Finmar-Gründer Clas Beese

Mittelständische Kredite für Selbstständige von der Crowd

Die Hamburger Plattform Finmar will das Problem der mittelständischen Kreditvergabe für Selbstständige lösen: Statt von Banken sollen Unternehmer das benötigte Kapital von der Crowd bekommen. Das im Frühjahr 2013 gegründete FinTech-Unternehmen ist seit Dezember letzten Jahres in der Beta. Im Interview mit Gründerszene erzählt Gründer Clas Beese, wie sich Finmar von großen Wettbewerbern wie Auxmoney und Zencap absetzen will, warum es bei niedrigstelligen Krediten eher um Vertrauen als um Businesspläne geht – und welche Herausforderungen es mit sich bringt, ein FinTech-Unternehmen mit Banklizenz komplett per Bootstrapping hochzuziehen.

Worum geht es bei Finmar?

Finmar ist eine Crowdlending-Plattform für mittelständische Kredite. Wir richten uns also an Selbstständige und Unternehmer, die einen Kreditbedarf bis 25.000 Euro haben und sich auf der Plattform darstellen: Also einmal ihr Projekt darstellen, für das sie das Geld brauchen, präsentieren, was sie tun, aber vor allem sich selber darstellen. Sie sammeln dann nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip in kleinen Tranchen von Einzelpersonen das Geld ein. Wenn 100 Prozent der benötigten Summe zustande kommen, kommt es zum Kreditvertrag.

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Wie ist die Idee dazu entstanden?

Die Idee ist vor ungefähr vier Jahren entstanden. Zu der Zeit war ich Geschäftsführer von einem größeren Hamburger Gründungszentrum. Ein ganz wesentliches Thema für die Gründer war immer: Wie komme ich eigentlich an Bankkredite? Besonders Kredite im eher niedrigstelligen Bereich sind sehr schwer zu bekommen. Irgendwann machte mich mein Kumpel Christoph auf Crowdlending-Plattformen aufmerksam. In Deutschland gab es zu diesem Zeitpunkt zum Beispiel Auxmoney, die Kredite von Konsumenten an Konsumenten vermittelt haben. Da haben wir uns gesagt: Wir könnten doch Selbstständige adressieren, die ja die händeringend nach Krediten suchen, und sie mit der Crowd zusammenbringen – also Crowd-to-Business-Lending machen.

Wofür steht der Name Finmar?

Wir glauben, dass wir die Themen Finanzierung und Marketing zusammenbringen können – und „Fin“ und „Mar“ sind davon eben die ersten Silben dieser beiden Worte.

Warum sollten Leute bei euch Geld anlegen?

Da gibt es verschiedene Motive. Zum einen ist die Verzinsung mit sechs Prozent nicht allzu schlecht. Das zweite Motiv ist, dass du als Anleger gegebenenfalls den Kreditnehmer kennst und unterstützen möchtest – das heißt, du hast dabei das Gefühl, etwas Sinnvolles mit dem Geld zu tun. Das dritte Motiv ist, dass du über Finmar eine gewisse Transparenz hast und relativ stark steuern kannst, was eigentlich mit dem Geld passiert: Du unterstützt hier sinnvolle unternehmerische Projekte, zum Beispiel das Möbelgeschäft von der Julia um die Ecke – und eben keine Dinge wie Blutdiamanten oder Waffenhandel.

Wie hoch ist das Risiko für die Anleger?

Bei Finmar vergeben wir Personenkredite. Das heißt, der Kreditnehmer ist immer der Unternehmer als Person und muss das Geld eben auch zurückzahlen. Wenn ein unternehmerisches Projekt scheitert, dann entfällt diese Rückzahlungsverpflichtung eben nicht. Sollte es doch einmal einen Totalausfall geben, weil der Kreditnehmer in die Privatinsolvenz geht, so ist der Schaden zumindest dadurch begrenzt, dass du als Anleger maximal 2.500 Euro pro Projekt investieren kannst. Wenn du dein Geld also in mehreren Projekten bei Finmar anlegst, ist das Risiko breiter gestreut.

