fishlabs insolvenz

Screenshot von Fish-Labs kommendem Titel „Galaxy on Fire – Alliances”

Fishlabs: insolvent in Eigenverwaltung

Der Hamburger Spieleentwickler Fishlabs (www.fishlabs.net) hat finanzielle Probleme und befindet sich nun in einem Insolvenzverfahren. Das berichtet Newsslash - und Fishlabs-CEO Michael Schade bestätigt es auf Nachfrage gegenüber Gründerszene. Demnach habe das Spieleunternehmen bereits am 24. Juli ein Schutzschirmverfahren auf den Weg gebracht, das dem aktuellen Insolvenzverfahren voranging und den Kontrollverlust durch die Eigenverwaltung des Unternehmens verhinderen sollte.

Nachdem man laut Schade „drei Monate ganz normal weiter gearbeitet“ habe, wurde am 1. Oktober das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet und als Konsequenz 25 Mitarbeiter entlassen. Die Entlassungen entsprechen einem Drittel der Belegschaft und betreffen hauptsächlich das Marketing und Teile der Art-Abteilung. Dass vor allem diese Bereiche betroffen sind, ist gleichzeitig eine klare Botschaft: Die Spiele werden fortgeführt. Neben den Entlassungen verzichte das Management auf 30 Prozent des Gehalts, die Gründer gar ganz.

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CEO Michael Schade sagt, dass man trotz des Insolvenzverfahrens weiterhin in Eigenverwaltung agiere. Als Grund für den Liquiditätsengpass nennt er die Schwierigkeit, neue Investoren zu finden. Fishlabs war nach der ersten Finanzierungsrunde in der Minderheit, ein Umstand, der neue Investoren abgeschreckt habe. Die Altinvestoren seien allerdings nur dann gewillt gewesen, neues Kapital in das Hamburger Unternehmen zu investieren, „wenn sich auch neue Investoren beteiligen würden“, so Schade – ein Teufelskreis. Abhilfe könnten „Asset-Deals mit etablierten Publishern aus dem Free-to-play-Bereich“ schaffen, hofft Schade.

Die Fishlabs-Geschichte erinnert an die Analyse von Neil Rimer, Partner bei Index Ventures, der sich in einem offenen Brief an deutsche Gründer wandte: Häufig würde er in Deutschland auf Unternehmen treffen, die erst ein Jahr alt seien und deren Produkt noch gar nicht gelauncht sei – die aber bereits 60 Prozent der Anteile an externe Investoren abgegeben hätten. Das sei für VCs nicht mehr interessant – wie Fishlabs nun am eigenen Leib erfahren durfte.

Free-to-play sehr kostenintensiv

Wie viele Spieleunternehmen hat auch Fishlabs derzeit mit der Umstellung auf das Free-to-play-Modell zu kämpfen. Der US-Spiele-Riese Big Fish äußerte sich erst kürzlich in einem Interview mit Gründerszene zu diesem Thema:

„Nimmt man nur die Veränderungen, die das Free-to-play-Modell brachte – Spiele agieren als Service und Studios benötigen große Live-Teams und finanzielle Stabilität, um Monate iterativer Veränderungen am Spiel zu überstehen, während gleichzeitig Millionen in Werbung fließen, um Spiele in die Charts zu bringen –, so sind diese enorm.“

Fish Labs hat weiterhin Potenzial

Die Spiele der Hamburger haben dennoch durchaus Potenzial. Da gibt es zum einen den Erfolg des Zugpferdes „Galaxy on Fire“, das – mit mittlerweile mehreren Add-Ons versehen – bereits Millionen an Downloads für iOS und Android generieren konnte. Zu verdanken sei dieser Erfolg neben dem Spiel selbst auch den „guten Beziehungen zu Apple und Google“, so Schade. Fish-Labs-Spiele werden regelmäßig gefeatured. CEO Schade geht davon aus, dass die Fishlabs-Titel „auch weiterhin gefeatured werden“. Man stehe „weiterhin in einem guten Verhältnis“ zueinander. Auch seien die Beziehungen zu den Brand-Games-Auftraggebern wie Volkswagen weiterhin gut.

Der Fishlabs-Titel „Galaxy on Fire – Alliances“, ein Massive-Multiplayer-Online-Spiel aus dem Galaxy-Universum, befindet sich derzeit in der Closed Beta, weist aber bereits 150.000 Registrierungen auf. Das ist zum einen ein Vertrauensbeweis der Spieler, zum anderen sind Closed-Beta-Tests an sich eine Seltenheit in der Mobile-Games-Welt. Fishlabs muss nun auf den Erfolg seines Folge-Titels hoffen, um die Liquiditätsengpässe zu überwinden.

Bild: Fishlabs