten, da können wir gegenseitig viel voneinander lernen.

Was zum Beispiel?

Naja, Riegelein liefert in aller Herren Länder, sie haben ein riesiges Sortiment und unglaublich viel Erfahrung, da erhoffe ich mir eine Menge Know-how bezüglich Produktion und Einzelhandel. Außerdem profitieren wir auch von ihrem bedachten Vorgehen. Ich sage immer, Online-Jahre sind Hundejahre mal sieben. Wir sind sozusagen der schnelle Hastige und Riegelein der ältere Weise. Und Riegelein kann von uns bezüglich der Startup-Unternehmenskultur und dem Online-Vertriebskanal lernen. Für die geht jetzt die Reise in den E-Commerce los!

Wird es durch die Übernahme Entlassungen bei Chocri geben?

Im Gegenteil. In der Verwaltung sind wir aktuell 14 Leute und es gab für den Deal sogar die Auflage, dass das Team mit seinem Know-how so erhalten bleibt, wie es jetzt steht.

Bezüglich Expertise und Kompetenzen gibt es da eben keine keine Überschneidungen mit Riegelein, da wir einfach in völlig unterschiedlichen Bereichen agieren: Riegelein ist wie gesagt sehr stark im Einzelhandel, wir hingegen können E-Commerce. Man könnte sagen, alles was die können, können wir nicht und umgekehrt – Riegelein hat zum Beispiel noch nie etwas von SEO gehört.

Was sind Deine Ziele als Gründer für die nächsten Jahre?

Ich will keinen Exit machen, sondern hier beteiligt bleiben und Chocri als Marke etablieren. Es wird sicher nicht leicht, es in den Einzelhandel zu schaffen. Das darf aber auch ruhig etwas dauern. Wir haben jetzt einen starken Partner.

Micha, danke für das Gespräch.

Michael Bruck (links) und Peter Riegelein

Bilder: Chocri