Flappy Fish ist ein Flappy-Bird-Klon aus Bautzen

Flappy Fish ist ein Flappy-Bird-Klon aus Bautzen

Alle werden flappy: Bienen, Pinguine und Fische

So geht Sucht: „Flappy Bird, du Spiel aus der Hölle!“, postete vergangene Woche jemand auf Facebook. „Ich komm nicht über 0 Punkte hinaus“, antwortete jemand in den Kommentaren. „In 15 Minuten hast du 5 Punkte, in einer Stunde vielleicht 6 und ein Aggressionsniveau erreicht, das du bis dahin bei dir nicht kanntest!“

Das war kurz bevor Entwickler Ha Dong Nguyen aus Vietnam das Spiel aus den App-Stores nahm – es sei zu erfolgreich geworden, habe sein einfaches Leben kaputt gemacht, sagte er. Das Spiel mache süchtig. Da verzichtete er lieber auf die 50.000 US-Dollar, die er angeblich damit am Tag verdiente – und kurbelte den Hype um das Spiel nur noch mehr an. Verknappung führt zu noch mehr Nachfrage, zu noch mehr Aufmerksamkeit und zu noch mehr Leuten, die gerne mitverdienen wollen am großen Hype.

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So wie die beiden Programmierer von EntwicklerX aus Bautzen, die sich vor zehn Tagen hinsetzten, schnell fünf, sechs Stunden durchprogrammierten und dann ihre Variante des Spiels in den Playstore von Google schickten: Flappy Fish, bei dem man einen Fisch durch Klicken des Touchscreens nach unten und damit durch die Hindernisse steuert. „Wir hatten vor Jahren bereits ein ähnliches Spiel für den Amiga programmiert: Bubbelsche Deluxe, das wir auch immer mal für Android-Geräte rausbringen wollten, es aber bisher nie gemacht haben“, sagt Thomas Claus, der bei EntwicklerX die Grafik macht. „Jetzt haben wir es im Flappy-Bird-Hype einfach schnell zu Flappy Fish umgebaut.“

Es ist das bisher erfolgreichste Game für die kleine Spieleschmiede, die Claus mit einem Programmierer seit eineinhalb Jahren in Bautzen betreibt. Bisher ist Flappy Fish rund 130.000 Mal heruntergeladen worden. „Das ist natürlich kein Vergleich mit den Millionen Downloads von Flappy Bird“, sagt Claus. „Vielleicht machen wir damit diesen Monat 1.000 Euro, vielleicht 2.000 Euro, für uns ist das super.“

Flappy Bird steigert Nachfrage nach Mobile-Entwicklern

Wie groß der Hype ist, merken auch die Betreiber der Freiberufler-Plattform Elance. Mit dem Flappy-Bird-Boom ist die Nachfrage nach den mehr als 38.000 registrierten Mobile-Entwicklern deutlich angestiegen. Wer aber das Spiel einfach nur nachbauen will, hat Pech gehabt: „Bei eindeutigen App-Cloning-Anfragen auf Elance sind wir rigoros, diese Projekte werden runtergenommen“, sagt Deutschland-Chef Nicolas Dittberner.

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Es gibt Flappy Bird inzwischen in fast 100 verschiedenen Varianten, mal sind es Pinguine, mal Bienen, mal gibt es leichte Abwandlungen im Gameplay. Die Website Business Insider berichtete gar von einem iPhone 5s mit Flappy Bird, für das auf Ebay angeblich mehr als 99.000 Dollar geboten wurden, nachdem das Spiel aus den App-Stores verschwunden war.

Natürlich gibt es inzwischen auch Browser-Versionen, wie etwa Free Flappy Bird. Oder Flappy Horst, das Satire-Spiel vom Bayerischen Rundfunk. Dabei gilt es, den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer durch Maßkrüge zu steuern. Doch auch wer das Originalspiel sucht und nach „Flappy Bird APK“ googelt, wird für Android-Handys schnell fündig.

Update,13. Februar 2014 : Online-Sicherheits-Firmen warnen vor betrügerischen Flappy-Bird-Versionen: Es seien Apps im Umlauf, „die Nachrichten an Bezahldienste verschicken und so ihren Opfern ungewollte hohe Telefonrechnungen bescheren“, schreibt etwa Trend Micro. Falsche Flappy-Bird-Apps würden zum Beispiel bei der Installation nach Lese- und Senderechten für Textnachrichten fragen. „Im Original ist dies nicht erforderlich.“

Thomas Claus und sein Programmierer wollen den Hype weiter ausnutzen, sie haben bereits zwei weitere Flappy-Versionen gebaut. „Flappy Bird vs. Flappy Fish“ und „Flappy Fish Escapes“ haben ein leicht verändertes Gameplay. „Wir wollen die Welle einfach mitnehmen“, sagt Claus. „Damit werden auch unsere anderen Spiele bekannter.“ Was das Duo aus Bautzen auch ganz gut gebrauchen kann: Vergangenes Jahr entwickelten sie neun Monate an einem Game – aber das Weltraumspiel M.A.C.E wurde ein Flop. Für Flappy Fish brauchten sie nur fünf bis sechs Stunden, aber das Spiel wurde im Schatten des großen Vorbilds ein kleiner Erfolg für Claus. „Aber eigentlich wollen wir eigene Spiele machen, das macht uns deutlich mehr Spaß“, sagt der Mitgründer.

Bild: Screenshot Flappy Fish