Firstbird-Gründer

„Wir haben die Empfehlungen im Recruiting-Bereich natürlich nicht erfunden“: hinter Firstbird stehen Daniel Winter (CTO, links), Matthias Wolf (COO) und Arnim Wahls (CEO)

Am Anfang eines jeden Startups steht in der Regel ein Problem. Bei Firstbird war das ein teures: Für die Rekrutierung eines Anwalts hatte die große Kanzlei, bei der Gründer Arnim Wahls als Recruiting-Leiter arbeitete, einem Personalberater 30.000 Euro gezahlt. Hinterher stellte Wahls fest, dass drei Kanzlei-Mitarbeiter den neuen Angestellten bereits kannten. „Hätten wir unser Netzwerk besser genutzt, hätten wir den Personalberater gar nicht erst engagieren müssen“, sagt der Gründer.

Inzwischen steht Wahls gemeinsam mit seinem Mitgründer Matthias Wolf und dem CTO Daniel Winter hinter einem Startup, das dieses Problem lösen will. Firstbird vertreibt eine gleichnamige Plattform zur Mitarbeiter-Empfehlung, mit der Unternehmen ihre Angestellten sowie Externe, etwa ehemalige Praktikanten oder Geschäftspartner, zu Headhuntern machen können.

Dazu importiert das Unternehmen seine Kontakte in die Plattform und schaltet dort Stellenanzeigen frei. Das Netzwerk erfährt per Mail davon: Kennst Du nicht jemanden, der auf diese Stelle im Marketing passt? Der Empfänger kann das Gesuch beispielsweise in sozialen Netzwerken teilen, über WhatsApp verschicken oder direkt an eine Personen im Bekanntenkreis weiterleiten, die auf die Stelle passen könnte.

Anzeige
„Wir haben die Empfehlungen im Recruiting-Bereich natürlich nicht erfunden, viele Jobs werden schon jetzt über diesen Weg vermittelt“, sagt Wahls. „Wir wollten den Werbenden aber ein Werkzeug an die Hand geben, das ihre Tätigkeit analysiert und sichtbar macht.“ Auf Statistiken zum Erfolg und zu den Zahlen geteilter Anzeigen können die Empfehlenden und auch die Unternehmen zugreifen.

Für ihr Engagement sollen die Empfehlenden belohnt werden. So versprechen Arbeitgeber für erfolgreiche Werbung Prämien, etwa finanzielle. Einen Anreiz soll auch der Wettbewerbsgedanke schaffen: Wer in der Abteilung hat die meisten Leute ins Unternehmen gebracht? Für Arbeitgeber seien die Empfehlungen günstiger und effizienter, sagen die Gründer. Im Schnitt würde jeder dritte Bewerber, der über Firstbird geworben wurde, eingestellt. Unternehmen mit 31 bis 250 Mitarbeitern zahlen für die Nutzung des Programms 625 Euro pro Monat, größere Unternehmen ab 1.250 Euro.

2014 durchlief Firstbird das Accelerator-Programm von Microsoft Ventures in Berlin, heute sitzt das Team aber wieder in Wien, wo es 2013 gegründet wurde. Erst vor Kurzem schloss es eine Finanzierung über 600.000 Euro ab. Über 100 Kunden hat Firstbird eigenen Angaben zufolge in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Eine Social-Recruiting-Software bietet auch das Münchner Talentry, das schon 2012 gegründet wurde. Hier stehen finanzielle Vermittlungsprämien für Mitarbeiter im Vordergrund.

Bild: Firstbird