So sieht es aus, wenn sich Banker mal ganz entspannt geben wollen. Im Saal der Frankfurter Messe sind statt der üblichen Stühle schlichte Bankreihen und Sitzsäcke aufgebaut. Drumherum sitzt man auf Barhockern. Doch so richtig lockere Barcamp-Atmosphäre will am Tag der Startups auf der Euro Finance Week nicht aufkommen. Dafür ist das Thema ja auch zu ernst. Es geht immerhin um Geld. Neben mir sitzt ein älterer Herr im – ja, es wird wohl ein Maßanzug sein. Dazu trägt er edle Schuhe aus Leder und eine teure Uhr. Stundenlang hält er fast unbeweglich auf diesem etwas ungemütlichen Sitzmöbel ohne Rückenlehne durch und lauscht den Vorträgen und Panels zum Thema Fintech.

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Immer wieder wird das Thema Regulierung der Finanzbranche angesprochen. Die strengen Vorschriften in Deutschland stehen Startups, die irgendwas mit Fintech machen, häufig im Wege. André Bajorat von Figo spricht diesen Umstand deutlich aus. Um mich herum wird halblaut gelacht. Tja, das haben die Jungs aus den Bankentürmen natürlich schon immer gewusst. So einfach ist das eben nicht. Da könnte ja sonst jeder kommen. Doch dann beschreibt Bajorat die Perspektive des Nutzers. Denn der will ja seine Finanzangelegenheiten unkompliziert, digital und per Smartphone steuern. Das Lachen wird deutlich leiser.

Doch wie kann man in der Finanzbranche zueinander finden? Der Wille ist da. Viele Banken haben inzwischen verstanden, dass Fintech-Startups Dinge schneller umsetzen können, neue Ideen haben und digitaler und innovativer denken. Außerdem ist es oft viel günstiger, mit Startups zu arbeiten, als eigene Abteilungen aufzubauen, die sich um Zukunfts-Themen kümmern. Auf der anderen Seite wissen Fintech-Startups, dass sie in Deutschland ohne die Hilfe von Banken ihre Ideen aus regulatorischen Gründen nicht umsetzen können.

Sollte es einen Bundesverband der deutschen Fintechs geben? Eine Art Forum? Oder einen Hub, um vorhandenes Wissen auszutauschen? Vorschläge gibt es viele in Frankfurt. In London hat Finanzminister George Osborne gerade einen Fintech-Beauftragten ernannt und es gibt mittlerweile 17 Fintech-Initiativen, die den Einstieg in die Branche erleichtern sollen. Auch Deutschland will und muss attraktiver werden. Da ist man sich einig, offenbar auch in der Bundesregierung. Jens Spahn, Staatssekretär im Finanzministerium, sagte der Süddeutschen Zeitung mit Blick auf die deutsche Finanzaufsicht Bafin: „Ein erster Schritt ist, dass die zuständige Aufsicht konkreter auf die Bedürfnisse von Fintechs eingeht.“

Das will auch Dr. Jean-Pierre Bußalb. Doch der Senior Advisor bei der Bafin ist ein sehr erfahrener und vorsichtiger Mann und beschwert sich erstmal über mangelndes Verständnis für seinen verantwortungsvollen Job: „Es werden zu oft unvollständige Anträge bei uns eingereicht – und wir müssen dann hinterher telefonieren. Das dauert dann eben seine Zeit.“ Außerdem würden die enttäuschten Kunden sich später bei der Bafin beschweren, wenn irgendetwas mit ihrem Geld schief ginge. „Gleiche Regeln für alle“, sagt Bußalb. Immerhin will man die Startups auf der Internetseite der Bafin in Zukunft besser informieren.

Aber wie sieht diese Zukunft der Finanzwelt aus? Wolf Lichtenstein, CEO für die DACH-Region beim Software-Anbieter SAS, wirft einen Blick auf die Autoindustrie. Gute Autos würden inzwischen von vielen Firmen produziert. Der Unterschied zwischen den Anbietern sei die Beziehung zum Kunden. Lichtenstein: „Was will eigentlich der Kunde von der Autofirma oder seiner Bank? Das ist die Frage.“ Mit der intelligenten Verarbeitung und Analyse von Daten sei es heute schon möglich, sehr genau zu wissen, was der Kunde will und wann und wo. Lichtenstein: „Ja, auch im Bankengewerbe geht es um Emotionen. Gerade in digitalen Zeiten.“ Menschen wollen gut behandelt werden. Auch von ihrer Bank. Und genau an diesem Punkt können Startups den etablierten Instituten helfen und für eine bessere „Userexperience“ sorgen.

Und Digitalvordenker Lichtenstein wird noch etwas deutlicher: Wenn man heute eine Bankfiliale betrete, sei das für viele Kunden schlimmer als ein Termin beim Zahnarzt. Und Fintechs seien für Banken das, was der Thermomix für das Kochen ist. Spätestens jetzt lacht niemand mehr. Man spricht sich lieber etwas Mut zu. Fintechs werden die Banken natürlich nicht ersetzen, sondern nur herausfordern, heißt es neben mir beim Nachmittagskaffee. Na gut. Wenn das so ist, kann man ja gute Gewissens zur Preisübergabe schreiten. Denn einen Startup-Wettbewerb gab es in Frankfurt auch noch. Und das sind die Sieger des Fintech Awards 2015:

1. GetGems

GetGems ermöglicht Zahlungen über die Messenger-Systeme von sozialen Netzwerken.

2. SavingGlobal

SavinGlobal ist ein Marktplatz für Geldanlage. Ziel ist es,, den Kunden höhere Zinsen von ausgewählten Banken in ganz Europa zu verschaffen.

3. Kreditech

Kreditech sieht sich als Technologie-Unternehmen, das seinen Kunden maßgeschneiderte Finanzlösungen zur Verfügung stellt. Vor allem Kredite.

 

Foto: Vorwerk; Hinweis: Der Autor war Mitglied der Jury beim Fintech Award.