Frank_Thelen Main Incubator Frankfurt

Bescheidenheit kommt nach dem Fall

Der Teppichboden in Holz-Optik sieht aus wie flauschiges Parkett, vor den Fenstern hängen Gardinen mit Blumenmuster, poppige Collagen zieren die Wände. Das Hotel im Frankfurter Bahnhofsviertel will hip sein und bodenständig. Das Publikum im Tagungsraum trägt trotzdem Anzug. Schwarz, dunkelblau, Nadelstreifen – und mittendrin eine ausgewaschene Jeans.

Frank Thelen ist dem Ruf des Main Incubators gefolgt, dem Startup-Arm der Commerzbank, der in Frankfurt monatlich Vortrags- und Networking-Abende für die Fintech-Szene organisiert. „Between the Towers“ heißt die Veranstaltungsreihe, mit der der Inkubator beweisen will, dass er am Boden geblieben ist. Das funktioniert im kernigen Bahnhofsviertel nun mal besser als im 24. Stock eines gläsernen Banken-Tempels.

Doch Doo-Gründer und DHDL-Juror Thelen ist nicht gekommen, um vor der versammelten Fintech-Gemeinde über Banken zu sprechen. Von denen hat er nämlich, wie er selbst sagt, „keine Ahnung“. Er erzählt als einer, der schon mal auf die Nase gefallen ist. Und redet dabei nicht um den heißen Brei herum. „Ich war pleite, hatte nichts geschafft und alle, die an mich geglaubt haben, enttäuscht“, sagt er über das Scheitern seines Support-Dienstleisters Twisd, das ihn 2001, mit 26 Jahren, fast in die Privatinsolvenz stürzte. Als er davon spricht, wirft er ein Bild seines damaligen Wagens an die Wand. Thelen fuhr seinen BMW im Stress der Pleitezeit zu Schrott.

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Mit der Dokumentenverwaltung Doo habe er dann übers Wasser laufen und das Papier abschaffen wollen: „Für alles braucht man Papier. Das ist doch so blöd, dass es kracht!“ Von ihren Unterlagen aus Cellulose wollte sich die Menschheit bekanntermaßen aber nicht trennen. Als mit Scanbot sein neuestes Projekt zur Sprache kommt, gibt sich Thelen gleich viel bescheidener. „Ich will die Welt damit nicht komplett revolutionieren, sondern Dokumente so scannen, dass man sie digital unterschreiben kann.“

In Thelens Schusslinie stehen an diesem Abend die Vorstände der Old Economy. An der angestaubten Automobilbranche etwa lässt er kein gutes Haar. Im Intro zur Startup-Show „Die Höhle der Löwen“ habe er eigentlich im Hybridfahrzeug eines deutschen Autoherstellers vorfahren wollen. Also habe er sich über den Wagen informiert und herausgefunden, dass er „gequirlter Mist“ sei. Doch der Hersteller habe von seiner Kritik nichts wissen wollen. „Die haben mich für einen durchgeknallten Vollidioten gehalten. Diese Arroganz tötet unser Land“.

Aufholbedarf gäbe es aber auch bei den Verbrauchern. Den anwesenden Gründern prophezeit er, dass man sie für das Aufbrechen alter Industrien hassen wird: „Die Leute haben nicht immer Bock darauf, ihr Leben zu verändern. Am Ende finden sie es geil, Tesla zu fahren, aber der Weg dahin ist hart.“

Frank Thelen legt einen authentischen Auftritt hin. Man kauft es ihm ab, wenn er sagt, dass Startups für ihn „das Geilste“ überhaupt sind. Deshalb sei er bei „Die Höhle der Löwen“ auch als Juror aufgetreten. Dabei hätten ihn aber „Nagellackierhilfen und so ’n Scheiß“ gestört. Für die nächste Staffel hoffe er auf mehr Startups aus der digitalen Welt. Bestätigen will Thelen seine Rückkehr in die Löwenhöhle nicht. Doch es hört sich zumindest so an, als sei sie nicht ausgeschlossen.

Bild: Gründerszene/Elisabeth Neuhaus