Deutscher Gründerpreis

Es war geschätzte 35 Grad im Schatten, als gestern im ZDF-Hauptstadtstudio Unter den Linden das Who ist Who der deutschen Wirtschaftsszene zusammentraf, um die erfolgreichsten Gründer des Jahres zu ehren. Obwohl es bei all den Scheinwerferlichtern eigentlich gar keinen Schatten gab. Noch mehr schwitzten aber die Nominierten, denen eine prominente Berichterstattung im Stern und dem ZDF winkten, genauso wie ein Gründungscoaching der Porsche Consulting-Gruppe. Aus Pietät mag man sich nun Scherze über Porsche schenken, verteilte doch schon Moderatorin Marietta Slomka den ein oder anderen sympathischen Seitenhieb.

Für die Gewinner also eine tolle Chance, um einer breiten Öffentlichkeit begegnen zu können und gleichzeitig wertvolle Kontakte zu knüpfen. Doch dazu musste auch viel getan werden, wie ein nominiertes Unternehmen an Gründerszene verriet: Die Jury verlangte Businesspläne im Umfang von Studienarbeiten und stellte auch im Nachgang noch tiefgreifende Fragen, um sich sicher zu sein, die richtigen Unternehmen ausgewählt zu haben. Doch dies zu Recht, war die Klientel vor Ort doch exklusiv. Auf der Gästeliste standen Namen wie Heinrich-Otto Deichmann, Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell oder Dr. Florian Langenscheidt.

Der Deutsche Gründerpreis wurde so zu einer guten Gelegenheit für junge Unternehmen, sich mit Branchengrößen auszutauschen und eine breite Öffentlichkeit zu gewinnen. Nur schade eigentlich, dass sich nur die Old Economy zum Händeschütteln und Auf-die-Schulter-Klopfen versammelte, um erfolgreiche neue Gründer zu begutachten. Wo waren die Internetfirmen? Wo die neuen Querdenker der Onlinewelt? Gäste wie Oliver Beste oder Lukasz Gadowski bildeten die Ausnahmen. Ein bisschen merkte man also noch die üblichen (Offline-)Denkensbahnen der klassischen Medien und der Wirtschaft. Als Internetunternehmer fühlte man sich ein wenig wie ein Tier im Zoo: Alle bestaunen einen und finden einen doch irgendwie fremd.

Höhepunkt des Abends waren einerseits die charmant-kritischen Fragen an die wirtschaftliche High Society von der ganz in weiß gekleideten Marietta Slomka, vor allem aber die Rede des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg. Nicht nur waren dessen pointierte Andeutungen ungemein amüsant, sondern gleichzeitig auch durchdacht und auf den Punkt. Nicht beschönigend, aber auch nicht griesgrämig oder frustriert. Selten hat ein deutscher Politiker in Krisenzeiten wohl  solch einen Applaus verzeichnen können, wie zu Guttenberg an diesem Abend.

Doch zurück zu den eigentlichen Protagonisten des Abends – den Unternehmern. Insgesamt wurden fünf Auszeichnungen vergeben: Den Preis für das beste StartUp erhielten die drei Gründer von True Fruits Inga Koster, Marco Knauf und Nicolas Lecloux, die mit ihrem Unternehmen Smoothies (Getränke aus püriertem Obst) über das Internet vertreiben. Dass scheinbar auch ihre Öffentlichkeitsarbeit sehr gut funktioniert, zeigt die Tatsache, dass die drei Gründer bereits zwei Stunden nach Ende der Übertragung einen Videozusammenschnitt des Abends auf ihrer Seite zeigten. Ihre Freude teilen sie mit der Gründerszene in folgendem kleinen Interview:

Bester Aufsteiger wurde das von Niels Fertig und Jan Behrends ins Leben gerufene Unternehmen Nanion, das ein technisches Messverfahren entwickelt hat, mit dem Pharma- und Biotech-Unternehmen Wirkstoffe schneller und günstiger testen können. Beste Schüler-Gründung wurde eine innovative Zahnbürste, die beim Putzen die Zähne abtastet und auf Schäden untersucht. Den Sonderpreis erhielt Professor Günter Faltin von der FU Berlin, der mit seiner Projektwerkstatt GmbH die Teekampagne ins Leben rief, ein Online-Unternehmen, das Darjeeling-Tee in Großpackungen zu einem enorm günstigen Preis vertreibt. Auch hier war des nachts bereits auf Facebook vom Preisgewinn zu lesen. Ausgezeichnet für sein Lebenswerk wurde Artur Fischer, der unglaubliche 1.100 Patente aufweisen kann und dessen Produkt so ziemlich jeder Bundesdeutsche in seinem Haushalt verwendet: Dübel. Begonnen hat die Artur Fischer GmbH & Co. KG mit dem weltweit ersten Blitzlicht im Jahre 1949. Bekanntheit erlangte das Unternehmen aus dem Schwarzwald unter anderem durch die Fischer-Bautechnik-Kästen, doch der Geniestreich war wohl besagter Dübel aus Polyamid. Unten wie immer ein paar Impressionen der Veranstaltung.