Fraisr Startup-Helden

Die Fraisr-Gründer Lukas-C. Fischer, Alex Schwaderer und Oskar Volkland (von links)

Seedmatch, die Crowdinvesting-Plattform aus Dresden, feiert in diesen Tagen ihren vierten Geburtstag. Im August 2011 war Seedmatch der erste Player dieser Art – in seiner Vierjahresbilanz rühmt sich das Unternehmen, sowohl bei Anzahl der Fundings als auch im Bezug auf die Menge des investierten Kapitals noch immer „am deutschen Markt unübertroffen“ zu sein. 81 Mal wurde Geld über Seedmatch eingesammelt, insgesamt 24 Millionen Euro kamen dabei zusammen.

Seedmatch liegt aber auch in einer weniger rühmlichen Kategorie vorn – bei den Crowd-Pleiten. Am Freitag gab das 2013 von der Crowd finanzierte Social Startup Fraisr bekannt, den Geschäftsbetrieb eingestellt zu haben. Es ist das insgesamt elfte Seedmatch-Startup, das nicht überlebte. Zu den gescheiterten Projekten gehörten etwa der Lernstift Vibewrite und die Kinder-Bastelkiste Tollabox.

Fraisr, 2012 von Oskar VolklandLukas-Christian Fischer und Alex Schwaderer gegründet, warb für sich als „Marktplatz für die gute Sache“. Wer über die Plattform Waren verkaufte, konnte dabei mit einem Teil des Erlöses ein soziales Projekt finanzieren. Fraisr arbeite daran, „den Menschen im Internet das Spenden leichter zu machen“, erklärten die Gründer 2013 im Gründerszene-Interview.

Später erweiterte das Startup sein Konzept um ein Plugin für eine Shop-Software. Andere E-Commerce-Shops sollten damit das Fraisr-Prinzip integrieren können. Im April entschieden die Fraisr-Macher, den Marktplatz einzustellen und sich ausschließlich auf das SaaS-Geschäft zu konzentrieren. Doch der Pivot brachte nicht den gewünschten Erfolg – Ende Juli wurde die Gesellschaft aufgelöst, sie wird nun nach und nach liquidiert.

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In einem Interview auf dem Seedmatch-Blog enthüllen die Mitgründer Alex Schwaderer und Oskar Volkland aber, dass das Startup schon viel länger von Problemen gebeutelt wurde: „Wir waren mit Fraisr im Grunde genommen seit Beginn unseres Fundings auf Seedmatch fortwährend in einer finanziell sehr angespannten Situation“, gibt Schwaderer zu. Die Kampagne war Ende 2013, 75.750 Euro kamen zusammen. Fraisr hatte aber auf bis zu 250.000 Euro gehofft. „Das Funding [...] verlief leider früh schon nicht so, wie wir und alle Beteiligten uns das vorgenommen hatten“, so Schwaderer. „Wir konnten mit dem letztlich aufgenommenen, deutlich geringeren Kapital bei weitem nicht die Wachstumspläne umsetzen, die wir vor dem Fundingstart aufgestellt hatten.“

Das führte unter anderem dazu, dass sich Fraisr unmittelbar nach Ende der Seedmatch-Kampagne von sämtlichen Mitarbeitern trennen musste. Damit blieben nur die Mitgründer Volkland und Schwaderer, „um mit den verbliebenen Ressourcen irgendwie noch eine Erfolgsgeschichte auf die Beine zu stellen, die für weitere Anschlussfinanzierungen getaugt hätte“, so Schwaderer. „Leider ist uns das nicht gelungen.“ Weitere 400.000 Euro hatte Fraisr schon im Herbst 2012 von Angel-Investoren bekommen, unter anderem investierten die German Startups Group und Werbelegende Bernd Heusinger.

Die Konsequenz: „Als dann unser bestehendes Produkt zunehmend modernisierungsbedürftig wurde, und wir auch den laufenden Geschäftsbetrieb nicht mehr zuverlässig aufrechterhalten konnten, uns aber gleichzeitig die Mittel fehlten, hier noch zu investieren, sind wir schließlich an den Punkt gelangt, das Geschäft einzustellen.“

Bild: Fraisr