Alle Projekte, die sich bei uns auf der Plattform präsentieren, werden zudem geprüft: Wir schauen uns sowohl Identität und Schufa-Bonität des Kreditnehmers als auch die Projekte selbst genau an. Grundsätzlich machen wir da also eine Vorfilterung, wollen den Anlegern aber die Entscheidung selbst überlassen, ob sie für das jeweilige Projekt ihr Geld anlegen wollen oder nicht.

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Und auf welcher Grundlage entscheiden die Anleger dann?

Hinter so einer Anlageentscheidung steckt natürlich immer die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich mein Geld zurückbekomme? Kann ich dem Kreditnehmer vertrauen? Wir denken, dass es bei solchen, eher niedrigen Beträgen bis 25.000 Euro Fragen sind, die sich hauptsächlich um das Vertrauen drehen. Unserer Ansicht nach wird dieses Vertrauen mit dem Bauchgefühl entschieden – und nicht mit Businessplänen und Planzahlen. Die wiederum sind bei viel größeren Investmentsummen natürlich furchtbar sinnvoll, aber eben nicht bei so kleinen Beträgen.

Für die Crowd ist das Anlegen kostenlos. Wie wollt ihr mit Finmar zukünftig Geld verdienen?

Wir haben eine einzige Umsatzquelle: Für das Bereitstellen der Plattform, das Management und die Rückführung der Kredite erheben wir von den Kreditnehmern eine Servicegebühr. Die beträgt 5,95 Prozent der Kreditsumme – wenn sie tatsächlich vermittelt wird.

Wie seid ist Finmar bisher finanziert?

Wir sind komplett gebootstrapped. Im Moment sind wir ja auch noch in der Betaphase und müssen noch ein wenig an unserem Produkt arbeiten, bevor wir uns auf die Suche nach Investoren begeben und Geld einsammeln wollen.

Wie sieht es mit der Konkurrenz aus? Wie grenzt ihr euch ab?

Unsere Abgrenzung ist unser klarer Fokus auf Unternehmer, kombiniert mit unserem Ansatz der Transparenz. Damit grenzen wir uns stark ab von Plattformen wie Auxmoney und zu Lendico. Dann ist ein wichtiges Abgrenzungsmerkmal, dass wir die Kredite an natürliche Personen vermitteln. Unser Konkurrent Zencap beispielsweise zahlt Kredite an die KG oder GmbH aus.

Was waren bisher die größten Herausforderungen und welche Hürden liegen noch vor euch?

Eine riesige Herausforderung war auf jeden Fall das ganze rechtliche Konstrukt: Wir brauchten eine Banklizenz, mussten dafür eine Partnerbank finden und überzeugen – die Münchner Fidor Bank. Und dann mussten wir das Ganze auch noch technisch integrieren.

Die größte Hürde, die noch vor uns steht, ist sicherlich, den Proof of Market hinzubekommen. Da wir gerade in der Beta-Phase sind, gehen wir gerade iterativ vor und passen Dinge an die Bedürfnisse des Marktes und der Kunden an – und das alles immer noch botstrappender Weise. Vor uns liegt also die klassische Herausforderung eines Startups: Wir haben wahnsinnig viele Ideen und Ausgaben und zugleich wahnsinnig wenig Ressourcen.

Was ist deiner Meinung nach bisher richtig gut gelaufen?

Das Team. Wir haben ein Team von zehn Leuten, die sich alle sehr für Finmar engagieren und viel Zeit investieren. Niemand hat geglaubt, dass wir soweit kommen werden. Dass man so ein FinTech-Startup, das eine Banklizenz braucht einfach mal so via Bootstrapping hinbekommt, ist schon eine ziemliche Leistung.

Bild: Rieka Anscheit